{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1910-11-05","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05","ga":"266b","lecture":"1910-11-05","lecture_number":null,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1910-11-05","site_heading":null,"date":"1910-11-05","location":null,"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"passage_count":13,"word_count":4965,"translation_credit":null,"witnesses":[{"lang":"de","edition":"original","is_original":true,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":13,"passage_count":13,"word_count":4965},{"lang":"en","edition":"English","is_original":false,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":60,"passage_count":60,"word_count":5099,"completeness":{"ratio":1.03,"band":"comparable","note":null}}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern","evidence_translation":"Participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."},"passages":[{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p001","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p001","passage_number":1,"word_count":6,"text":"## GA 266/2 — 1910-11-05, Berlin"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p002","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p002","passage_number":2,"word_count":268,"text":"Berlin, 5. November 1910 \nAufzeichnung Α \nDie Arche Noah \nWie immer wollen wir auch heute den Tagesgeist um Hilfe für \nunsere Arbeit bitten. - Sonnabend-Spruch. \nWir haben gestern davon gesprochen, daß der Schüler den \ngeistigen Ton hört, den Ton aus Osten. Wollte der Schüler nun \nsagen, jetzt wüßte er, wie das Geistige tönt, jetzt hätte er den \nersten geistigen Laut vernommen, dann würde er sich in einem \ngroßen, verhängnisvollen Irrtum befinden. Es ist dieser Ton, den \nder Schüler da hört, vielmehr das letzte Wort gleichsam aus dem \nPhysischen. Alles, was noch irgendwie lautmäßig ertönt, jeder \nTon, der irgendwie aus einem im Fleisch inkarnierten Kehlkopf \nkommen kann, ist nicht aus dem Geistigen. \nDie geistige Welt ist vorerst vollständig farblos, lichtlos, tonlos und so weiter. Alles, was wir an Farben etwa sehen, ist \nnichts Geistiges, sondern sie kommen aus unserem eigenen Innern, und zwar geben sie solche Eigenschaften an, die wir noch \nnicht haben, die wir noch erringen müssen. Wenn wir zum Beispiel eine rote Farbe sehen, so bedeutet das, daß wir Liebe noch \nnicht in uns haben, daß wir sie in uns entwickeln müssen. Sehen \nwir Violett, so will das sagen, daß wir hingebende Frömmigkeit \nuns aneignen müssen. \nWenn wir lautmäßige Töne hören, so ist das nichts Geistiges, \nsondern etwas, was aus uns selbst stammt. Hat jemand auf eine \nbestimmte Speise eine Eßgier, fängt jemand zum Beispiel an, vegetarisch zu essen, hat er aber innerlich, leiblich innerlich noch \ndas Verlangen nach Fleisch, auch wenn er sich dessen nicht bewußt wird, so tönt diese Gier in Tönen, in gleisnerischen Tönen \nheraus. Alle diese Töne und Laute sind nur okkultes Rabengekrächze!"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p003","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p003","passage_number":3,"word_count":339,"text":"Erscheint dem Schüler eine Gestalt aus früheren Zeiten und \nwill er sie sich gleich deuten, so ist das ganz verkehrt. Warten \nmuß er können mit der Deutung. Nicht in der Gegenwart soll \nder Schüler deuten, sondern erst später. Tritt ein solches Bild \nvor unsere Seele, so zerstiebt es, sobald wir mit unseren Gedanken darankommen. Ist es aber ein echtes Bild, so wird es später \nwieder vor uns auftauchen und dann stehenbleiben in seiner \nwahren Gestalt, und wir werden wissen, was es zu bedeuten hat. \nAber warten müssen wir können, warten und schweigen. So wie \nwir selbst mit unseren eigenen Gedanken nicht an die Erlebnisse \nherantreten sollen, so sollen wir noch viel weniger darüber sprechen. Als etwas Heiliges sollen wir unser ganzes geistiges Leben \nbetrachten und behandeln. Bei all diesen Erlebnissen von Tönen \nund Farben und so weiter müssen wir uns sagen, daß sie nicht \naus dem Geistigen, sondern aus unserem eigenen Innern kommen, aus unserem eigenen Ich, das durchwogt ist vom Meer der \nBegierden und Leidenschaften, wie die Arche Noah umwogt \nwar vom Meer. Und wir müssen in der Überzeugung leben, daß \nall diese Erlebnisse und Erscheinungen nichts Geistiges sind. Indem wir uns dies ganz klar und unerbittlich sagen, müssen wir \ngleichsam unser Ich fortgeben, das Begehren unseres Ich nach \nErlebnisinhalten aufgeben, gleichsam fortfliegen lassen, wie aus \nder Arche Noah die Taube fortgelassen wurde und nicht wiederkam. \nDann aber kommt später ein anderes okkultes Erlebnis des \nSchülers. Wenn wir eingesehen haben, daß nichts, gar nichts \nGeistiges an jenen Erlebnissen der Töne und Farben ist, wenn \nwir mit innerer Kraft erkannt haben, daß die geistige Welt ganz \nleer ist für uns, dann erkennen wir, daß jene Erlebnisse doch \neine Bedeutung haben, eine Bedeutung für uns selbst. Es werden \ndie Farben zu Warnern und Beratern; sie sagen uns das, was wir \nnoch nicht haben, was wir noch zu erringen haben. Aus den \nTönen erkennen wir, daß sie wiedergeben leibliche Gelüste. Und \nwenn die Bilder, die wir ruhig haben wirken lassen, uns ihre \nBedeutung sagen, dann wird die Seele bereichert durch solche"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p004","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p004","passage_number":4,"word_count":339,"text":"Erlebnisse. Das ist wie die zweite Taube, die aufgelassen wurde \nund die zurückkehrte mit dem Ölzweig, dem Symbol des \nFriedens. \nAber die Seele ist nicht ganz allein auf sich angewiesen auf \ndiesem schweren Weg des Esoterikers; es gibt etwas, woran sie \nsich halten kann. Etwas derartiges ist das Rosenkreuz. Wir sollen es auf uns wirken lassen; wir sollen uns klar sein, daß das \nSchwarz des Holzes darstellt unsere Leiblichkeit, die verhärtet \nund verdorrt ist, daß wir unser niederes Ich, das sich identifiziert mit der Leiblichkeit, ebenso dunkel und tot werden lassen \nmüssen, wie das Holz des Kreuzes tot ist. Dann wird das höhere, geistige Ich so in uns wirken, wie sich das Schwarz des \nKreuzes zu hellen, strahlenden Lichtlinien umwandelt. In der \ngleichen Weise wird das Rot der Rosen sich aus der Farbe der \ninnerlich wirkenden Liebe zum Grün umwandeln, der Farbe des \nnach außen wirkenden Lebens. \nWenn wir Symbole erleben, so sind nicht die echt und aus \nder geistigen Welt stammend, die uns freudig machen, die wir \nfreudig erleben, sondern nur die, bei denen wir Leid empfinden. \nUnd mit uns herumtragen müssen wir sie, bis wir ihren Sinn \nerfaßt haben. Im Leiden muß das Geistige aus ihnen in uns \ngeboren werden. \nUnd noch eins müssen wir einsehen: das ist das, daß wir gar \nnicht unegoistisch sein können. Wir sind niemals unegoistisch, \nnie, nie, nie! Und wenn wir uns auch einbilden, jetzt etwas getan zu haben, was ganz selbstlos ist, so ist das doch ein Irrtum. \nWir können gar nicht selbstlos handeln. Es ist das Weltenkarma, \ndas uns egoistisch handeln läßt. Das Weltenkarma ist der Gott! \nUnd kommen wir einst so weit, daß wir gut und edel handeln, so ist es der Gott in uns, der gut ist. Wenn wir selbstloser \nwerden, so werden wir zum Beispiel eines bemerken; wir werden keine Angst und keinen Schrecken mehr empfinden. Wenn \nneben uns plötzlich ein starkes Geräusch entsteht, werden wir \nnicht mehr zusammenfahren wie früher. Der Gott, der uns gut \nund edel handeln läßt, ist unser Urbild. Unser Urbild hat uns"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p005","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p005","passage_number":5,"word_count":579,"text":"geschaffen zu dem, was wir jetzt sind. Und wir müssen selbst \nzum Abbild unseres Urbildes wieder werden. \nWenn wir dies alles richtig aufgefaßt haben, dann werden wir \nin der richtigen Weise verstehen den echten esoterischen Rosenkreuzerspruch: \nEx Deo nascimur \nIn morimur \nPer Spiritum Sanctum reviviscimus \nUnaussprechlich ist das für den Esoteriker, was hier ausgelassen worden ist. Wenn wir die eine Zeile anfangen zu sprechen, \ndann muß das Gefühl zu dem hingehen, was unaussprechlich ist. \nUnd erst, wenn das Gefühl zurückkommt, kann man weitersprechen. Wer dieses mit richtigem Gefühl innerlich erlebt, der \nwird auch den andern esoterischen Spruch richtig auffassen: \nIm Geiste lag der Keim meines Leibes ... \n* \n* * \nAufzeichnung Β \nDasjenige, was gestern gesagt worden ist über das unaussprechliche Wort, das in der Meditation gehört wird und das die Richtung nach dem Osten angibt, das sollen wir uns nicht vorstellen \nals etwas, das einen Laut darstellt, der mit menschlicher Sprache \netwas gemeinsam hätte. Das, was man als Vokale, als artikulierten Laut daran hört, ist eben dasjenige, was man von sich aus in \nihn hineingelegt hat. Nichts von alledem, was in der geistigen \nWelt gesehen oder gehört wird, kein Laut, keine Farbe hat etwas \nmit den Dingen dieser physischen Welt gemeinsam. Schauen wir \nzum Beispiel eine rote Farbe, dann ist die Farbe etwas, das zu \nuns gehört, und zwar stellt sie dasjenige dar, was wir selber \nnoch nicht sind. Rot in der geistigen Welt bedeutet Liebe. Wenn \nwir also Rot schauen, bedeutet das, daß wir die Liebe noch \nnicht in uns ausgebildet haben. \nWährend wir meditieren, erheben wir uns bewußt oder unbewußt in die geistige Welt, als ob wir auf einem hohen Berg stehen würden und die Wellen unserer Leidenschaften um uns herum und zu uns heraufschlagen, so wie die Arche Noah auf den \nFluten schwamm. Jene Leidenschaften sind es, die sich im ersten \nAnfang offenbaren als Laute, als Stimmen. \nWir sind als Esoteriker verpflichtet, im Anfang unserer Entwicklung alle Töne (Laute) abzuweisen, sie wie Rabengekrächze \nzu betrachten. \nMan muß also damit beginnen, alles, was man sieht oder hört, \nals unrichtig zu betrachten. So auch, wenn man zum Beispiel Persönlichkeiten, die man kennt, in ihren «vorigen Inkarnationen» \nschaut. Das alles soll der Schüler nicht beachten, von sich gehen \nlassen so, daß es nicht zurückkehrt. Das, was man so schaut, wird \nsich nach längerer Zeit - denn es kann lange dauern, ehe sich eine \nVeränderung zeigt - auflösen und sich in etwas anderes verwandeln. Das Neue, das sich dann bildet, das ist das Wahre! Wenn \nsich eine rote Farbe zeigt, so darf man diese nur so auffassen als \naus einem selbst hervorgehend. Nur wenn die rote Farbe wie in \neiner Wolke sich auflöst und in eine andere Farbe übergeht, ist die \nletztere Farbe als von Bedeutung anzusehen. - Das ist die Taube, \ndie mit den Ölzweig in die Arche zurückkehrt; das ist eine Offenbarung aus der geistigen Welt, die uns etwas zu sagen hat. Auch \ndieses soll aber als ein Symbolum aufgefaßt werden, das wir lernen sollen zu entziffern. Ehe man dazu imstande sein wird, kann \nwiederum längere Zeit vergehen. Auch wenn sich uns ein Symbolum zeigt, sollen wir nicht bei ihm stehen bleiben, sondern es \nvielmehr von uns weisen. \nMan soll Farben und Symbole nur dann betrachten, wenn sie \nschon eine Weile vorher uns erschienen sind, so daß es eher \nmöglich ist, daß unser persönliches Interesse daran geschwunden \nist und wir vielleicht die wahre Bedeutung finden können. Wir \nmüssen uns vertraut machen mit dem Bewußtsein, daß wir ganz"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p006","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p006","passage_number":6,"word_count":325,"text":"von Selbstsucht durchzogen sind und daß wir diese mit in die \ngeistige Welt hineintragen. Wir müssen den Mut und die Kraft \nhaben, uns ganz mit der Gewißheit zu durchdringen, daß wir \nauf dem physischen Plane nichts, aber auch gar nichts tun können, ohne daß der Egoismus mitspricht. Wir sollen uns vornehmen, uns selbst zu geloben, daß wir uns immer vor Augen halten, daß alles, was wir tun, aus egoistischen Motiven stammt. \nDas könnte uns vielleicht mutlos machen, aber wenn man es für \nsich durchsetzt, wird man bemerken, daß man gewisse Fortschritte macht. Zum Beispiel Angst und Schrecken wie beim \nplötzlichen Hören eines Lautes werden von uns abfallen. \nNur dasjenige, was wir in eines andern Namen tun, im Namen desjenigen in unserem Innern, was wir unsern Gott nennen \nkönnen, geht nicht vom Egoismus aus. Um diesen Gott in uns \nzu erfühlen, müssen wir uns mit dem Bewußtsein durchdringen, \ndaß wir nur ein Abbild sind des Urbildes, nach dem dieser Gott \nuns geschaffen hat, und daß erst langsam und allmählich jenes \nAbbild sich umwandeln kann zum Urbild. Das Urbild ist unser \nwahres Selbst, das auf dem alten Saturn im Keime gebildet wurde, und das ist es, was uns entgegentritt, wenn wir unsere Rosenkreuzerformel aussprechen. Das Rosenkreuz ist das Symbolum, durch das uns der Weg gewiesen wird, in die geistige Welt \naufzusteigen. Wird es in der geistigen Welt geschaut, dann wird \ndas Schwarz des Kreuzes als weiß gesehen - das Gegenbild des \nAbbildes -, und die roten Rosen werden umgewandelt in glänzend grüne Farbe. \nDie Rosenkreuzerformel ist exoterisch, solange man sie vollständig ausspricht; esoterisch ist sie, wenn sie so gesprochen \nwird: Ex Deo nascimur. In morimur. Per Spiritum Sanctum \nreviviscimus. Man muß selbst empfinden, welch großer Unterschied dabei in der Seele lebt.* \n* In einer Vorlage dieser Aufzeichnung findet sich noch der Satz: «Am Schluß \nwurde das Gebet gesprochen mit Auslassung der drei letzten Worte; an ihrer \nStelle wurde das Kreuz mit dem Kreis als Handbewegung dreimal wiederholt.»"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p007","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p007","passage_number":7,"word_count":320,"text":"_____________ \nAufzeichnung C \nWir werden leicht Mißverständnissen ausgesetzt sein, wenn wir \nmeinen, daß der Ton, der aus dem geistigen Osten zu uns herunterdringt und der den Namen Gottes bedeutet, sich in Tönen \nund artikulierten Lauten kundgibt, so wie wir sie in der physischen Welt vernehmen. Es ist aber ein ganz anderer Ton, ein \nganz anderer Laut, der mit nichts in der physischen Welt auch \nnur eine geringste Ähnlichkeit hat. Der Schüler muß daher \nungeheuer vorsichtig sein in seinem Unterscheidungsvermögen, \nbesonders aber auch mit seiner Selbsterkenntnis. Es ist nämlich \nTatsache, daß, wenn jemand anfängt, Farben, Formen, Töne \noder gar selbst Worte aus der geistigen Welt zu vernehmen, diese in den wenigsten Fällen aus der geistigen Welt kommen. Sie \nkommen zumeist aus der physischen Welt, nämlich aus dem \nMenschen selber, oftmals schon allein dadurch, daß der Mensch \nvon einem brennenden Wunsch beseelt ist, selber etwas in der \ngeistigen Welt zu erleben; es treten dann auf Erscheinungen und \nLaute und so weiter aus unserer eigenen Welt. Aber in gewisser \nBeziehung beruhen diese Erscheinungen doch wieder auf Wahrheit - und das soll wohl bedacht werden -, insofern sie Anteil \nhaben an unseren Gedanken und an dem Wesen des menschlichen Charakters. Was sich so in Farben und so weiter ausdrückt, ist also in der Regel nicht aus der geistigen Welt, sondern oft werden sie durch ein körperliches Unbehagen erzeugt, \noder auch können sie durch das Folgende veranlaßt werden. \nWenn ein Mensch Vegetarier geworden ist, die Lust am Fleischessen aber noch nicht verloren hat, so wird ihn auf dem Astralplan, wo er nachts weilt, diese Begierde nach Fleisch quälen, \nund dieses Unbehagen macht sich dort kennbar durch Töne \noder Worte, die er dann glaubt aus der geistigen Welt zu ihm \ntönen zu hören. Das ist, was man im Okkultismus den «krächzenden Raben» nennt. \nOder nehmen wir an, jemand sehe eine rote Farbe - die rote \nFarbe bedeutet geistig Liebe -, sie wird ihm geistig vor Augen"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p008","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p008","passage_number":8,"word_count":310,"text":"geführt weil das gerade die Eigenschaft ist, die ihm fehlt. Sie \nwird als Aufforderung vor seine Seele hingestellt. Mancher beklagt sich, die Farben nicht festhalten zu können; das ist aber \nauch nicht nötig. Die Farben müssen verschwinden wie die Taube, und wenn sie dann später zurückkommen, so werden sie \nganz anders in die Erscheinung treten. Die rote Farbe wird sich \nvor unsern Augen in Grün, Blau oder Gelb verwandeln. Das ist \ndann das Zeichen, daß eine geistige Erscheinung zugrunde liegt \nund daß wir auf der Stufe stehen, wo wir in Symbolen unterrichtet werden und uns ein Ausblick in die geistige Welt gestattet wird. \nAnfangs werden wir die Symbole nicht verstehen, wir müssen \nsie hinuntersinken lassen in unsere Erinnerung; nach und nach \nwird uns in unserer Meditation klar werden, was uns durch das \nSymbol gelehrt und gesagt werden sollte. \nEntwickelt sich der Schüler weiter, so wird es ihm vergönnt, \nin der Akasha-Chronik zu lesen. Ehe er jedoch diese Stufe erreicht, muß er viel an sich gearbeitet haben. Er muß vor allem \nerkennen, daß all seinem Tun auf Erden Selbstsucht zugrunde \nliegt, daß auch in seiner vermeintlich «selbstlosen» Liebestat \nganz im geheimen sich Selbstsucht verbirgt. Solange der Mensch \nauf Erden inkarniert ist, wird er die Selbstsucht nie ganz überwinden können. \nAuf unserm schweren Weg wird uns manches zur Hilfe gegeben, und eines dieser Hilfsmittel sind die Symbole, die uns von \nden Meistern der Weisheit zur Meditation gegeben worden sind. \nEine der wirksamsten solcher Meditationen ist die über das \nRosenkreuz. \nDas schwarze Kreuz haben wir uns zu denken als das Absterben der menschlichen Leidenschaften, und in den roten Rosen \nsehen wir das Sinnbild des geläuterten Menschen, der das Niedere abgestreift hat. Verwandeln wir in unserer Meditation das \nschwarze Kreuz in ein weißes, so versinnbildlicht uns dieses den \ngeistig emporgestiegenen Menschen. Aller Egoismus ist dann \nausgelöscht. Die roten Rosen werden sich meditativ in grüne"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p009","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p009","passage_number":9,"word_count":272,"text":"verwandeln und in uns erwecken die Hingabe an das Göttliche. \nEin Schleier wird vor unseren Augen zerrissen, und wir werden \nbewußt in die geistige Welt hineinschauen. \nAufzeichnung D \nAnknüpfend an das tags vorher Gesagte, sprach der Doktor: \nWir sollten nicht meinen, daß unsere Schauungen etc. richtig \nund von Wert seien, ehe wir nicht gehört hatten das «unaussprechbare Wort», was kein Wort in menschlichen Lauten wäre, \nüberhaupt keinen Ton oder Vokal - wie irdische Töne oder \nVokale - hätte. Alles das, was sich uns so manifestierte, käme \naus uns selbst - Luzifer und Ahriman = Täuschung, und die \nTöne, zum Beispiel Klopftöne und unsere Auslegung von ihnen, \nmüßte mit dem Ausdruck «Rabengekrächze» gekennzeichnet \nwerden und das Reden über derartige Erlebnisse sei ebenfalls \nnichts als Rabengekrächze. Erst wenn wir das «Wort» vernommen, würden wir zu einem Verständnis gelangen, was der Ausdruck «Osten - weise Meister des Ostens» bedeute. Wenn eingewendet würde: ja, woran erkenne ich, daß ich zum Beispiel in \nFarben wirkliche Erlebnisse habe? so diene hier als Kennzeichen, daß sich diese Farbenbilder verwandeln müßten, ebenso \nFormen oder Gestalten, die - nicht sich verwandelnd - nichts \nbedeuten. Haben wir solche Bilder, so sollen wir darüber \nschweigen und versuchen, sie richtig auszulegen. Das ist gleichsam wie eine Taube, die wir aussenden und die nicht zurückkehrt. Wir sollen auch nicht trauern oder ungeduldig werden, \nwenn - nachdem wir einmal eine Schauung hatten - lange, lange \nkeine wiederkehrt. Warten, geduldig warten sei notwendig. Beispiel einer Auslegung: Sehen wir zum Beispiel Rot, so heißt das \nnicht die Liebe oder wir haben die Liebe, sondern eben gerade, \nwir haben sie nicht; wir sollen sie uns aneignen. Ebenso bei Vio-"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p010","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p010","passage_number":10,"word_count":289,"text":"* \n* * \nlett, wo es an hingebungsvoller Frömmigkeit gebricht. Haben \nwir so die Auslegung richtig getroffen, so ist das wie eine Taube, die mit einem Ölzweige im Schnabel zurückkehrt - ebenso \nbei Formen, Symbolen und Gestalten. Vor allem gälte es, in uns \ndie Einsicht zum Bewußtsein zu bringen, daß wir egoistisch sind \nund nie, nie, nie sollte das Wort aus unserem Munde kommen: \nIch tue dies oder ich empfinde hierbei völlig unegoistisch - denn \nEgoismus gehört zum Weltenkarma und wir können uns einstweilen nicht frei machen davon. Nur die Einsicht, daß es so ist, \nsollen wir uns aneignen, als Waffe gegen Ahriman. \nJeder Mensch ist aus einem Urbild seiner selbst heraus geschaffen und ist nur eine Spiegelung dieses Urbildes. Alles, was \nwir in der Welt an Gutem, Schönem und Edlem vollbringen \ndürften, das täten wir nicht selbst, sondern verdankten es unserem Urbild. \nHaben wir diese Erkenntnis in uns entwickelt, so ist das \ngleich einer dritten Taube, die höher steigt, aber stets zu uns zurückkehrt, und so uns verbindet mit dem Urbild, was in Christus beschlossen ist. Ist diese Erkenntnis völlig in uns zum Leben geworden, so kapitulieren wir vor Christus und ersterben in \nIhm. Exoterisch sprechen wir die Worte: E.D.N. - I.C.M. -\nP.S.S.R. Esoterisch sind sie nicht aufzuschreiben. \nAufzeichnung Ε \nDas Wort aus dem Osten muß in der richtigen Weise von uns \naufgenommen werden. Wir müssen vor allem darauf achten, um \nbei der Inspiration Wahrheit von Trug zu unterscheiden, daß \nalles, was mit dem Charakter des Kehlkopf-Gesprochenen, also \nals Vokal erscheint, in dem, was wir aus der geistigen Welt hören, nicht in Wahrheit aus dieser stammt. Es darf vielmehr kein \nLautcharakter vorliegen. Daher fließt das «Wort» aus der geistigen Welt nicht wie die Menschensprache. Alles Vokalartige muß"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p011","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p011","passage_number":11,"word_count":519,"text":"* \n* * \nvielmehr verschwinden. Sobald ein Lautcharakter vorliegt, muß \nman sich sagen: Das ist eine Versuchung, andere Stimmen als die \naus der geistigen Welt anzuerkennen und ihnen zu folgen! Der \nGeist aber spricht niemals im Lautcharakter zu mir. \nWir werden mit der Zeit erfahren, daß die Seele sich durch \ndie Meditationen verändert, und das, was wir durch diese Veränderungen erfahren, kann sich uns in einem gewissen Tönen zeigen. Auch das aber dürfen wir nicht für eine wahre Inspiration \nhalten, es ist in Wirklichkeit weiter nichts als das okkulte Rabengekrächze unserer Wünsche und Begierden, - Widerspiegelungen unseres Leibesinnern. Dies okkulte Rabengekrächze wird \nüberwunden, wenn ich den Raben fortschicke. \nDaher müssen wir bei den ersten Mitteilungen, die wir erhalten, immer uns sagen: Das ist nur unser eigenes Innere, das sich \nso spiegelt. Diese Trugbilder sind in der Tat eine Gefahr, doch \nsollen wir uns deshalb nicht entmutigen lassen, indem wir sagen: \nNun bin ich schon fünf Jahre oder länger an der Arbeit und \nhabe noch immer nichts Positives erlebt! Vielmehr müssen wir \nunsere Versuche immer wieder und wieder fortsetzen, bis wir zu \neinem positiven Ergebnis kommen. \nDer Mensch kleidet seine Erlebnisse in der physischen Welt \nin Formen, Farben, Töne ein. Die geistige Welt äußert sich jedoch nicht in Farben, Formen und Tönen im physischen Sinne. \nDer Mensch muß daher eine Umkehrung seines Selbstes durchmachen, um sehend in der höheren Welt zu werden, und dazu \nbraucht er innere Kraft. Ja, wir müssen erkennen lernen, daß wir \nselbst es zunächst sind, die die Farben und Gestalten (imaginative Bilder) herbeiführen. Kühn, mutig müssen wir uns das \nbekennen. Die vermeintlichen Stimmen sind da meist nur der \nAusdruck unbehaglicher Stimmungen des Leibes; bei den \nFleischessern ist das in noch erhöhtem Maße der Fall. \nEs muß aber das feste Vertrauen in mir bestehen bleiben, daß \nfrüher oder später auch solche Farben und Töne erscheinen werden, die nicht nur der Ausdruck des unbehaglichen Leibesinnern \nsind, sondern wirklich aus der geistigen Welt stammen. Die \nTaube des eigenen Geistes darf uns nicht mehr leer zurückkommen, wenn sie einmal fortgeflogen ist! \nWir müssen es lernen, die symbolische Sprache, die uns aus \nden geistigen Sphären entgegentönt, zu deuten. Dann kommt die \nTaube unseres Geistes nicht mehr leer zurück, sondern mit dem \nÖlzweige. Wir müssen die geistigen Erlebnisse in der Bildersprache zu verstehen suchen. Die ersten Symbole, welche uns \nerscheinen, sollen eine Aufforderung sein, um diese Eigenschaft \nuns anzueignen. Erscheint uns zum Beispiel die Farbe Rot, die \nFarbe der Liebe, so sage ich mir bescheiden: Du hast sie nicht! -\nViolett ist die Farbe der hingebungsvollen Frömmigkeit; sie sagt \nuns, wir sollen Geduld haben, wir sollen warten können. Wenn \naber eines Tages diese Farben in ihre Komplementärfarben sich \nverwandeln, so können wir uns sagen, daß wir einen Schritt vorwärts getan haben und uns von Egoismus gesäubert haben. \nDie Schulung leitet den Schüler und sagt ihm, worauf es ankommt, im Rosenkreuz symbolisch den Ausdruck für die ersten \nEindrücke aus geistigen Welten zu erkennen. Nur dann, wenn \nwir alles im Namen Gottes tun, empfinden wir richtig: So muß \nsich der Mensch als Bild, als Urbild Gottes betrachten lernen. \nDas sagt uns der dreifache Rosenkreuzerspruch."},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p012","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p012","passage_number":12,"word_count":752,"text":"* \n* * \nAufzeichnung F \nDer Schüler sei so mißtrauisch wie möglich seinen okkulten Erlebnissen gegenüber - vor allen Dingen solchen, die das Toncharakteristikon an sich tragen. Selbst dann, wenn er glauben wollte, daß er erlebt das Ertönen des unaussprechlichen Namens \nGottes, der ihm ertöne dann, wenn er die Richtung nach dem \ngeistigen Osten gefunden hat - wenn er glauben wollte, daß das \ngeistige Wahrheit sei, wenn ihm ein solcher Ton entgegentöne, \nwie etwas, was noch an ein physisches Ertönen erinnert, der \nwürde sich täuschen. Denn dieser «geistige» Ton, den er hört, \nist wie ein Letztes vom physischen Plan und zugleich wie ein \nErstes von den höheren Plänen - etwas, was ihm von drüben \nsozusagen entgegenkommt, um ihm die Verbindung mit den \nhöheren Welten zu vermitteln. Lautcharakter haben, bedeutet \nnoch etwas vom physischen Plan. Vokale ertönen nur hier, nicht \ndort! - Das wirklich geistige Hören ist etwas vollkommen anderes, etwas, was gar keinen Lautcharakter an sich trägt. Es \nkommt nicht aus einem in Fleisch inkarnierten Kehlkopf. \nWenn der Schüler nun in seiner «Arche» hinauf, auf den \n«Berg» gehoben ist, so fühlt er sich umbrandet von den «Wogen \ndes Meeres», das heißt seines eigenen Meeres, seiner eigenen \nAstralität, von alledem, was noch in seinen Trieben, Lüsten, Begierden und so weiter lebt. Er schaut auf sie hin; wie Wogen \numbranden sie ihn. Er soll sie erkennend durchschauen, er muß \nwissen, was ihm da entgegentönt oder vielmehr scheint entgegenzutönen aus der geistigen Welt - das ist nichts anderes als \ndie Widerspiegelung seiner eigenen Lüste und Begierden. Widerspiegelung seines eigenen niederen Wesens erlebt er zunächst. In \nFarben, in Licht zeigt sich ihm Widerspiegelung seiner Gedanken - darin wirkt Luzifer, nicht sein höheres Selbst. Töne aber \nsind Widerspiegelung von etwas, was im physischen Leibe lebt \nund als Gier nach Befriedigung verlangt! Wer zum Beispiel vegetarisch lebt, nur aus seinem Entschluß heraus, nicht aus Gründen, die aus höheren Impulsen in ihm aufsteigen, der vielleicht \nnoch eine Gier nach Fleisch hat und sie nur unterdrückt, der \nkann erleben, daß ihm diese Gier wie Töne aus scheinbar geistigen Welten heraus ertönen. Da kann der Schüler zum Beispiel \nRot sehen. Er muß sich sagen lernen: das zeigt mir, daß etwas in \nmir fehlt: ich habe noch keine wahre Liebe in mir. Das Rot, die \nFarbe der Liebe, fordert mich auf, warme Menschenliebe zu entwickeln. Und zeigt sich ihm, wie schwebend, ein lichtes Violett, \nso muß er sich sagen, das ist nur ein Zeichen, daß ich hingebungsvolle Frömmigkeit in mir zu entwickeln habe. Oder ein \nEreignis oder eine Persönlichkeit, die ihm Hinweise gibt auf frühere Inkarnationen, so sagt ihm dies nichts von früheren Inkarnationen, sondern daß er noch nicht reif ist, hineinzuschauen in \nseine früheren Inkarnationen, also zu lesen in der Akasha-Chronik, dazu gehört eine hohe Entwicklung. \nSo mißtrauisch wie möglich sei man deshalb. Man hört nur, \nwie man im Okkultismus sagt, das «Rabengekrächz» seines niederen Selbst, wenn man auf diesem Berg ist, umwogt von den \nWogen seines eigenen astralischen Meeres. Dann lernt man \nallmählich unterscheiden. Aber man ist immer noch vielen \nTäuschungen ausgesetzt. \nErst wenn man gelernt hat, sich mit aller Entschiedenheit zu \nsagen: Dies alles sind nichts anderes als Ausflüsse deines niederen Selbst, nicht aber wahre Erlebnisse der höheren Welten, die \naber doch zuerst herankommend an den Schüler so erlebt werden - dann darf man sich allmählich der Wahrheit nähern, die \nnur gewonnen werden kann durch Überwindung dieser Phase in \nder okkulten Entwicklung. Man sendet dann die «Raben» mit \naller Entschiedenheit fort. Die Raben fortsenden heißt, sein alltägliches Ich, das an die Sinneswelt gebunden ist und gebunden \nsein muß, gleichsam aufgeben; all sein Begehren nach Inhalten, \ndie mit seinen Erlebnissen zusammenhängen, aufgeben. - Ganz \nstill, ganz, ganz leer, ganz wunschlos im Innern werden. Haben \nwir das erreicht, dann sehen wir ein, daß jene Erlebnisse, die \nnoch aus der physischen Welt an uns herankommen, doch einen \nWert haben - aber einen Wert für uns allein. Dann sagen uns \nzum Beispiel die Farben, daß sie Warner, Berater sind, die uns \nsagen, was wir noch nicht haben, was wir uns noch zu erringen \nhaben. Und aus den Tönen erkennen wir leibliche Gelüste. Ruhig lassen wir dann diese Erlebnisse in ihrer wahren Bedeutung \nauf unsre Seele wirken. \nNun ist man, aus dieser inneren Ruhe und Stille der Seele \nheraus so weit, daß man die erste Taube aussenden kann. Sie \nkommt nicht zurück. Und das ist gut. Man wartet. Dann sendet \nman die zweite Taube aus. Sie kommt mit dem «Ölzweig» zurück - dem Symbol des Friedens, das heißt des Sich-im-InnernAusgeglichenhabens. Was ist diese Taube?"},{"locus":"GA 266b/1910-11-05/p013","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p013","passage_number":13,"word_count":647,"text":"Wenn sich die Farbengebilde umwandeln, so daß ihr Gegenbild entsteht, wenn sich zum Beispiel die rote Farbe «umwendet» und violett wird, da ist dies Violett wirklich etwas aus der \ngeistigen Welt Entgegenkommendes. Das ist die Taube, die \nwirklich Botschaft bringt aus der geistigen Welt. Etwas wie eine \nUmwendung seines eigenen Ich muß der Schüler erfahren, ehe \ner dies Erlebnis haben kann. Und nun muß der Schüler selbst \ndemjenigen, was ihm aus der geistigen Welt entgegenkommt, \nForm und Gestalt geben. \nEtwas gibt es, was dem Schüler als Stütze auf diesem schweren und entsagungsreichen Weg dienen kann: das Rosenkreuz, \ndas trage er in seiner Seele! \nEin Kennzeichen dessen, was die Geistwelten geben, ist, daß \nalles, was als Symbolum auftritt, vom Schüler nicht gleich verstanden wird. Er muß diese Symbole auf seine Seele wirken lassen - tage-, oft wochenlang in entsagungsvollem Schweigen sich \nselbst gegenüber. In vollster Friedsamkeit und Ruhe der Seele, \nohne Begehren, ohne Wünsche. \nDann wendet er sich sozusagen in einem gewissen Augenblick zurück und versteht nun auf einmal, was das Symbol ihm \nsagen wollte. Solange hat es als Kraft in seiner Seele gewirkt, der \ngegenüber er schweigt und wartet. Geduld - Ausdauer -\nSchweigen sich selbst gegenüber! In der friedsamen Stille der \nSeele, die in der Zuversicht lebt, daß immer im richtigen Zeitpunkt der Schüler das Richtige vom Lehrer erhalte - dies Leben \nder Seele im Vertrauen, daß ihr gegeben wird, was ihr nottut, \ndas muß sein das esoterische Rüstzeug des Schülers. \nEins muß sich der Schüler immer wieder sagen: Ich werde \nnicht Teilnehmer der geistigen Welt sein können, ehe ich nicht \ngelernt habe, mir zu sagen: ich bin voller Egoismus - und ich \nkann gar nicht anders hier auf der physischen Welt sein. Das \naber, was von mir hier auf der physischen Welt lebt, das ist nur \nein Bild, eine Form, die Abbild ist meines Urbildes. Diese Form, \ndies Bild, ist von Egoismus ganz und gar durchtränkt. Und es \nist das Weltenkarma, das uns in unserm Entwicklungsgange \ndurch die Inkarnationen hindurch ganz mit Egoismus durchtränkt. Das Weltenkarma aber ist Gott. Der Gott lebt auch in \nuns. Und kommen wir soweit, daß wir gut und edel handeln, so \nist es der Gott in uns, der uns dazu treibt. Und der Gott in uns, \nder uns gut und edel handeln läßt, lebt in unserm Urbild. Ich \nselber bin voll Egoismus - aber ich bin dazu vorbestimmt, Abbild zu werden meines göttlichen Urbildes. Dies Urbild ruhte \nim Schoß der Gottheit - es ist herabgestiegen bis zu dieser physischen Form und diese Form steht unter der Gewalt des Gottes, der über meinem Schicksal, meinem Karma steht, das ist mit \nEgoismus ganz und gar durchtränkt. Nie, nie darf ich sagen, ich \nsei ohne Egoismus, das ist niemals wahr - ich kann sogar nicht \nohne Egoismus sein auf der physischen Welt. \nAber wenn ich hinschauen lerne auf mein aus Gott geborenes \nUrbild, wenn ich mein Denken, Fühlen und Wollen, all meine \nSeelenkräfte ganz und gar hineinsterben lasse in dies Urbild, dann \ndarf ich hoffen, den Egoismus in mir zu besiegen und mich meinem Urbild wiederum zu nähern. Wir werden bemerken, daß in \ndemselben Maße, in dem wir selbstloser werden, wir auch physisch kraftvoller werden. Wir werden bemerken, daß wir keine \nFurcht, keinen Schrecken mehr empfinden, wir werden nicht \nmehr zusammenzucken in plötzlichem Schreck. Wir werden in \nunserem ganzen Menschenwesen kraftvoll und stark werden. \nVerstehen wir in richtiger Weise den echten, alten esoterischen Rosenkreuzerspruch, so sagen wir: E.D.N., da geht das \nerkennende Wesen des Menschen hin zu dem, was unaussprechlich ist, dem Schöpferwort. Dann kommt das Gefühl zurück \nund da kann man weitersprechen: I M. Das ist: «In den \nChristus hinein sterben lassen» den Egoismus und auferstehn zu \nneuer Lebenskraft durch die Liebeskraft des Christus. In \nmorimur. so spricht man esoterisch dies Mantram aus. Und sein \nSinn leuchtet auf: der Gott meines Schicksals entläßt mich dadurch, daß ich in ihn hineinsterbe: In morimur."}]}