{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1910-05-25/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"* \n* * \nAufzeichnung B \nEs wird zuerst der Geist des Tages angerufen: Merkur. \nIn dem esoterischen Leben zeigen sich Erscheinungen, die \neine große Bedeutung haben für den Esoteriker. Wenn wir die \nvorangehenden Stunden auf uns haben wirken lassen, ist es nötig, noch diese letzte zu empfangen, um sie zu einem Ganzen zu \nverbinden. \nIm gewöhnlichen äußeren Leben ist es die Welt selber, die die \nFehler korrigiert, die wir durch unsere angeborene Veranlagung \nmitgebracht haben; aber im esoterischen Leben bekommen unsere Eigenschaften und Anlagen eine ganz andere Bedeutung. Ja, \nes geht so weit, daß das Wort, das die [betreffende] Eigenschaft \nbezeichnet, nicht einmal das Charakteristische dieser Eigenschaft \nmehr ausdrückt. Es ist uns gesagt worden, daß Hochmut, Eitelkeit, Stolz gefährlich sind; aber wenn der Mensch, ohne nach \nGleichgewicht zu streben, diese Eigenschaften ganz von sich loslösen möchte, würde er sein Selbstgefühl verlieren. Sein Ich zerfließt, und er wird zu einem Menschen ohne Inhalt. Auf der \nanderen Seite wirkt diejenige Eigenschaft, die man Liebe nennen \nkönnte, ebenso gefährlich. Der Mensch, der immer nur geneigt \nist, Liebe zu geben, und glaubt, allen Menschen helfen zu müssen, fällt in das andere Extrem, daß er immerfort mit sich selbst \nbeschäftigt ist und sich in seinem Ich einspinnt. Wenn Eigenschaften sich zeigen, sind immer zwei sich entgegenarbeitende \nKräfte im Spiel. \nWürde es nur Liebe als das Höchste in der Welt geben, so \nwäre überhaupt nichts da; die Gegenkraft muß immer das \nGleichgewicht bewirken. So soll heute hingewiesen werden auf \nKräfte oder Wesen, die in uns wirken und jene eigentümlichen \nZustände in uns hervorrufen, die jeder Esoteriker kennt. \nDer erste Zustand ist der einer Mißstimmung, einer Mißstimmung, die anscheinend ohne jeden Grund heraufzieht, die in jeder Kleinigkeit einen Grund finden und die zu solcher Heftigkeit ausarten kann, daß die ganze Natur eines Menschen verwandelt erscheinen kann. In diesem Falle haben wir es mit Wesen zu tun, die zu der Hierarchie der Urkräfte gehören, die heilbringende Wesen sind, wenn sie auf ihrem eigenen Gebiet bleiben; aber wenn sie außerhalb ihres Gebietes treten, in das der \nHierarchie der Geister der Form, so wirken sie zum Schaden. \nSie werden «Geister der Schwere» genannt, und sie sind es, die \nuns beim Aufwachen helfen, uns zum Irdischen hinunterziehen. \nDas gibt uns oft dieses Gefühl der Schwere, der Trägheit beim \nAufwachen. Aber wenn wir noch die Mißstimmung dazu fügen, \ndann wirken diese Geister im nachteiligen Sinne auf uns ein und \nmachen alles schwer und dunkel für uns. Sie wirken dann auf \nden physischen Leib ein und erfüllen ihn mit Schwere, so daß \nman wie an die Erde gefesselt ist. Wenn das Ich sich dem nicht \nwidersetzt und nicht die Gefahren ahnt, die ihm da drohen, \ndann beherrschen diese Geister auch unser Ich; der Mensch wird \nmachtlos, er verfällt in Hypochondrie. Ein jeder weiß, wie \nschwer Hypochondrie zu heilen ist. Diese Krankheit deutet immer auf eine Wirkung aus einem früheren Leben als Esoteriker, \ndenn in einer Inkarnation kann sie nicht entstehen. Wenn die \nGeister der Schwere sich so unser bemächtigt haben, so zeigt \nsich das in Krankheiten des Unterleibes und der Verdauungsorgane. \nJetzt müssen wir uns auch noch bekanntmachen mit den Geistern des Lichtes, die ebenso, wenn sie auf ihrem eigenen Gebiete bleiben, als heilsame Kräfte tätig sind, die aber, wenn sie \naußerhalb ihres Gebietes treten und sich hineinbegeben in das \nGebiet der Geister der Bewegung, dem Menschen Unheil bringen. Das ist der Fall, wenn zum Beispiel ein Mensch sich einbildet, er müsse der Menschheit helfen, wenn er ganz in Liebe aufgehen will, während er eigentlich die Begierde hat, ohne Mühe \nhöher steigen zu wollen. Dann kommen diese Geister des \nLichts, dringen in den Menschen ein und bringen ihn zur \nSchwärmerei, so daß sich alle Vorstellungen in Unwahres verwandeln. Der Mensch denkt, daß er eine Kraft zum Guten sei, \ndaß er die Welt bessern müsse. Wenn man unter die Herrschaft \ndieser Geister gerät, dann ist das Ich so ganz von sich selbst erfüllt, daß es die Dinge außerhalb von sich nicht mehr im richtigen Verhältnis sehen kann, und schließlich verfällt der Mensch \nin einen Zustand, daß sein Leib beeinflußt wird, und zwar wird \nsein Gehirn zerstört. Wenn er aber gegen diese Kräfte reagiert, \nzu begreifen versucht, daß alles nur Einbildung ist, [wenn er \nglaubt,] daß er den andern helfen könne und so weiter, wenn er \nviel mehr versucht, seine Kräfte von diesem Liebesbetätigen abzulenken und jede Begierde nach Fortschritt in sich zu unterdrücken, im Vertrauen, daß die richtige Reife sich zur richtigen \nZeit einstellen wird: dann wirken diese Geister als heilsame \nKräfte und bringen uns Schritt für Schritt weiter zum Lichte \nhin. Sie sind es, die uns abends beim Einschlafen helfen, uns \nzum Lichte zu bringen. \nSo sollen wir immer auf der Hut sein vor diesen beiden Kräften; und wenn sie sich in unseren Gefühlen zeigen, sollen wir \nsofort wachsam sein und unsere Aufmerksamkeit auf uns selber \nrichten. Wenn wir eine Verstimmung haben und immer wachsam dagegen gekämpft haben, dann wird der Augenblick kommen, wo wir unseren Leib wie gerädert fühlen, daß er uns \nschmerzt bis ins Mark hinein, und das wird uns dann der Beweis sein, daß wir gesiegt haben. Und wenn wir zur Schwärmerei hinneigen, wie hier geschildert wurde, und wir haben mutig \ndagegen gekämpft, dann kommt ein Gefühl in uns, als ob wir \nkeine Beine mehr hätten, um darauf zu stehen, als ob unser \nKörper zu leicht wäre, daß ihn der Boden festhalte; und das ist \nder Beweis, daß wir im Kampfe mit den Geistern des Lichtes \ngesiegt haben. \nDas sind die Folgen der richtig vollzogenen Übungen; und \nanstatt daß man ängstlich wird oder verstimmt, sollten sie uns \nermutigen, tapfer vorwärtszugehen. Wenn man allmählich einsehen lernt, wie man immer von allen Seiten von Kräften umgeben ist, die auf den Menschen wirken, dann lernt man in vollem \nSelbstbewußtsein den Tag durchleben und das Gleichgewicht \nherstellen zwischen all diesen Wirkungen. So wird man auch \nbesser verstehen das Schlußwort unserer Betrachtungen, deren \nerste Hälfte den Geist der Schwere darstellt: \nIm Geiste lag der Keim meines Leibes ... \nund die zweite Hälfte den Geist des Lichtes: \nIn meinem Leibe liegt des Geistes Keim ...","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Hamburg, 1910-05-25","site_heading":null,"date":"1910-05-25","location":null,"word_count":1009,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-05-25/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-05-25/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266b/1910-05-25/p003"}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern","evidence_translation":"Participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}