{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1911-01-17/p002","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Berlin, 17. Januar 1911 \nAufzeichnung Α \nIn unserer Meditation haben wir sozusagen die Technik unseres \nesoterischen Lebens gegeben. Diese besteht darin, daß man Gedanken auf sich wirken läßt und durch diese Empfindungen und \nGefühle erweckt, die nicht dem physischen Plan entnommen sind. \nAlle Gedanken sind zweierlei Art: solche, die durch die \nWahrnehmung des physischen Planes in uns wachgerufen werden, und solche, wie sie die Theosophie uns gibt. Alles in der \nphysischen Welt ist Maja, auch unser physischer Leib. Wodurch \nist dieser eigentlich da, wodurch bestehen Pflanzen, Tiere, Steine \num uns herum? Indem höhere Wesenheiten einen Gedanken gefaßt haben, Millionen und aber Millionen Jahre her, und dann \ndiesen Gedanken immer wieder und wieder gedacht haben. Bei \ndiesen Dingen geht es so, wie das Sprichwort sagt: Steter Tropfen höhlt den Stein. - Die gleichen Gedanken decken sich und \nbilden zuletzt die physischen Gegenstände. Je härter der Stein \nist, desto länger ist an ihm «gedacht». Auch unser physischer \nLeib ist nichts anderes als der Gedanke vielerlei höherer Wesen. \nWenn wir nur die gewöhnlichen Gedanken des physischen \nPlanes denken, dann ist das eigentlich kein Gedanke, sondern \ndas Spiegelbild, die Illusion eines Gedankens. Denn alles, was \nvon der physischen Welt ist, ist schon vor sehr langer Zeit gedacht worden, und wir tun nichts anderes als jene Gedanken \nwiederholen - und dann noch in unrichtiger Art. Wenn jemand \nzum Beispiel eine Glocke lauten hört, dann ist nicht der Ton \netwas Wirkliches, sondern es ist so: Vor Jahrmillionen ist dasjenige gedacht worden, was zu der Glocke geworden ist, und auch \ndas, was zu unserem Gehirn geworden ist, und das Aneinanderschlagen dieser beiden gibt den Ton, den wir hören. \nAlle physischen Gedanken sind unfruchtbar und wirken im \nweiteren Verlauf zerstörend. Sie bringen unseren Astralleib in \neine bestimmte Schwingung, aber die war ja schon von den \nhöheren Wesenheiten da hineingelegt. Wer also niemals unsinnlich denkt, bringt niemals neue Gestaltungen in den Astralleib. \nDas, was im Astralleib vorgeht, wirkt zurück auf den Ätherleib, \naber der Ätherleib ist gerade so veranlagt, daß er darauf gestimmt ist, neue Gedanken und Formen in sich aufzunehmen. \nDie alten Formen wirken zerstörend auf ihn ein und von da aus \nauch auf die physischen Stränge unseres Nervensystems. Das \nmuß dann im Schlafe alles wieder hergestellt werden. Der \nAstralleib wird dann zeitweilig in die höheren Hierarchien eingeschaltet und bekommt dadurch Kräfte; der Ätherleib ist vom \nAstralleib getrennt und wird dadurch regeneriert. Der Mensch \nkönnte ohne den Schlaf ja nicht lange leben. \nDie nicht-sinnlichen Gedanken aber wirken befruchtend und \naufbauend. Durch sie reiht der Mensch sich bei den Hierarchien \nein. Im Astralleib bilden sie neue Formen, die Lotosblumen. \nDaher ist es notwendig, eine Meditation zu hunderten Malen zu \nwiederholen. \nDie Vorstellungen, die wir uns von den theosophischen Lehren machen - denn auch das Denken darüber ist Meditation -, \nwerden zuerst nicht ganz sinnlichkeitsfrei sein. Zum Beispiel \nwenn man sagt, daß der Saturn eine Wärmekugel ist, daß im \nDevachan die Sphärenharmonie erklingt, dann wird man sich \ndas erst unter sinnlichen Bildern vorstellen: wie die Wärme in \nunserem Blut, wie eine schöne Symphonie und dergleichen. \nAber indem der Gedanke fortwährend wiederholt wird, fällt das \nSinnliche, das noch an ihm haftet, von selbst ab, und das Übersinnliche bleibt bestehen. \nDie am meisten sinnlichkeitsfreien Gedanken in der Welt sind \nnoch die mathematischen; aber sogar wenn der heutige Mensch \nein Dreieck denkt, denkt er es sich mit Farbe und einer gewissen \nDicke, nicht abstrakt genug. Man kommt aber den übersinnlichen Gedanken schon näher, wenn man auf Verhältnisse achtgibt. Einen Ton sich erinnern, ist noch die Erinnerung an etwas \nSinnliches; eine Melodie sich erinnern, ist schon mehr etwas, das","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1911-01-17","site_heading":null,"date":"1911-01-17","location":null,"word_count":595,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-01-17/p002","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-01-17/p002"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266b/1911-01-17/p002"}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern","evidence_translation":"Participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}