{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1911-10-14/p003-p004","extent":"range","passage_number":3,"through":4,"paragraph_count":2,"first_locus":"GA 266b/1911-10-14/p003","last_locus":"GA 266b/1911-10-14/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Karlsruhe, 1911-10-14","date":"1911-10-14","location":null,"alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. 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Aber auch die \nFarbe des Gesichts müssen wir uns umgekehrt denken, und zwar \nnicht nur statt der hellen eine dunkle Farbe, sondern die einzelnen \nFarbenflecke, die uns entgegentreten, müssen wir uns in ihren \nKomplementärfarben vorstellen, so zum Beispiel einen roten \nFleck grün usw. Wenn wir uns da recht hineinleben, werden uns \ndie Farben etwas verkünden von den Eigenschaften des betreffenden Menschen. Ein helles Grün - schon als Komplementärfarbe \ngedacht - würde bedeuten, daß der Mensch nicht loskommt von \nallem, was mit seiner Leiblichkeit eng verknüpft ist. Ein dunkles \nGrün deutet ein Streben nach dem Geistigen an, Blau ein besonders starkes Streben nach dem Geistigen. Diese Farben werden \ndann wie durchsichtig für uns. Es sind die Farben des Ätherleibes. \nDas alles wirkt nur, wenn wir es innerlich empfinden. \nDurch diese Art der Betrachtung werden wir dazu kommen, \ndie wahren Eigenschaften der Menschen zu erkennen, viel mehr, \nals es sonst auf irgendeine Art geschehen kann. Unser Verstand \nkann höchstens so weit kommen, zu sagen: die äußere Welt ist \neine Maja; im umgekehrten Bilde sehe ich sie in ihrer wahren \nGestalt. Hier an diesem Punkte muß der Verstand stillestehen, \nsonst gerät er in Wirrnis und verliert den Boden unter seinen \nFüßen. Unsere Gedanken sind Spiegelbilder der Außenwelt. \nDenken wir uns einen Spiegel und einen Gegenstand, der sich \ndarin spiegelt. Stellen wir dem einen einen andern Spiegel gegenüber, so bekommen wir bis in verschwommene Ferne Spiegelbilder der Spiegelbilder. So erginge es uns, wenn wir, statt über die \nokkulten Tatsachen einfach nachzudenken, darüber spintisieren \nwollten und Schlüsse ziehen, um neue Tatsachen zu finden. Das \nmüßte uns zu einer gewissen Wirrnis führen. Wir müssen diese \nDinge vielmehr mit unserem Empfinden erleben. \nSo wie der Mensch darinnensteht zwischen seinem ätherischen Bilde und seinem physischen Majabilde, ergibt sich uns \nerst ein richtiges Bild von dem Menschen. Wenn der Mensch in \nseinem physischen Leibe häßlich erscheint, so würde sich jenes \nMittelbild schön zeigen, und umgekehrt. - Es gab eine gewisse \nStrömung in der Kunst, die das andeutet. Es gibt Christus-Bilder, die die Christus-Gestalt durchaus nicht als schön zeigen. \nEs ist gut, daß die Seele die Möglichkeit hat, die Notwendigkeit der Einsamkeit zu empfinden. Die Seele braucht zeitweise \ndie Einsamkeit, und es ist gut, daß sie allein steht. Wer sich dem \nGebete und der Meditation hingibt, der fühlt die Notwendigkeit \nder Einsamkeit dazu. Das Bedürfnis, mit anderen Menschen zusammen zu sein, entspringt oft aus egoistischen Gefühlen. Wir \nmeinen, wir möchten helfen. Es gibt gewisse Grenzgebiete, wo \nEgoismus und Liebe kaum voneinander zu trennen sind. Wir \nmöchten etwas tun für andere Menschen, und im Grunde tun \nwir es nur, weil es uns Befriedigung verschafft. Ein Magnetiseur \nkann meinen, mit irgendeinem bestimmten Strich den Menschen \nbesonders helfen zu können, und in Wirklichkeit geschieht es \nnur, weil ihm das Streichen ein gewisses Wohlgefühl verursacht. \n- Nun könnte man fälschlich einwenden: ja, das ist aber doch \nEgoismus, wenn ich mich der Einsamkeit hingebe. Das ist nicht \nrichtig gedacht, und wäre nicht im richtigen Sinne selbstlos gedacht. Denn aus der Einsamkeit schöpfe ich Kraft, aus diesem \nEgoismus schöpfe ich mir die Kraft zu den Taten der Liebe. -\nDie Notwendigkeit der Einsamkeit ist ein Segen für die Seele, \nund es kann ein glückbringendes Gefühl für die Seele sein. Aber \nes kann auch ein Gefühl entstehen, das da spricht: ich stehe da, \neinsam und auf mich selbst angewiesen; alle Menschen stehen \nmir fern und sind mir fremd, und keiner kann mich verstehen. \nEin solches Gefühl kann die Seele mit Leid erfüllen, aber sie \nmuß sich darüber hinausheben können. \nEs gehörte schon eine sehr kranke Seele dazu, die, wenn sie \nüber eine Wiese ginge, auf der Herbstzeitlosen blühen, zu sich \nso sprechen würde: «ich fürchte mich vor der Herbstzeitlose; sie \nkönnte mich verschlucken.» Das müßte, wie gesagt, eine sehr \nkrankhaft veranlagte Seele sein, die so sprechen könnte. Und \ndoch könnten dem Esoteriker ähnliche Gefühle aufsteigen, und \nwir müssen durchaus auf derartiges gefaßt sein. Es kann ein \nEsoteriker dazu kommen, zu sagen: «ich fühle mich hingegeben \nden geistigen Welten; sie nehmen Besitz von mir; es ist mir, als \nwenn ich aufgesogen würde von den höheren Wesen.» Und in \nso einer Seele kann ein Groll aufsteigen gegenüber den Göttern. \n- Wie unter uns drei Reiche sind, das Tier-, Pflanzen- und \nMineralreich, so haben wir über uns die drei untersten Reiche \nder höheren Hierarchien, Engel, Erzengel und Urbeginne. Und \ndie Seele kann in einem bestimmten Momente fühlen, als wenn \nihr Engel Besitz von ihr ergreifen würde, und sie lehnt sich auf \ndagegen. \nWenn wir uns den Tatsachen der okkulten Forschung hingeben, die uns durch die Theosophie gebracht werden, was tun \nwir da eigentlich? Was ist es, was wir da in uns aufnehmen? Es \nist nichts anderes als die Gedanken der Gottheit, die von Anfang an waren und nach denen alle Dinge geworden sind, die \nUrbilder alles Entstandenen. Wenn wir nun nichts könnten als \ndie Gedanken der Gottheit mit unserem Verstande aufnehmen, \nso handelte es sich bloß um ein nüchternes Nach-denken. Wir \nwürden die Wahrheiten mit unserem Verstande denken, aber es \nwürde uns kühl lassen. Das wäre dem Gefühl ähnlich, das wir \nhätten, wenn wir auf einem hohen eisigen Berge stünden, zu \ndessen Spitze keine Wärme aus der Welt hinaufdringt. So geschähe es unseren Seelen, könnten wir bloß verstandesgemäß die \nokkulten Tatsachen, die da sind die Gedanken Gottes, aufnehmen. Früher, in der lemurischen Zeit, da nahmen die Menschen \ndiese Dinge auf, gaben sich ganz den Göttern hin dabei, und die \nWärme der geistigen Welt durchdrang sie, und sie fühlten sich \ninnig verbunden mit der geistigen Welt. Im Laufe der Zeiten \nwurde das Verstandeserfassen immer nüchterner und das Empfinden immer kälter und kälter. Und zur Zeit des Mysteriums \nvon Golgatha, da war die Seele schon von einem Eisesschauer \ndurchrieselt. Aber in dem Momente, als der Christus den Christus-Träger verlassen hatte am Kreuze und sich hingegeben der \nWelt, da hat er die Kälte des Geistes durchglüht mit seinem \nheiligen Feuer und dadurch den Geist in den Heiligen Geist \nverwandelt. \nUnd jetzt stehen wir den okkulten Tatsachen wieder anders \ngegenüber. Wir nehmen sie nicht bloß auf mit unserem Verstande, sondern wir beleben sie mit unserem Empfinden. Wir durchsetzen und durchtränken unsere innersten Gefühle mit den okkulten Tatsachen; wir lassen das also Erlebte einfließen in alles, \nwas wir tun. In dem Maße, in dem wir dies tun, haben wir von \ndem Heiligen Geiste in uns. Wir sagen dann, wenn wir körperliches Wohlbefinden fühlen: das danke ich dem göttlichen Geiste \nin mir. Und wenn ein Gedanke wieder auftaucht in meinem Innern, den ich in früheren Zeiten gedacht habe, so sage ich mir: \nnicht ich, sondern der göttliche Geist in mir ist es, der diesen \nGedanken wiederaufleuchten läßt in meinem Innern. Ich fühle \nnicht mehr, daß die geistige Welt einfach von mir Besitz ergreift, \nsondern ich habe mich mit dem göttlichen Geiste verbunden. \nUnd wir werden dann die Wärme des göttlichen Geistes fühlen, \nder uns durchdringt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":1216,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p003"},{"passage_number":4,"locus":"GA 266b/1911-10-14/p004","text":"* \n* * \nAufzeichnung C \nWir haben in der vorigen Stunde eine gewaltige Meditation vor \nunsere Seele gestellt und besprochen, und einige von Euch werden vielleicht versucht haben, sich das, was sich ihnen in der \nSinnenwelt darstellt, als Maja, als Illusion anzusehen. \nWir können diese Meditation auch noch weiter verfolgen, \nindem wir bei den Menschen, die uns gegenüberstehen, die \nGesichts- und Haarfarbe, auch seine Augen, etwaige Röte der \nWangen in den Komplementärfarben zu empfinden versuchen; \nauch das, was als Erhöhung sich darstellt, als Vertiefung sehen \nund umgekehrt. Hat ein Mensch zum Beispiel mehr rote Bakken, so werden sie in Hellgrün empfunden werden müssen, und \nes ist ein Zeichen, daß derselbe noch sehr im (äußeren) Leben \nsteht. Empfinden wir bei leichter Gesichtsröte eine dunkelgrüne \nFärbung und breitet sich darüber ein bläulicher Schimmer, so \nwird der Hellseher an dieser mehr oder weniger intensiven Färbung den Grad der Geistigkeit erkennen können. Es ist dies der \nAnfang, wo der Mensch eine Aura zu sehen beginnt. \nAlle diese Sachen können nur empfunden und gefühlt werden. Das Bindeglied* zwischen dem Äther- und dem physischen \nLeib ist stets das Gegenstück des äußeren, sichtbaren Menschen. \nErscheint der Mensch äußerlich häßlich, so ist das Verbindungsglied schön. - In mancher Kunstrichtung heutzutage (?) können \nwir beobachten, daß oft dieses Geistige, dem Künstler selber \nunbewußt, in den Werken ausgedrückt ist, zum Beispiel die vielen Kreuzigungsbilder mit den unschönen, häßlichen, schmerzverzerrten Zügen. -\nWenn wir Maja und Illusion mit dem Verstande begreifen \nund diese Übungen des Umkehrens durchdenken wollen, so \nwird der Verstand, wenn er gesundes Denken entwickelt hat, \nnur bis zur Tatsache des Umdrehens mitgehen können; im andern Fall würde es nur ein fortwährendes und wieder zurückgeworfenes Spiegeln seiner eigenen Gedanken werden, die dann \nkrankhaft ausarten können. \nBei der esoterischen Entwicklung müssen wir versuchen, fest \nzu stehen. Alle Schmerzen, Leiden, Angstzustände etc. geduldig \nertragen. Es ist kein gutes Zeichen für den Esoteriker, wenn er \nklagt und alle möglichen Kuren macht. Wir müssen uns klarwerden, daß eine Veränderung der Körper vor sich geht, die \neben solche Zustände hervorbringt. Auch alle möglichen Nervengeschichten, wie wir sie bei Neurasthenikern beobachten \nkönnen, Platzfurcht, sich von der Höhe herunterschwingen wollen, können uns überfallen; dann muß man sich zum Bewußtsein \nbringen, daß das alles Maja ist, und vor allem, daß alle derartig \nauftretenden Zustände eine Stärkung bedeuten für später auftretende Schwierigkeiten. \nDer Gedanke soll uns beherrschen, daß wir Lieblinge der \nGötter sind, je mehr wir zu leiden und zu überwinden haben. \nEinsamkeit der Seele, ein Nichtverstandenwerden von andern \ntritt mit als erste seelische Schwierigkeit uns entgegen. Die Einsamkeit bringt uns die höchsten seelischen Güter. In der Einsamkeit beten, meditieren bringt uns die stärksten spirituellen \nStrömungen und stärkt unsere eigene Individualität. \nBeten in der Masse ist nur eine Gruppenseligkeit.* \nEinsamkeit wirkt verschieden nach dem Grade der Entwicklung. Dem einen bringt sie Verzweiflung, dem andern Freude. Oft \nwird der Trieb nach Geselligkeit mit der Ausrede entschuldigt, \ndem andern helfen zu können, helfen zu wollen. Liebe und Egoismus gehen Hand in Hand. Zuviel reden verursacht Banalität. Für \nberechtigte Einsamkeit muß man als Esoteriker sogar kämpfen. \nVor uns haben wir das Mineral-, Pflanzen- und Tierreich. \nHinter uns stehen die niederen Hierarchien: Engel, Erzengel, \nGeister der Persönlichkeit. Oft ist das Gefühl vorhanden, als \nwenn ein Engel in uns hineinstiege und Besitz von uns ergriffe. \nAlles, was wir empfinden an Leid und Freude, ist Geschenk der \nGötter; das ist der Heilige Geist, der in uns wirkt. \nWenn jemand alle Gedanken der Theosophie, die jetzt der \nWelt gegeben worden sind, in sich hätte, so wären dies die Gedanken der Götter; die würden nur das reine Denken in uns \nauslösen und in uns eine kalte Eiseskälte der Weisheit erzeugen. \nWir sollten aber in uns, geradeso wie in einem Ei das erste \nLebensgefühl sich regt, Wärme erzeugen; Liebe, die uns durchströmt und diese Gedanken der Götter beseelt, ist erst möglich \ndurch das Christus-Ereignis. Von der lemurischen Zeit bis zum \nChristus-Ereignis war ein Abfluten; jetzt aber durch Christus \nEin-sich-wieder-Erheben. Jetzt ist es möglich, Weisheit mit \nLiebe zu verbinden. \nDiese Gefühle, Gedanken der Götter als vom Vater ausgehend \nmeditieren, diese Gefühle dann durchwärmen und hinopfern in \nChristus und aufs neue geboren werden. Das Geistige, was in uns \nist, durch den Heiligen Geist, in der richtigen rosenkreuzerischen \nWeise meditiert, gibt uns Sicherheit, die Selbständigkeit, die wir \nauch den höheren Hierarchien gegenüber haben sollen. \nErgänzung: Wir sollen Karma nicht nur theoretisch glauben; \nes ist sehr schwer, es wirklich als Folge zu empfinden bei \nschweren Lebenserfahrungen. Dazu aber verhelfen uns die esoterischen Übungen, zum Beispiel der Gelassenheit. Nicht bloß \nbei Freude oder Leid darüber stehen, sondern auch in jeder Faser unseres Herzens ganz vollkommen hingegeben sein an die \ngroße Gerechtigkeit («Herr, Dein Wille geschehe»). \nBei der Rückschau ist es sehr gut, daß uns Punkte einfallen, \ndie am Tage unserer Beachtung ganz entgangen sind. \nEine gute Imagination ist auch, sich eine Pflanze vorzustellen, \nwie sie grün aussieht, aber in der Tat Maja oder Illusion ist; man \nsoll sie sich so vorstellen, daß die Blätter eine violett-rote Färbung haben, den Stengel blau etc. und auch die Stellung verkehrt \ndenken; dann wird man beim richtigen Fühlen sich selbst fühlen \nals die Pflanze, in sie hineinwachsen und so mitwachsen in die \ngeistigen Höhen. - Dasselbe ist auch angegeben in «Wie erlangt \nman Erkenntnisse der höheren Welten?». \nAlle Imaginationen werden uns in der rechten Weise erscheinen, wenn wir die Welt in uns selbst als Maja vorstellen. Sehr \ngut ist diese Übung bei Tieren zu machen ... \nDen Wesenheiten, die unseren Fortschritt hemmen, die unserem Karma entgegenarbeiten, müssen wir dankbar sein, denn \nwenn wir so unrein bleiben, wie es in unserem Karma liegt, so \nwürden wir in die Abgründe geschleudert werden ...","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":935,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p004"}],"witnesses":[{"lang":"de","edition":"original","is_original":true,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":14,"passage_count":14,"word_count":5007},{"lang":"en","edition":"English","is_original":false,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":64,"passage_count":64,"word_count":5218,"completeness":{"ratio":1.04,"band":"comparable","note":null}}],"aligned_witness":{"status":"not_aligned","lang":"en","note":"No paragraph alignment is recorded for this unit, so the counterpart of this span in the other language is not established. 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