Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1911-06-12
* Wie die Luft uns umgibt, so auch der spirituelle Umkreis, der seit dem Ereignis von Golgatha das Christus-Licht ist und sich nun so verdichtet hat, daß wir es aufnehmen können. Wir müssen es aufnehmen mit dem Erkenntnisleib, damit es nicht getötet wird, sondern in uns lebendig wirkt. Ein Rosenkreuzerspruch lautet: der Mensch ist unsterblich, wenn er es sein will. - Der Erkenntnisleib ist das Unsterbliche, das wir mitnehmen über den Tod hinaus. Die Rosenkreuzer-Esoterik hat jedes Wort so geprägt, daß es ausbildet die Kräfte des logischen Denkens, der Vernunft, und damit muß alles, was die Forschung aus den geistigen Welten mitteilt, erfaßt und geprüft werden. Kein blinder Glaube soll im Menschen walten; blinder Autoritätsglaube tötet das logische Denken und das Spirituelle im Menschen. Luzifer ist eine tragische Gestalt, sie weiß, daß ihre Macht über die Menschheit mit der Erde auch zu Ende ist. Aller Schmerz und alles Leid der Welt ist luziferisch. Der Mensch war früher im Luftkreis der Erde, erst durch Luzifer ist er dem wäßrigen und erdigen Element verfallen: dies liegt dem Bilde des Sündenfalls zu Grunde. Ohne Luzifer hatte der Mensch instinktiv den Erkenntnisleib seinen drei andern Gliedern einverwoben. Der Plan der Freiheit ist als zweiter Plan der Erdenentwicklung eingefügt. Am Sabbath ruhten die Götter - das ist wörtlich zu nehmen, da der Mensch nun selbst weiterarbeiten muß an seinen höhern Gliedern; den Erkenntnisleib muß er selbst durch die theosophischen Gedanken und Erkenntnisse aufbauen, genau so, wie die Götter auf dem Saturn unsern physischen Leib durch Gedanken und Vorstellungen schufen. Das Hellsehen der Jetztzeit ist das Auftauchen spiritueller Gebilde ins Bewußtsein der Menschen; der Mensch bildet sie durch Aufnahme des Christus-Lichtes in seinem Erkenntnisleib. Der Mensch durfte im Paradies nicht von dem Baume des Lebens essen, weil er dann auf der Erde mit seiner Erkenntnis immer in Luzifers Reich geblieben wäre. Nun, da der Baum des Lebens zum Kreuzesbaum geworden, zum toten Holz, aus dem das neue Leben - die Rosen - aufsprießt, nun soll er essen vom Baum des Lebens und trinken den Saft der
Cite:
GA 266b/1911-06-12/p006 · edition original