Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1911-01-17

GA 266b/1911-01-17/p003 ·1911-01-17 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern» (Participants' records written from memory). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

in einem Verhältnis von Tönen zueinander besteht, was als solches nicht zu der sinnlichen Welt gehört. Oder man stelle sich einen Bösewicht vor und daneben einen anderen - oder auch zwei gute Menschen -, und der eine [Bösewicht] sei ein noch größerer Bösewicht als der andere, oder der eine Gute sei großer im Guten als der andere: dann liegt in diesem Verhältnis etwas, was nicht von der physisch-sinnlichen Welt ist, etwas, was uns hinaufführt in die geistige Welt. Wenn der Mensch an einen Bösewicht denkt oder einen sieht, dann wird es ihn unangenehm berühren; aber wenn er in einem Schauspiel zwei Bösewichter nebeneinander sieht, dann wird der ärgste Bösewicht immer besser gefallen als der weniger Schlimme, weil das Große immer anzieht. Darauf beruht zum Beispiel die Wirkung von verschiedenen Shakespeareschen Dramen. - Daher ist es so wichtig, daß wir die Verhältnisse in der Außenwelt beobachten und studieren, denn das führt uns vom Sinnlichen ab. Ein anderes Mittel, sinnlichkeitsfrei [im Denken] zu werden, besteht darin, daß man Prozesse umgekehrt ablaufen läßt, zum Beispiel das Vaterunser rückwärts aufsagt oder die umgekehrte Rückschau unserer Meditation.* Nur auf diese Weise kann der Mensch sein Gedächtnis verbessern. In den letzten vier bis fünf Jahrhunderten ist das Gedächtnis enorm zurückgegangen, und es wird das noch viel mehr in Zukunft der Fall sein, wenn die Menschen nicht die Gelegenheiten, die jetzt geboten werden, ergreifen werden, es zu verbessern. Die Zeit ist für diese Gelegenheiten jetzt besonders günstig, und später werden sie einfach nicht mehr da sein. Das Gedächtnis wird dann etwas anderes werden als das bloße Warten, ob die Dinge aus einem dunklen Grunde auftauchen wollen. Es wird sein wie ein Hintasten nach der Vergangenheit, wie gewissermaßen das Aussenden von Fühlern, die nach dem Vergangenen wie nach etwas Wirklichem greifen werden. Für diese Entwicklung und für die esoterische Entwicklung überhaupt ist die Zeit jetzt besonders günstig. _____________ * Gemeint ist die abendliche Rückschau auf das Tagesleben in umgekehrter Reihenfolge, von hinten nach vorn.

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