Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1911-03-15
Das Element des Wassers wird dadurch ergriffen, daß man sich einen fixen, materiellen Punkt denkt und einen andern, beweglichen Punkt, der sich in einem Kreise um den ersteren herumbewegt. Dann soll man sich das ebenso wieder in die Hand schreiben und so damit verfahren wie mit der ersten Figur. Den zweiten Punkt soll man als fortgesetzt weiter drehend denken. Bei dem Elemente Luft denke man sich zwei fixe Punkte, die voneinander wegfliehen wollen, aber vorher eine Art Halbkreis umeinander beschreiben und dann ins Unendliche auseinanderstreben. Wenn wir mit dieser Figur genau so vorgehen wie mit der vorangegangenen, dann ergreifen wir das Element Luft, fühlen nicht bloß die Luft an uns vorbeistreichen, sondern ergreifen sie wirklich. Diese Übungen soll man unausgesetzt und längere Zeit nacheinander fortsetzen. Sie sind nicht leicht; man muß sich erst eine gewisse Praxis aneignen erstens in dem Fühlen der Empfindungen im Raum, ohne die Hand in Anspruch zu nehmen, und zweitens in dem Festhalten der Figur. Dann aber führt diese Übung zum Erfassen der elementaren Welt; man lernt diese ergreifen. Es ist aber eine Regel ohne Ausnahme, daß diese Übungen zugleich egoistisch machen. Deshalb sollte man sie niemals ausführen, ohne nicht zu gleicher Zeit allumfassendes Mitgefühl für alles, was Menschen freut und schmerzt, in der Seele zu entwickeln. Beim Aufsteigen in die übersinnliche Welt werden wir tatsächlich von höheren Wesen ergriffen, die sich unser als ihrer Werkzeuge bedienen, so wie wir uns unseres Auges, Ohres etc. bedienen. Die Gefahr bei diesem Erlebnis ist, daß man dabei, im schlechten Sinne des Wortes, immer selbstverlorener wird. DaBei dem Elemente Feuer denke man sich eine geschlossene Figur wie eine Schleife oder Achterfigur. Man soll besonders empfinden, daß in der Mitte ein Schnittpunkt sich befindet, wo die Kurve sich selbst berührt. her ist es nötig, zu gleicher Zeit Mut und Furchtlosigkeit auszubilden. Dann können wir uns ruhig in der geistigen Welt von geistigen Wesen ergreifen lassen, so daß wir fühlen: jetzt inspiriert uns ein Engelwesen, jetzt ein Erzengelwesen und so weiter. Imaginationen führen in die untersinnliche Welt, Inspirationen in die übersinnliche Welt. Man sieht, wie in dem Rosenkreuzerweg diese zwei Richtungen, nach oben und nach unten, vereinigt sind. Es ist nötig, daß man als Hellseher streng unterscheiden lernt zwischen elementarischer Welt und übersinnlichen Wesen; zwischen dem, was hier in der physischen Welt als Einheit erscheint. Wer beides zusammen schauen würde, in einem Bild das Wesen und dasjenige, was sein elementarischer Ausdruck ist, der würde die gröbsten Fehler machen und alles durcheinanderwerfen. Es ist im Anfang nicht leicht, die beiden Gebiete zu trennen, weil das astralische und auch das devachanische Schauen beide gibt, aber man lernt allmählich, wenn man, aufsteigend, ein Wesen schaut, sofort herabzusteigen, um unterhalb der physischen Welt das Elementarische dieses Wesens zu finden, so wie man, wenn man einen Gegenstand schaut, sofort herabschauen kann, um seine Widerspiegelung im Wasser zu erblicken. Der Saturnzustand könnte nicht geschildert werden, wenn man nicht auf der einen Seite sich zu solchen Wesen erheben könnte wie den Geistern des Willens oder Geistern der Persönlichkeit, und auf der anderen Seite in das Element des Feuers durchdringen könnte. Ebenso muß man für den Sonnenzustand die Geister der Weisheit und die Erzengel erkennen und auch das Element Luft. In der Beschreibung (in der «Geheimwissenschaft») wird beides zusammen gegeben: wie die Throne die Saturnwärme ausströmen lassen und so weiter. Es ist aber notwendig, bei der Beobachtung, dies als eine Zweiheit zu empfinden. Man muß sich darauf vorbereiten, in der geistigen Welt Dinge zu sehen und zu hören, die man hier unten niemals gesehen oder gehört hat. Wer nur erwartet, ihm schon Bekanntes da drüben zu finden, wird niemals in die geistige Welt eindringen können. Das ist es auch, was in dem zweiten Satz von unserem Rosenkreuzerspruch ausgedrückt ist: In morimur. Nur wenn das Sterben in Christo bei uns stattfindet, können wir durch den Heiligen Geist wiederum auferweckt werden. Das wiederum ist näher ausgedrückt in dem, was gewissermaßen ein Kommentar auf unseren zweiteiligen Spruch ist, der uns von den Meistern gegeben ist: Im Geiste lag der Keim meines Leibes ... Aufzeichnung Β Wir haben schon das letztemal gesehen, daß wir uns nicht sehnen sollen nach neuen Übungen, sondern gerade, wenn wir täglich mit unentwegter Treue dieselben Übungen machen (Beispiel: «Steter Tropfen höhlt den Stein»), so werden sie befruchtend auf uns wirken. Es werden sich Empfindungen einstellen, die uns hinaufführen in die geistige Welt. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Lesen theosophischer Bücher. Ein Theosoph glaube doch nicht, ein Buch wirklich zu kennen, wenn er es dreimal gelesen hat. Das ist so gut, als habe er es noch gar nicht gelesen. Und anstatt je fünf Bücher fünfmal zu lesen, soll er lieber ein Buch fünfundzwanzigmal lesen. Wir werden dann die Resultate schon an uns merken, sie fließen unbewußt ein in unsere Meditationen und bilden Marksteine auf unserem Weg in die geistigen Höhen. Alle Dinge um uns, die ganze Welt der physischen sinnlichen Wahrnehmung müssen wir uns gewissermaßen vorstellen wie ein großes weites Feld (eine Fläche). Darüber breitet sich die übersinnliche, darunter die untersinnliche Welt aus. (Die sinnliche Welt und die gewöhnliche, an das Gehirn gebundene Gedankenwelt [Maja] als eine Fläche, ein Feld vorstellen, darüber die übersinnliche Welt [Hierarchien etc.], darunter die untersinnli-
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GA 266b/1911-03-15/p004 · edition original