{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1911-10-14","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14","ga":"266b","lecture":"1911-10-14","lecture_number":null,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Karlsruhe, 1911-10-14","site_heading":null,"date":"1911-10-14","location":null,"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"passage_count":14,"word_count":5007,"translation_credit":null,"witnesses":[{"lang":"de","edition":"original","is_original":true,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":14,"passage_count":14,"word_count":5007},{"lang":"en","edition":"English","is_original":false,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":64,"passage_count":64,"word_count":5218,"completeness":{"ratio":1.04,"band":"comparable","note":null}}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. 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Oktober 1911 \nAufzeichnung Α \nWir haben das letzte Mal die Tatsache besprochen, daß in der Außenwelt alles Maja ist und daß alles gewissermaßen gerade umgekehrt vorgestellt werden muß. Und wir haben betont, wie der Esoteriker lernen soll, in solchem Bewußtsein zu leben, daß er alles, \nwas er um sich herum wahrnimmt, im genannten Sinne betrachtet. \nSchaut er eine Blume, so denke er sie sich umgekehrt; hört er einen \nTon von rechts her kommen, dann bedenke er, daß der Ton in \nWirklichkeit von links her kommt. Er kann darin noch weiter gehen und in manchen anderen Fällen das Gleiche bedenken. Da, wo \nes finster ist, soll er sich sagen, daß es eigentlich hell ist; wo Licht \nist, ist eigentlich Finsternis. Wenn wir dieses Empfinden von der \nUmkehrung der äußeren Maja ganz in uns verankern, wenn sich all \nunser Denken darnach richtet, dann werden wir große Umwandlungen an uns selbst erfahren, die uns zum Wahren führen. Wenn \nwir aber dies alles uns durch bloßes Nachdenken klarmachen wollen, dann werden wir vor große Gefahren geführt. Der Esoteriker \nweiß zwar, daß alle Symbole und alle esoterischen Lehren eine gewisse Gefahr in sich bergen können, wenn sie falsch aufgefaßt und \nfalsch angewendet werden, aber wir sind als Esoteriker ja auch keine kleinen Kinder. Wer versucht hat, dasjenige anzuwenden, was \ndas letzte Mal hier gesagt wurde, wird ein Gefühl bekommen haben, als ob ihm der Boden unter den Füßen entzogen wäre. Und \nwenn man versucht, diese Dinge verstandesmäßig zu begreifen, \ndann ist es so, als ob zwei Spiegel einander gegenüber aufgestellt \nwären, so daß eine sich ins Endlose wiederholende Spiegelung auftritt. Die Gefahr besteht dann, daß der Verstand mit dieser unendlichen Wiederholung mittanzen würde wie in einem Wirbeltanz. \nDer gesunde Menschenverstand sagt ja dann auch: Da steht mir der \nVerstand still! Nur das ungesunde Seelenleben läßt sich in den \nWirbeltanz mit hineinziehen. \nWir können aber auch noch weiter gehen mit der Umkehrung \nund den Menschen selbst mit hineinbeziehen. Stellen wir uns ein \nmenschliches Antlitz vor, das hellere oder dunklere Färbung hat, \nmit hellerem oder dunklerem Haar, und nun stellen wir uns das \nhelle Antlitz dunkel vor, das dunkle Haar hell und so weiter. Ferner sollen wir uns da, wo das Antlitz vorspringt, Höhlen, da, wo es \nzurückweicht, es aufgeplustert vorstellen. Zu gleicher Zeit die \nHautfarbe verwandelt: da, wo sie rosig gefärbt ist, denken wir uns \ndunkelgrün; da, wo sie blaß ist, hellgrün.* Wenn wir das so fühlen \nkönnten, dann wären wir imstande, diesen Menschen zu erkennen \nseinem inneren Wesen nach. Die dunkelgrüne Farbe zum Beispiel \nwürde uns zeigen, daß wir es mit jemandem zu tun haben, der stark \nin dem Leben drinnensteht, das in den drei unteren Naturreichen \nwirkt; wenn die Farbe hellgrün erscheint, würde er mehr dem Geistigen zugeneigt sein. Und wo man Blau sieht, würden die höchsten spirituellen Eigenschaften sich an einem Menschen zeigen. \nWürden wir uns aber zuerst die Farbe vorstellen, und diese dann \nauf das Antlitz, so wie es vor uns steht, in Gedanken übertragen, \ndann würden wir zu den schlimmsten Irrwegen kommen. \nAuch das müssen wir uns vorstellen, daß etwas, was sich häßlich zeigt, in Wirklichkeit schön ist. Das ist der Grund, warum, \nbesonders auf alten Gemälden, der Christus am Kreuz nicht \n«schön» dargestellt wurde, sondern oft häßlich und verzerrt. \nEin schwacher Esoteriker wäre der, der immerfort damit beschäftigt ist, von seinen Schwierigkeiten, seinen physischen \nSchmerzen zu reden, der sich täglich Rechenschaft gibt von all den \ngroßen und kleinen Qualen, die er erdulden muß. Wer weiterkommen will, der muß in sich selber die Kraft entwickeln, nicht fortwährend seine Leiden kurieren zu wollen durch allerlei Heilmittel \nund Kuren, sondern er muß verstehen, daß all dieses zu einer esoterischen Entwicklung dazugehört, bei der ja das ganze Wesen der \nMenschen einer Wandlung unterworfen ist. Es würde ein Beispiel \neines durch und durch kranken Seelenlebens sein, wenn jemand \nzum Beispiel über eine Wiese gehen und eine Herbstzeitlose sehen \nund nun meinen würde, daß diese ihn verschlingen wolle. Bei dem \nEsoteriker aber, auch wenn er nicht krank ist, kann es vorkommen, \ndaß er das Gefühl hat, als ob er von den höheren Wesenheiten von \nhinten ergriffen und gleichsam aufgesogen würde. Es gibt ja unter \nden gewöhnlichen Menschen solche Erscheinungen, daß sie sich \nvor einem offenen Fenster fürchten, wenn sie sich in einem hohen \nStockwerk befinden, weil dann die Begierde entsteht, sich aus dem \nFenster zu stürzen. Oder man kennt dasjenige, was Platzfurcht genannt wird, wo der Mensch nicht einen Platz zu durchqueren \nwagt. Diese letztere Empfindung hört ja auf, wenn man einen Menschen neben sich weiß. Die offizielle Medizin gibt für all diese Erscheinungen auch die Ursachen an, aber der wahre Grund ist der, \ndaß es einem solchen Menschen an berechtigter Einsamkeit gemangelt hat. Einsamkeit ist etwas, was alle Menschen bis zu einem gewissen Grade brauchen und ist kein bloßer Egoismus. Wer immer \nanderen helfen will, wird einmal empfinden, daß er nicht weiter \nhelfen kann, wenn er die Kräfte dazu nicht aus der Einsamkeit \nschöpft. Wer immer reden will, wird einmal spüren, daß er nur leere Worte redet, wenn er nicht in der Einsamkeit die geistigen Kräfte zu sich kommen läßt. Zum Gebet und zur Meditation müssen \nwir in der Einsamkeit sein; ein gemeinsames Gebet kann die Menschen nur zu einer gewissen Gruppenseelenhaftigkeit bringen. Wer \nmeint, daß es egoistisch sei, in die Einsamkeit zu gehen, der hat einfach das Bedürfnis, bei anderen Menschen zu sein, nicht um ihnen \nzu helfen, sondern damit er nicht allein sei. Auch das selbstlose \n«helfen wollen» kann in Wirklichkeit dem Egoismus entspringen, \nindem man einfach die Geselligkeit sucht. So kann zum Beispiel \nauch das Magnetisieren, das angeblich angewendet wird, um anderen Schmerzen zu lindern, nur aus dem Bedürfnis hervorgehen, \nsich selbst angenehm zu empfinden, indem man den Körper des \nanderen bestreicht. Obwohl Liebe und Egoismus Gegenpole sind, \nist es dennoch wahr, daß in gewissen Grenzfällen diese beiden sich \nsehr nahe berühren und es schwer ist, sie voneinander zu unterscheiden. \nDer Mensch hat um sich herum die drei niederen Naturreiche. Während es das Zeugnis eines ungesunden Seelenlebens sein \nwürde, wenn jemand fürchten würde, von den Wesenheiten des \nMineralreichs oder des Pflanzenreichs verschluckt zu werden, \nkann es einem Esoteriker schon passieren, der durch seine \nÜbungen zu solcher Stufe gekommen ist, daß er das Gefühl hat, \nvon den höheren Wesen aufgesogen zu werden. So wie wir unter uns die drei Naturreiche haben, so über uns die drei geistigen Hierarchien, und es sind diese Wesenheiten - und auch solche, die mit der mehr inneren Menschheitsentwicklung zu tun \nhaben -, die uns beeinflussen und das oben geschilderte Gefühl \nverursachen. Aber durch unser Ichbewußtsein ist uns zu gleicher \nZeit die Kraft gegeben, daß wir nicht ganz von den höheren \nWesenheiten aufgesogen werden, so daß wir nicht ein willenloses Werkzeug werden, sondern die höhere Entwicklung führt \ngerade dahin, daß wir uns in unseren Gefühlen und Empfindungen selbständig machen, sonst würden wir unser Selbstbewußtsein ganz verlieren. Bewußt sollen wir uns zu den höheren \nHierarchien hinaufentwickeln. \nWer durch das Studium der Theosophie die großen Wahrheiten über Welt und Mensch in solcher Art erfaßt hat, daß sie ihn \ngleichsam warm durchziehen und beseelen, der lernt sich so \nempfinden inmitten der geistigen Wesenheiten, daß sein selbständiges Dasein nicht in Gefahr geraten kann. Dann lernen wir \nbei allem, was uns geschehen mag, aus unserem Innern heraus \nzu sagen: Das kommt von Gott. Dann lernen wir im Leid sagen: \nGott sendet uns dieses Leid als eine liebevolle Erinnerung an \nfrühere Fehler; und im Glück werden wir sagen: Das ist eine \nGnade, die Gott uns schickt, - und es stimmt uns zum Danke, \nnicht zur Selbstüberhebung. Dann lernen wir bei allem Geschehen die Wirkung der göttlichen Mächte erkennen, dann fühlen \nwir uns allmählich in dem richtigen Verhältnis, das uns mit dem \nKosmos verbindet."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p003","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p003","passage_number":3,"word_count":1216,"text":"* \n* * \nAufzeichnung B \nWir haben das letzte Mal gehört, wie wirksam es ist für unsere \nSeele, die Imagination auf sich wirken zu lassen, daß die äußere \nWelt um uns Maja ist, daß uns erst das umgekehrte Bild die \nWahrheit bringt. Wir können in dieser Imagination noch weiter \ngehen. Schauen wir das Gesicht eines Menschen an, so müssen wir \nes uns umgekehrt denken: überall, wo eine Erhöhung ist, eine \nVertiefung, dunkle Haare hell, helle dunkel usw. Aber auch die \nFarbe des Gesichts müssen wir uns umgekehrt denken, und zwar \nnicht nur statt der hellen eine dunkle Farbe, sondern die einzelnen \nFarbenflecke, die uns entgegentreten, müssen wir uns in ihren \nKomplementärfarben vorstellen, so zum Beispiel einen roten \nFleck grün usw. Wenn wir uns da recht hineinleben, werden uns \ndie Farben etwas verkünden von den Eigenschaften des betreffenden Menschen. Ein helles Grün - schon als Komplementärfarbe \ngedacht - würde bedeuten, daß der Mensch nicht loskommt von \nallem, was mit seiner Leiblichkeit eng verknüpft ist. Ein dunkles \nGrün deutet ein Streben nach dem Geistigen an, Blau ein besonders starkes Streben nach dem Geistigen. Diese Farben werden \ndann wie durchsichtig für uns. Es sind die Farben des Ätherleibes. \nDas alles wirkt nur, wenn wir es innerlich empfinden. \nDurch diese Art der Betrachtung werden wir dazu kommen, \ndie wahren Eigenschaften der Menschen zu erkennen, viel mehr, \nals es sonst auf irgendeine Art geschehen kann. Unser Verstand \nkann höchstens so weit kommen, zu sagen: die äußere Welt ist \neine Maja; im umgekehrten Bilde sehe ich sie in ihrer wahren \nGestalt. Hier an diesem Punkte muß der Verstand stillestehen, \nsonst gerät er in Wirrnis und verliert den Boden unter seinen \nFüßen. Unsere Gedanken sind Spiegelbilder der Außenwelt. \nDenken wir uns einen Spiegel und einen Gegenstand, der sich \ndarin spiegelt. Stellen wir dem einen einen andern Spiegel gegenüber, so bekommen wir bis in verschwommene Ferne Spiegelbilder der Spiegelbilder. So erginge es uns, wenn wir, statt über die \nokkulten Tatsachen einfach nachzudenken, darüber spintisieren \nwollten und Schlüsse ziehen, um neue Tatsachen zu finden. Das \nmüßte uns zu einer gewissen Wirrnis führen. Wir müssen diese \nDinge vielmehr mit unserem Empfinden erleben. \nSo wie der Mensch darinnensteht zwischen seinem ätherischen Bilde und seinem physischen Majabilde, ergibt sich uns \nerst ein richtiges Bild von dem Menschen. Wenn der Mensch in \nseinem physischen Leibe häßlich erscheint, so würde sich jenes \nMittelbild schön zeigen, und umgekehrt. - Es gab eine gewisse \nStrömung in der Kunst, die das andeutet. Es gibt Christus-Bilder, die die Christus-Gestalt durchaus nicht als schön zeigen. \nEs ist gut, daß die Seele die Möglichkeit hat, die Notwendigkeit der Einsamkeit zu empfinden. Die Seele braucht zeitweise \ndie Einsamkeit, und es ist gut, daß sie allein steht. Wer sich dem \nGebete und der Meditation hingibt, der fühlt die Notwendigkeit \nder Einsamkeit dazu. Das Bedürfnis, mit anderen Menschen zusammen zu sein, entspringt oft aus egoistischen Gefühlen. Wir \nmeinen, wir möchten helfen. Es gibt gewisse Grenzgebiete, wo \nEgoismus und Liebe kaum voneinander zu trennen sind. Wir \nmöchten etwas tun für andere Menschen, und im Grunde tun \nwir es nur, weil es uns Befriedigung verschafft. Ein Magnetiseur \nkann meinen, mit irgendeinem bestimmten Strich den Menschen \nbesonders helfen zu können, und in Wirklichkeit geschieht es \nnur, weil ihm das Streichen ein gewisses Wohlgefühl verursacht. \n- Nun könnte man fälschlich einwenden: ja, das ist aber doch \nEgoismus, wenn ich mich der Einsamkeit hingebe. Das ist nicht \nrichtig gedacht, und wäre nicht im richtigen Sinne selbstlos gedacht. Denn aus der Einsamkeit schöpfe ich Kraft, aus diesem \nEgoismus schöpfe ich mir die Kraft zu den Taten der Liebe. -\nDie Notwendigkeit der Einsamkeit ist ein Segen für die Seele, \nund es kann ein glückbringendes Gefühl für die Seele sein. Aber \nes kann auch ein Gefühl entstehen, das da spricht: ich stehe da, \neinsam und auf mich selbst angewiesen; alle Menschen stehen \nmir fern und sind mir fremd, und keiner kann mich verstehen. \nEin solches Gefühl kann die Seele mit Leid erfüllen, aber sie \nmuß sich darüber hinausheben können. \nEs gehörte schon eine sehr kranke Seele dazu, die, wenn sie \nüber eine Wiese ginge, auf der Herbstzeitlosen blühen, zu sich \nso sprechen würde: «ich fürchte mich vor der Herbstzeitlose; sie \nkönnte mich verschlucken.» Das müßte, wie gesagt, eine sehr \nkrankhaft veranlagte Seele sein, die so sprechen könnte. Und \ndoch könnten dem Esoteriker ähnliche Gefühle aufsteigen, und \nwir müssen durchaus auf derartiges gefaßt sein. Es kann ein \nEsoteriker dazu kommen, zu sagen: «ich fühle mich hingegeben \nden geistigen Welten; sie nehmen Besitz von mir; es ist mir, als \nwenn ich aufgesogen würde von den höheren Wesen.» Und in \nso einer Seele kann ein Groll aufsteigen gegenüber den Göttern. \n- Wie unter uns drei Reiche sind, das Tier-, Pflanzen- und \nMineralreich, so haben wir über uns die drei untersten Reiche \nder höheren Hierarchien, Engel, Erzengel und Urbeginne. Und \ndie Seele kann in einem bestimmten Momente fühlen, als wenn \nihr Engel Besitz von ihr ergreifen würde, und sie lehnt sich auf \ndagegen. \nWenn wir uns den Tatsachen der okkulten Forschung hingeben, die uns durch die Theosophie gebracht werden, was tun \nwir da eigentlich? Was ist es, was wir da in uns aufnehmen? Es \nist nichts anderes als die Gedanken der Gottheit, die von Anfang an waren und nach denen alle Dinge geworden sind, die \nUrbilder alles Entstandenen. Wenn wir nun nichts könnten als \ndie Gedanken der Gottheit mit unserem Verstande aufnehmen, \nso handelte es sich bloß um ein nüchternes Nach-denken. Wir \nwürden die Wahrheiten mit unserem Verstande denken, aber es \nwürde uns kühl lassen. Das wäre dem Gefühl ähnlich, das wir \nhätten, wenn wir auf einem hohen eisigen Berge stünden, zu \ndessen Spitze keine Wärme aus der Welt hinaufdringt. So geschähe es unseren Seelen, könnten wir bloß verstandesgemäß die \nokkulten Tatsachen, die da sind die Gedanken Gottes, aufnehmen. Früher, in der lemurischen Zeit, da nahmen die Menschen \ndiese Dinge auf, gaben sich ganz den Göttern hin dabei, und die \nWärme der geistigen Welt durchdrang sie, und sie fühlten sich \ninnig verbunden mit der geistigen Welt. Im Laufe der Zeiten \nwurde das Verstandeserfassen immer nüchterner und das Empfinden immer kälter und kälter. Und zur Zeit des Mysteriums \nvon Golgatha, da war die Seele schon von einem Eisesschauer \ndurchrieselt. Aber in dem Momente, als der Christus den Christus-Träger verlassen hatte am Kreuze und sich hingegeben der \nWelt, da hat er die Kälte des Geistes durchglüht mit seinem \nheiligen Feuer und dadurch den Geist in den Heiligen Geist \nverwandelt. \nUnd jetzt stehen wir den okkulten Tatsachen wieder anders \ngegenüber. Wir nehmen sie nicht bloß auf mit unserem Verstande, sondern wir beleben sie mit unserem Empfinden. Wir durchsetzen und durchtränken unsere innersten Gefühle mit den okkulten Tatsachen; wir lassen das also Erlebte einfließen in alles, \nwas wir tun. In dem Maße, in dem wir dies tun, haben wir von \ndem Heiligen Geiste in uns. Wir sagen dann, wenn wir körperliches Wohlbefinden fühlen: das danke ich dem göttlichen Geiste \nin mir. Und wenn ein Gedanke wieder auftaucht in meinem Innern, den ich in früheren Zeiten gedacht habe, so sage ich mir: \nnicht ich, sondern der göttliche Geist in mir ist es, der diesen \nGedanken wiederaufleuchten läßt in meinem Innern. Ich fühle \nnicht mehr, daß die geistige Welt einfach von mir Besitz ergreift, \nsondern ich habe mich mit dem göttlichen Geiste verbunden. \nUnd wir werden dann die Wärme des göttlichen Geistes fühlen, \nder uns durchdringt."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p004","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p004","passage_number":4,"word_count":935,"text":"* \n* * \nAufzeichnung C \nWir haben in der vorigen Stunde eine gewaltige Meditation vor \nunsere Seele gestellt und besprochen, und einige von Euch werden vielleicht versucht haben, sich das, was sich ihnen in der \nSinnenwelt darstellt, als Maja, als Illusion anzusehen. \nWir können diese Meditation auch noch weiter verfolgen, \nindem wir bei den Menschen, die uns gegenüberstehen, die \nGesichts- und Haarfarbe, auch seine Augen, etwaige Röte der \nWangen in den Komplementärfarben zu empfinden versuchen; \nauch das, was als Erhöhung sich darstellt, als Vertiefung sehen \nund umgekehrt. Hat ein Mensch zum Beispiel mehr rote Bakken, so werden sie in Hellgrün empfunden werden müssen, und \nes ist ein Zeichen, daß derselbe noch sehr im (äußeren) Leben \nsteht. Empfinden wir bei leichter Gesichtsröte eine dunkelgrüne \nFärbung und breitet sich darüber ein bläulicher Schimmer, so \nwird der Hellseher an dieser mehr oder weniger intensiven Färbung den Grad der Geistigkeit erkennen können. Es ist dies der \nAnfang, wo der Mensch eine Aura zu sehen beginnt. \nAlle diese Sachen können nur empfunden und gefühlt werden. Das Bindeglied* zwischen dem Äther- und dem physischen \nLeib ist stets das Gegenstück des äußeren, sichtbaren Menschen. \nErscheint der Mensch äußerlich häßlich, so ist das Verbindungsglied schön. - In mancher Kunstrichtung heutzutage (?) können \nwir beobachten, daß oft dieses Geistige, dem Künstler selber \nunbewußt, in den Werken ausgedrückt ist, zum Beispiel die vielen Kreuzigungsbilder mit den unschönen, häßlichen, schmerzverzerrten Zügen. -\nWenn wir Maja und Illusion mit dem Verstande begreifen \nund diese Übungen des Umkehrens durchdenken wollen, so \nwird der Verstand, wenn er gesundes Denken entwickelt hat, \nnur bis zur Tatsache des Umdrehens mitgehen können; im andern Fall würde es nur ein fortwährendes und wieder zurückgeworfenes Spiegeln seiner eigenen Gedanken werden, die dann \nkrankhaft ausarten können. \nBei der esoterischen Entwicklung müssen wir versuchen, fest \nzu stehen. Alle Schmerzen, Leiden, Angstzustände etc. geduldig \nertragen. Es ist kein gutes Zeichen für den Esoteriker, wenn er \nklagt und alle möglichen Kuren macht. Wir müssen uns klarwerden, daß eine Veränderung der Körper vor sich geht, die \neben solche Zustände hervorbringt. Auch alle möglichen Nervengeschichten, wie wir sie bei Neurasthenikern beobachten \nkönnen, Platzfurcht, sich von der Höhe herunterschwingen wollen, können uns überfallen; dann muß man sich zum Bewußtsein \nbringen, daß das alles Maja ist, und vor allem, daß alle derartig \nauftretenden Zustände eine Stärkung bedeuten für später auftretende Schwierigkeiten. \nDer Gedanke soll uns beherrschen, daß wir Lieblinge der \nGötter sind, je mehr wir zu leiden und zu überwinden haben. \nEinsamkeit der Seele, ein Nichtverstandenwerden von andern \ntritt mit als erste seelische Schwierigkeit uns entgegen. Die Einsamkeit bringt uns die höchsten seelischen Güter. In der Einsamkeit beten, meditieren bringt uns die stärksten spirituellen \nStrömungen und stärkt unsere eigene Individualität. \nBeten in der Masse ist nur eine Gruppenseligkeit.* \nEinsamkeit wirkt verschieden nach dem Grade der Entwicklung. Dem einen bringt sie Verzweiflung, dem andern Freude. Oft \nwird der Trieb nach Geselligkeit mit der Ausrede entschuldigt, \ndem andern helfen zu können, helfen zu wollen. Liebe und Egoismus gehen Hand in Hand. Zuviel reden verursacht Banalität. Für \nberechtigte Einsamkeit muß man als Esoteriker sogar kämpfen. \nVor uns haben wir das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich. \nHinter uns stehen die niederen Hierarchien: Engel, Erzengel, \nGeister der Persönlichkeit. Oft ist das Gefühl vorhanden, als \nwenn ein Engel in uns hineinstiege und Besitz von uns ergriffe. \nAlles, was wir empfinden an Leid und Freude, ist Geschenk der \nGötter; das ist der Heilige Geist, der in uns wirkt. \nWenn jemand alle Gedanken der Theosophie, die jetzt der \nWelt gegeben worden sind, in sich hätte, so wären dies die Gedanken der Götter; die würden nur das reine Denken in uns \nauslösen und in uns eine kalte Eiseskälte der Weisheit erzeugen. \nWir sollten aber in uns, geradeso wie in einem Ei das erste \nLebensgefühl sich regt, Wärme erzeugen; Liebe, die uns durchströmt und diese Gedanken der Götter beseelt, ist erst möglich \ndurch das Christus-Ereignis. Von der lemurischen Zeit bis zum \nChristus-Ereignis war ein Abfluten; jetzt aber durch Christus \nEin-sich-wieder-Erheben. Jetzt ist es möglich, Weisheit mit \nLiebe zu verbinden. \nDiese Gefühle, Gedanken der Götter als vom Vater ausgehend \nmeditieren, diese Gefühle dann durchwärmen und hinopfern in \nChristus und aufs neue geboren werden. Das Geistige, was in uns \nist, durch den Heiligen Geist, in der richtigen rosenkreuzerischen \nWeise meditiert, gibt uns Sicherheit, die Selbständigkeit, die wir \nauch den höheren Hierarchien gegenüber haben sollen. \nErgänzung: Wir sollen Karma nicht nur theoretisch glauben; \nes ist sehr schwer, es wirklich als Folge zu empfinden bei \nschweren Lebenserfahrungen. Dazu aber verhelfen uns die esoterischen Übungen, zum Beispiel der Gelassenheit. Nicht bloß \nbei Freude oder Leid darüber stehen, sondern auch in jeder Faser unseres Herzens ganz vollkommen hingegeben sein an die \ngroße Gerechtigkeit («Herr, Dein Wille geschehe»). \nBei der Rückschau ist es sehr gut, daß uns Punkte einfallen, \ndie am Tage unserer Beachtung ganz entgangen sind. \nEine gute Imagination ist auch, sich eine Pflanze vorzustellen, \nwie sie grün aussieht, aber in der Tat Maja oder Illusion ist; man \nsoll sie sich so vorstellen, daß die Blätter eine violett-rote Färbung haben, den Stengel blau etc. und auch die Stellung verkehrt \ndenken; dann wird man beim richtigen Fühlen sich selbst fühlen \nals die Pflanze, in sie hineinwachsen und so mitwachsen in die \ngeistigen Höhen. - Dasselbe ist auch angegeben in «Wie erlangt \nman Erkenntnisse der höheren Welten?». \nAlle Imaginationen werden uns in der rechten Weise erscheinen, wenn wir die Welt in uns selbst als Maja vorstellen. Sehr \ngut ist diese Übung bei Tieren zu machen ... \nDen Wesenheiten, die unseren Fortschritt hemmen, die unserem Karma entgegenarbeiten, müssen wir dankbar sein, denn \nwenn wir so unrein bleiben, wie es in unserem Karma liegt, so \nwürden wir in die Abgründe geschleudert werden ..."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p005","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p005","passage_number":5,"word_count":613,"text":"* \n* * \nAufzeichnung D \nIn derartigen Bemühungen können wir noch weiter gehen, indem wir Menschen gegenüberstehen und dabei versuchen, auch \ndas Äußere des Menschen als Illusion und Maja anzusehen. So \nversuche man zum Beispiel seine Gesichtsfarbe, seine Haar-, \nAugen- und Wangenfarbe in den Komplementärfarben zu empfinden, ebenso alles, was Erhöhung an ihm ist - Nase etc. - als \nVertiefung und umgekehrt zu sehen. Dabei kommt man in die \nnegative Form, diejenige, die als Hohlraum vom physischen \nLeib ausgespart ist und die das Geistige ausmacht. (Vergleiche \n«Theosophie»: Das Geisterland.) Dies ist auch der Anfang, um \nsich in die Aura des Menschen hineinzuleben. All diese Erlebnisse können nur gefühlt und empfunden werden. Gehen wir \nmit dem Intellekt daran, so kann man diese Art Übungen nur \nbis zur Umdrehung der Tatsachen vollziehen, oder man erlebt \nnur ein fortwährendes zurückgeworfenes Spiegeln der eigenen \nGedanken, ohne in die geistige Wirklichkeit einzudringen. Hat \nein Mensch zum Beispiel sehr rote Backen, so werden diese in \nder Komplementärfarbe als hellgrün empfunden werden müssen, \nein Zeichen, daß er noch stark im vegetabilen Leben steht. Bei \nleichter Gesichtsröte breitet sich für das hellseherische Wahrnehmen ein bläulicher Schimmer über eine etwas dunklere grüne \nTönung. So kann der Hellseher den Grad der Geistigkeit von \ndemjenigen erkennen, der vor ihm steht. \nDas Bindeglied* zwischen dem Äther- und physischen Leib ist \nstets das Gegenstück zu dem äußeren sichtbaren Menschen. Erscheint ein Mensch im Äußeren als schön, so ist dies Verbindungsglied häßlich, und umgekehrt. In manchen Kunstrichtungen \nder Gegenwart können wir beobachten, wie dies, wenn auch unbewußt, oft ausgedrückt wird, so zum Beispiel in manchen Kreuzigungsbildern mit den unschönen, schmerzverzerrten Zügen. \nWill man nun versuchen, sich selbst mit seinem Bewußtsein \nin rechter Art in die Sinneswelt hineinzustellen, ohne dieser rein \näußerlich als einer Maja ausgeliefert zu sein und an ihr zu haften, so muß man sich folgendes klarmachen. Vor uns stehen die \nReiche der Mineralien, Pflanzen und Tiere. Hinter uns stehen \ndie Reiche der an den Menschen angrenzenden Hierarchien, der \nEngel, Erzengel und Geister der Persönlichkeit. Man kann nun \noft das Gefühl haben, besonders wenn man die oben beschriebenen Übungen macht, als würde man von den hinter uns stehenden Hierarchien wie aufgesogen werden; auch wird oftmals das \nGefühl auftreten, als ob ein Engel in uns hineintrete. \nUm diesem Gefühl des Aufgesogenwerdens recht zu begegnen, müssen wir alles, was wir an Freude und Leid erleben, als \nein Geschenk der Götter ansehen lernen, als vom Vatergeist an \nuns herangebracht und in uns bewirkt. Dadurch entwickeln wir \njene innere Gelassenheit, die wir den höheren Hierarchien gegenüber als innere Festigkeit brauchen. Man kann nun sagen: \nWenn jemand alle diejenigen Gedanken, die heute in der Theosophie gegeben werden, in sich aufnehmen würde, so wären dies \ndie Gedanken der höheren Hierarchien, der Götter; jedoch würde dies Denken in uns eine Eiseskälte erzeugen. Darum müssen \nwir diese Göttergedanken mit der Wärme verbinden, die Liebe \nin uns erweckt. Auch wenn dies erst nur schwach möglich ist, \nso ist es doch damit wie mit dem ersten Lebensgefühle in einem \nPflanzenkeim. Erst durch das Christus-Ereignis ist es uns möglich geworden, Weisheit mit Liebe zu verbinden. \nIn dieser Art können wir diese Gedanken der Götter als vom \nVater ausgehend empfinden und meditieren, dann dies Gefühl \ndurchwärmen im Hinblick auf das Opfer des Christus, wodurch \ndas so aufgenommene Geistige in uns wiedergeboren werden \nkann in den Weltgedanken des Heiligen Geistes, die mit Liebe \ndurchdrungen sind. Das liegt in dem dreifachen Rosenkreuzerspruch: \nEx Deo nascimur \nIn Christo morimur \nPer Spiritum Sanctum reviviscimus \nDies in der rechten Art geübt, verleiht uns die Sicherheit und \ndie Selbständigkeit, die wir auch den höheren Hierarchien gegenüber nötig haben. \nIm Geiste lag der Keim meines Leibes ... \nIn meinem Leibe liegt des Geistes Keim ..."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p006","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p006","passage_number":6,"word_count":439,"text":"* \n* * \nAufzeichnung Ε \nDas letzte Mal ist uns eine gewaltige Imagination vor die Seele \ngestellt worden. - Wenn diese richtig wirkt, dann so, daß wir \nuns sagen, wir sollen eine solche okkulte Tatsache mit dem Gefühl, der Empfindung aufnehmen, nicht mit dem Verstand - das \nführt nur zur Spiegelung in die Unendlichkeit und bringt die \nSeele, den Geist in Verwirrung. - Doch nicht nur die Imagination, daß vorne hinten, oben unten, Licht Dunkelheit ist, süß \nbitter, bitter süß und so weiter, sondern den Menschen, der uns \ngegenüber steht, auch so imaginieren, daß die Gesichtsteile, die \nvorspringen, zurückgehen und die Farbe in ihrer Gegenfarbe erscheint; zum Beispiel das Rot grün. So zum Geistigen des Menschen vordringen: Hellgrün - noch an der Leiblichkeit haftend; \nwo das Grün dunkel wird bis ins Blaue, da mehr tangierend \nnach dem Geistigen. So langsam zum Schauen des Ätherleibes \nvordringen. Das, was zwischen Ätherleib und dem vorgestellten \nGegenbild ist: die Schönheit als Häßlichkeit, die Häßlichkeit als \nSchönheit - wie manche Maler das Geistige als Verzerrung dargestellt haben bei Jesus am Kreuz. \nBei dem Esoteriker wird die äußere Hülle sich nicht gleich in \ndie Veränderung finden, die mit dem inneren Menschen vorgeht; \nBeschwerden, diese aber nicht beachten, dagegen kämpfen, dadurch Stärkung der Seele; Platzkrankheit, Schwindel haben ihre \nUrsache darin, daß der Mensch nicht genügend berechtigte Ein-\nsamkeit hat. Einsamkeit ist notwendig für den Esoteriker; gemeinsame Meditation, Gebete, bilden Gruppenseelenhaftigkeit \naus. Die Seele soll in sich stark werden; auf dem Weg der Esoterik auch Einsamkeitsgefühl, Gefühl des Nicht-vorhanden-Seins \n[für andere]. Dies kann entweder Schmerz oder Freude verursachen. Wenn der Mensch in sich das ganze theosophische Wissen \nhat, dann arbeiten in ihm die Gedanken der Götter. Wie der \nviergliedrige Mensch geworden oder die Planetenentwicklung, \ndas hat in den Gedanken der Götter bestanden, ehe der Mensch \nda war. Diese Gedanken [waren] zur Zeit Lemuriens im Menschen lebend mit dem Feuer der Götter, aber immer kälter werdend bis zum Ereignis von Golgatha, dann kam Christus, und \nnun sollen die Gedanken der Götter wieder durch das göttliche \nFeuer beseelt werden. Wie die drei Reiche der Natur vor uns, so \nhinter uns die drei Hierarchien Engel, Erzengel, Archai. Wie ein \nMensch mit einem kranken Innenleben Angst hat, die Blume \nkönnte ihn verschlingen, so gibt es bei der esoterischen Entwicklung den Moment der Angst, man würde von den Hierarchien wie nach hinten hinaufgehoben, wie aufgesogen. Hingegen \nsich bei jedem Schmerz, jeder Freude sagen: der Heilige Geist \nbewirkt alles in dir, dadurch Festigkeit, Selbsterhaltung beim \nAufsteigen in die höheren Welten. Aus dem Reich der Geister \nder Gedanken, der Götter des Vaters, durch das Feuer Christi, \ndes Sohnes, in das Reich des Heiligen Geistes."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p007","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p007","passage_number":7,"word_count":385,"text":"* \n* * \nAufzeichnung F \nÜberwindung innerer Angstzustände \nWorauf es vor allem ankommt in der esoterischen Entwicklung, \ndas ist, daß wir versuchen müssen, alle Schmerzen, Leiden und \nAngstzustände usw. geduldig zu ertragen, indem wir innerlich \nfest stehen. Dies ist eine erste, große Bedingung. Es ist kein gu-\ntes Zeichen für den Esoteriker, wenn er viel klagt und alle möglichen Kuren anwendet für seine Leiden. Wir müssen uns vielmehr klarmachen, daß eine Veränderung unserer Wesensglieder \nbei uns sich vollzieht, die eben derartige Zustände von Angst \nund Schmerzen hervorruft. Auch alle möglichen Nervenangelegenheiten können dadurch beobachtet werden, wie z. Β. Platzangst usw. Dies alles kann uns überfallen. Dagegen ist notwendig, sich zum klaren Bewußtsein zu bringen, daß dies alles Maja \nist, Illusion, und daß diese und ähnliche Erscheinungen in Wirklichkeit eine Stärkung bedeuten für später auftretende, zu überwindende Schwierigkeiten in der inneren Entwicklung. \nBei all diesem soll uns der Gedanke leiten, daß wir Lieblinge \nder Götter sind, je mehr wir zu leiden und zu überwinden haben! Dies gibt uns die richtige Stärkung und Festigkeit, der wir \nauf unserem Wege bedürfen. \nAls eine der ersten seelischen Schwierigkeiten tritt uns vor \nallem die Einsamkeit der Seele entgegen, ein Nichtvorhandensein \nfür andere. Aber gerade die Einsamkeit ist es, die uns die höchsten geistigen Güter bringt. In der Einsamkeit beten, meditieren, \nbringt uns die höchsten und stärksten spirituellen Strömungen \nund festigt unsere Individualität. Dagegen bringt Beten in der \nMesse [Masse?*] (Kirche) stets Gruppenseelenhaftigkeit. \nEinsamkeit wirkt verschieden, je nach dem Grade ihrer Entwicklung auf den einzelnen Menschen, den einen bringt sie in \nVerzweiflung, den andern führt sie zur inneren Freude. Oft \nwird auch der Trieb zur Geselligkeit, um der Einsamkeit zu entrinnen, damit entschuldigt, daß man anderen helfen will. Dennoch wirkt gerade das Zuviel-Reden nicht fördernd auf uns: es \nverursacht Brutalität.* Liebe und Egoismus gehen in dieser Beziehung Hand in Hand, wenn man sich in der Geselligkeit, um \n«andern helfen zu wollen», zu sehr verliert. \nDoch muß man für berechtigte Einsamkeit kämpfen lernen. \nOft wird das heute als Egoismus angesehen. Dennoch muß der \nEsoteriker in gewissen Fallen egoistisch sein, denn sonst würde er \nnie die Stufe erreichen, für die Menschheit als Werkzeug gebraucht werden zu können. Nur der Weg durch die eben charakterisierten Prüfungen führt uns zu den Höhen, wo wir den Geist \nfinden und ihm später als selbstlose Diener dienen können."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p008","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p008","passage_number":8,"word_count":69,"text":"* \n* * \nAufzeichnung G \nAlles, was wir sehen, ist Maja. In Wahrheit, müssen wir uns \nsagen, ist alles gerade das Gegenteil von dem, was wir sehen: \nVorne ist in Wahrheit hinten und \nhinten ist vorne, \nrechts ist links, \nlinks ist rechts, \noben ist unten, \nunten ist oben, \nhoch ist Vertiefung und \nVertiefung ist Erhöhung usw. \nDieses sich immer bei allem Erleben sagen, das ist für den \nEsoteriker notwendig."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p009","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p009","passage_number":9,"word_count":18,"text":"[^*]: Hier sind die Angaben «dunkelgrün» und «hellgrün» verwechselt worden; vgl. die Aufzeichnungen B, C, D und E."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p010","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p010","passage_number":10,"word_count":7,"text":"[^*]: In Aufzeichnung Β heißt es: «Bild»."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p011","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p011","passage_number":11,"word_count":8,"text":"[^*]: In der Aufzeichnung Ε heißt es: «Gruppenseelenhaftigkeit»."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p012","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p012","passage_number":12,"word_count":7,"text":"[^*]: In Aufzeichnung Β heißt es «Bild»."},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p013","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p013","passage_number":13,"word_count":14,"text":"[^*]: Vgl. hierzu die Aufzeichnung C, wo es heißt: «Beten in der Masse ...»"},{"locus":"GA 266b/1911-10-14/p014","url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p014","passage_number":14,"word_count":10,"text":"[^**]: Vermutlich muß es hier heißen: «Banalität»; vgl. Aufzeichnung C."}]}