{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1911-10-14/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"* \n* * \nAufzeichnung D \nIn derartigen Bemühungen können wir noch weiter gehen, indem wir Menschen gegenüberstehen und dabei versuchen, auch \ndas Äußere des Menschen als Illusion und Maja anzusehen. So \nversuche man zum Beispiel seine Gesichtsfarbe, seine Haar-, \nAugen- und Wangenfarbe in den Komplementärfarben zu empfinden, ebenso alles, was Erhöhung an ihm ist - Nase etc. - als \nVertiefung und umgekehrt zu sehen. Dabei kommt man in die \nnegative Form, diejenige, die als Hohlraum vom physischen \nLeib ausgespart ist und die das Geistige ausmacht. (Vergleiche \n«Theosophie»: Das Geisterland.) Dies ist auch der Anfang, um \nsich in die Aura des Menschen hineinzuleben. All diese Erlebnisse können nur gefühlt und empfunden werden. Gehen wir \nmit dem Intellekt daran, so kann man diese Art Übungen nur \nbis zur Umdrehung der Tatsachen vollziehen, oder man erlebt \nnur ein fortwährendes zurückgeworfenes Spiegeln der eigenen \nGedanken, ohne in die geistige Wirklichkeit einzudringen. Hat \nein Mensch zum Beispiel sehr rote Backen, so werden diese in \nder Komplementärfarbe als hellgrün empfunden werden müssen, \nein Zeichen, daß er noch stark im vegetabilen Leben steht. Bei \nleichter Gesichtsröte breitet sich für das hellseherische Wahrnehmen ein bläulicher Schimmer über eine etwas dunklere grüne \nTönung. So kann der Hellseher den Grad der Geistigkeit von \ndemjenigen erkennen, der vor ihm steht. \nDas Bindeglied* zwischen dem Äther- und physischen Leib ist \nstets das Gegenstück zu dem äußeren sichtbaren Menschen. Erscheint ein Mensch im Äußeren als schön, so ist dies Verbindungsglied häßlich, und umgekehrt. In manchen Kunstrichtungen \nder Gegenwart können wir beobachten, wie dies, wenn auch unbewußt, oft ausgedrückt wird, so zum Beispiel in manchen Kreuzigungsbildern mit den unschönen, schmerzverzerrten Zügen. \nWill man nun versuchen, sich selbst mit seinem Bewußtsein \nin rechter Art in die Sinneswelt hineinzustellen, ohne dieser rein \näußerlich als einer Maja ausgeliefert zu sein und an ihr zu haften, so muß man sich folgendes klarmachen. Vor uns stehen die \nReiche der Mineralien, Pflanzen und Tiere. Hinter uns stehen \ndie Reiche der an den Menschen angrenzenden Hierarchien, der \nEngel, Erzengel und Geister der Persönlichkeit. Man kann nun \noft das Gefühl haben, besonders wenn man die oben beschriebenen Übungen macht, als würde man von den hinter uns stehenden Hierarchien wie aufgesogen werden; auch wird oftmals das \nGefühl auftreten, als ob ein Engel in uns hineintrete. \nUm diesem Gefühl des Aufgesogenwerdens recht zu begegnen, müssen wir alles, was wir an Freude und Leid erleben, als \nein Geschenk der Götter ansehen lernen, als vom Vatergeist an \nuns herangebracht und in uns bewirkt. Dadurch entwickeln wir \njene innere Gelassenheit, die wir den höheren Hierarchien gegenüber als innere Festigkeit brauchen. Man kann nun sagen: \nWenn jemand alle diejenigen Gedanken, die heute in der Theosophie gegeben werden, in sich aufnehmen würde, so wären dies \ndie Gedanken der höheren Hierarchien, der Götter; jedoch würde dies Denken in uns eine Eiseskälte erzeugen. Darum müssen \nwir diese Göttergedanken mit der Wärme verbinden, die Liebe \nin uns erweckt. Auch wenn dies erst nur schwach möglich ist, \nso ist es doch damit wie mit dem ersten Lebensgefühle in einem \nPflanzenkeim. Erst durch das Christus-Ereignis ist es uns möglich geworden, Weisheit mit Liebe zu verbinden. \nIn dieser Art können wir diese Gedanken der Götter als vom \nVater ausgehend empfinden und meditieren, dann dies Gefühl \ndurchwärmen im Hinblick auf das Opfer des Christus, wodurch \ndas so aufgenommene Geistige in uns wiedergeboren werden \nkann in den Weltgedanken des Heiligen Geistes, die mit Liebe \ndurchdrungen sind. Das liegt in dem dreifachen Rosenkreuzerspruch: \nEx Deo nascimur \nIn Christo morimur \nPer Spiritum Sanctum reviviscimus \nDies in der rechten Art geübt, verleiht uns die Sicherheit und \ndie Selbständigkeit, die wir auch den höheren Hierarchien gegenüber nötig haben. \nIm Geiste lag der Keim meines Leibes ... \nIn meinem Leibe liegt des Geistes Keim ...","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Karlsruhe, 1911-10-14","site_heading":null,"date":"1911-10-14","location":null,"word_count":613,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1911-10-14/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266b/1911-10-14/p005"}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern","evidence_translation":"Participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}