Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1911-08-23

GA 266b/1911-08-23/p010 ·1911-08-23 · original (original)

* Weisheiten, daß Ihr Euch demjenigen gegenüber, was ich hier zu vertreten berechtigt bin, dem, was aus hellseherischem Bewußtsein heraus gegeben wird, so auch mir selber gegenüber, Eure vollen Verstandeskräfte aufrechterhalten und verwenden sollt. Mit gesundem Menschenverstand, mit Vorurteilslosigkeit und vernünftigem Denken, wenn es nur weit genug ausgedehnt wird, soll an dasjenige, was hier gegeben wird, herangegangen werden. Nicht schwören sollt Ihr auf dieses oder jenes, sondern selbst urteilen. Und so wollen wir noch einmal alles zusammenfassen, was diese Stunde, die wie alle esoterischen Stunden eine heilige für uns sein soll, gebracht hat, in dem Spruche: Im Geiste lag der Keim meines Leibes ... physische und der Ätherleib stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander. Was würde denn geschehen, wenn wir den Ätherleib aus dem physischen Leib entfernten? Die Kräfte des physischen Leibes haben das Bestreben, diesen mehr und mehr in sich zusammenzuziehen; er würde kleiner und kleiner werden, zu einer Kugel zusammenschrumpfen und schließlich in sich selbst verschwinden. Der Ätherleib dagegen hat das Bestreben, sich immer mehr auszudehnen. Dadurch gibt er im physischen Leibe diesem die Form. Außerhalb desselben dehnt er sich mehr und mehr aus über den Kosmos, und dieses Sichausdehnen ist mit einem Gefühl der Seligkeit verbunden. Nach dem Tode wird schließlich dieses Ausdehnen nur gehemmt durch den Astralleib, der den Ätherleib durch das, was an Trieben, Begierden und Leidenschaften in ihm ist, wieder zusammenzieht und dadurch Kamaloka herbeiführt. In den Momenten unserer Versenkung, die uns heilig sein sollen, führen wir nun selbständig diesen Zustand herbei, daß wir den Ätherleib herauslösen aus dem physischen Leibe, allerdings nicht für die Sinne wahrnehmbar; wir heben ihn aber doch in geistige Welten. Wir sollen in solchen Augenblicken unseren physischen Körper möglichst vergessen und nicht empfinden, sozusagen vergessen, daß wir leben, das heißt: nicht in dem Maße, daß wir einschlafen - das wäre falsch und schädlich -, sondern bei vollem Bewußtsein unseres Lebens dieses doch nicht beachten. Sodann sollen wir nichts von unserem täglichen Leben, Gefühlen etc. in unserer Seele lassen, besonders nicht unsere Sympathien und Antipathien, die oft so unberechtigt sind. Denn was tun wir damit? Dadurch, daß wir den Ätherstoff unserer Seele in die Ätherwelt ergießen, kommen wir mit den anderen Hierarchien in Verbindung, von denen gute und böse Wesenheiten in dieser Welt leben, und der Stoff, den wir in diese ergießen, zieht Stoffe an, die ihm ähnlich sind. Wenn wir unsere Fehler mit hineintragen, so gehen diese den Ätherkräften entgegen und werden uns zurückgespiegelt von diesen, aber nicht in ihrer wahren Form, sondern in oft verführerischen Gestalten, die uns blenden und unser Urteil verwirren und trüben. Wie ein unreinliches Zimmer Fliegen anzieht, so zieht ein mit Fehlern durchzogener Ätherleib Wesenheiten in jenen Welten an, die zum Truge neigen. Wenn ein lügnerischer oder ehrgeiziger Mensch diese Eigenschaften in seine Meditation mit hineinträgt, so kann es ihm geschehen, daß er sich dem Trug immer lieber hingibt, daß er Lug und Trug lieben lernt.* Deshalb soll der Esoteriker doppelt auf seine Fehler achten. Er soll sich mit Mut und Bescheidenheit sagen, daß er ein schlechter Mensch ist und daß er sich bemühen will, seine Fehler abzulegen. Er darf aber nicht verzweifelt über dieselben sein und sich von dem Bewußtsein derselben niederschmettern lassen, denn das wäre Egoismus. Man muß sich sagen, daß es Karma ist, daß man so ist, und soll sich nicht wünschen, durch eine göttliche Gnade, die man nicht verdient, anders zu sein, sondern soll sich bestreben, durch eigene Erkenntnis anders zu werden. Das ist nicht bequem, aber man wird dadurch auf den richtigen Weg kommen. Man soll im Anfange seines esoterischen Lebens dieses Herausheben des Ätherleibes nicht so weit ausdehnen, daß man in seinem physischen Befinden gestört wird. Man soll den physischen Leib so wiederfinden, wie man ihn verlassen hat. Und wenn man Schwindel oder sonstige Erscheinungen empfindet, die man früher nicht hatte, so muß man die Versenkung abkürzen. Es wird niemals in wahren esoterischen Schulen verlangt, daß man sich an eine Autorität hängt, im Gegenteil, der Esoteriker soll prüfen, was ihm gesagt wird, soll mit seiner Intelligenz es durchdringen, es vergleichen mit allem früher Gesagten, soll Ergänzungen suchen. Niemals wird von den esoterischen Schulen, die unter der Leitung der Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen stehen, Glauben auf die Autorität hin verlangt werden. Wo ein solcher Glauben verlangt wird, _____________ * In einer anderen Vorlage folgt hier noch der Satz: «Und es muß gesagt werden, daß es kein Mittel gibt, um dem Esoteriker gegen solche selbstverschuldeten Dinge zu helfen.»

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