{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1910-11-05/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Erscheint dem Schüler eine Gestalt aus früheren Zeiten und \nwill er sie sich gleich deuten, so ist das ganz verkehrt. Warten \nmuß er können mit der Deutung. Nicht in der Gegenwart soll \nder Schüler deuten, sondern erst später. Tritt ein solches Bild \nvor unsere Seele, so zerstiebt es, sobald wir mit unseren Gedanken darankommen. Ist es aber ein echtes Bild, so wird es später \nwieder vor uns auftauchen und dann stehenbleiben in seiner \nwahren Gestalt, und wir werden wissen, was es zu bedeuten hat. \nAber warten müssen wir können, warten und schweigen. So wie \nwir selbst mit unseren eigenen Gedanken nicht an die Erlebnisse \nherantreten sollen, so sollen wir noch viel weniger darüber sprechen. Als etwas Heiliges sollen wir unser ganzes geistiges Leben \nbetrachten und behandeln. Bei all diesen Erlebnissen von Tönen \nund Farben und so weiter müssen wir uns sagen, daß sie nicht \naus dem Geistigen, sondern aus unserem eigenen Innern kommen, aus unserem eigenen Ich, das durchwogt ist vom Meer der \nBegierden und Leidenschaften, wie die Arche Noah umwogt \nwar vom Meer. Und wir müssen in der Überzeugung leben, daß \nall diese Erlebnisse und Erscheinungen nichts Geistiges sind. Indem wir uns dies ganz klar und unerbittlich sagen, müssen wir \ngleichsam unser Ich fortgeben, das Begehren unseres Ich nach \nErlebnisinhalten aufgeben, gleichsam fortfliegen lassen, wie aus \nder Arche Noah die Taube fortgelassen wurde und nicht wiederkam. \nDann aber kommt später ein anderes okkultes Erlebnis des \nSchülers. Wenn wir eingesehen haben, daß nichts, gar nichts \nGeistiges an jenen Erlebnissen der Töne und Farben ist, wenn \nwir mit innerer Kraft erkannt haben, daß die geistige Welt ganz \nleer ist für uns, dann erkennen wir, daß jene Erlebnisse doch \neine Bedeutung haben, eine Bedeutung für uns selbst. Es werden \ndie Farben zu Warnern und Beratern; sie sagen uns das, was wir \nnoch nicht haben, was wir noch zu erringen haben. Aus den \nTönen erkennen wir, daß sie wiedergeben leibliche Gelüste. Und \nwenn die Bilder, die wir ruhig haben wirken lassen, uns ihre \nBedeutung sagen, dann wird die Seele bereichert durch solche","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1910-11-05","site_heading":null,"date":"1910-11-05","location":null,"word_count":339,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1910-11-05/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266b/1910-11-05/p003"}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern","evidence_translation":"Participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}