{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1910-11-05/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn sich die Farbengebilde umwandeln, so daß ihr Gegenbild entsteht, wenn sich zum Beispiel die rote Farbe «umwendet» und violett wird, da ist dies Violett wirklich etwas aus der \ngeistigen Welt Entgegenkommendes. Das ist die Taube, die \nwirklich Botschaft bringt aus der geistigen Welt. Etwas wie eine \nUmwendung seines eigenen Ich muß der Schüler erfahren, ehe \ner dies Erlebnis haben kann. Und nun muß der Schüler selbst \ndemjenigen, was ihm aus der geistigen Welt entgegenkommt, \nForm und Gestalt geben. \nEtwas gibt es, was dem Schüler als Stütze auf diesem schweren und entsagungsreichen Weg dienen kann: das Rosenkreuz, \ndas trage er in seiner Seele! \nEin Kennzeichen dessen, was die Geistwelten geben, ist, daß \nalles, was als Symbolum auftritt, vom Schüler nicht gleich verstanden wird. Er muß diese Symbole auf seine Seele wirken lassen - tage-, oft wochenlang in entsagungsvollem Schweigen sich \nselbst gegenüber. In vollster Friedsamkeit und Ruhe der Seele, \nohne Begehren, ohne Wünsche. \nDann wendet er sich sozusagen in einem gewissen Augenblick zurück und versteht nun auf einmal, was das Symbol ihm \nsagen wollte. Solange hat es als Kraft in seiner Seele gewirkt, der \ngegenüber er schweigt und wartet. Geduld - Ausdauer -\nSchweigen sich selbst gegenüber! In der friedsamen Stille der \nSeele, die in der Zuversicht lebt, daß immer im richtigen Zeitpunkt der Schüler das Richtige vom Lehrer erhalte - dies Leben \nder Seele im Vertrauen, daß ihr gegeben wird, was ihr nottut, \ndas muß sein das esoterische Rüstzeug des Schülers. \nEins muß sich der Schüler immer wieder sagen: Ich werde \nnicht Teilnehmer der geistigen Welt sein können, ehe ich nicht \ngelernt habe, mir zu sagen: ich bin voller Egoismus - und ich \nkann gar nicht anders hier auf der physischen Welt sein. Das \naber, was von mir hier auf der physischen Welt lebt, das ist nur \nein Bild, eine Form, die Abbild ist meines Urbildes. Diese Form, \ndies Bild, ist von Egoismus ganz und gar durchtränkt. Und es \nist das Weltenkarma, das uns in unserm Entwicklungsgange \ndurch die Inkarnationen hindurch ganz mit Egoismus durchtränkt. Das Weltenkarma aber ist Gott. Der Gott lebt auch in \nuns. Und kommen wir soweit, daß wir gut und edel handeln, so \nist es der Gott in uns, der uns dazu treibt. Und der Gott in uns, \nder uns gut und edel handeln läßt, lebt in unserm Urbild. Ich \nselber bin voll Egoismus - aber ich bin dazu vorbestimmt, Abbild zu werden meines göttlichen Urbildes. Dies Urbild ruhte \nim Schoß der Gottheit - es ist herabgestiegen bis zu dieser physischen Form und diese Form steht unter der Gewalt des Gottes, der über meinem Schicksal, meinem Karma steht, das ist mit \nEgoismus ganz und gar durchtränkt. Nie, nie darf ich sagen, ich \nsei ohne Egoismus, das ist niemals wahr - ich kann sogar nicht \nohne Egoismus sein auf der physischen Welt. \nAber wenn ich hinschauen lerne auf mein aus Gott geborenes \nUrbild, wenn ich mein Denken, Fühlen und Wollen, all meine \nSeelenkräfte ganz und gar hineinsterben lasse in dies Urbild, dann \ndarf ich hoffen, den Egoismus in mir zu besiegen und mich meinem Urbild wiederum zu nähern. Wir werden bemerken, daß in \ndemselben Maße, in dem wir selbstloser werden, wir auch physisch kraftvoller werden. Wir werden bemerken, daß wir keine \nFurcht, keinen Schrecken mehr empfinden, wir werden nicht \nmehr zusammenzucken in plötzlichem Schreck. Wir werden in \nunserem ganzen Menschenwesen kraftvoll und stark werden. \nVerstehen wir in richtiger Weise den echten, alten esoterischen Rosenkreuzerspruch, so sagen wir: E.D.N., da geht das \nerkennende Wesen des Menschen hin zu dem, was unaussprechlich ist, dem Schöpferwort. Dann kommt das Gefühl zurück \nund da kann man weitersprechen: I M. Das ist: «In den \nChristus hinein sterben lassen» den Egoismus und auferstehn zu \nneuer Lebenskraft durch die Liebeskraft des Christus. In \nmorimur. so spricht man esoterisch dies Mantram aus. 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