Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Karlsruhe, 1911-10-14

GA 266b/1911-10-14/p007 ·1911-10-14 · original (original)
Record: listeners' notes. Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word. Evidence: «Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern» (Participants' records written from memory). Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one.

* Aufzeichnung F Überwindung innerer Angstzustände Worauf es vor allem ankommt in der esoterischen Entwicklung, das ist, daß wir versuchen müssen, alle Schmerzen, Leiden und Angstzustände usw. geduldig zu ertragen, indem wir innerlich fest stehen. Dies ist eine erste, große Bedingung. Es ist kein gu- tes Zeichen für den Esoteriker, wenn er viel klagt und alle möglichen Kuren anwendet für seine Leiden. Wir müssen uns vielmehr klarmachen, daß eine Veränderung unserer Wesensglieder bei uns sich vollzieht, die eben derartige Zustände von Angst und Schmerzen hervorruft. Auch alle möglichen Nervenangelegenheiten können dadurch beobachtet werden, wie z. Β. Platzangst usw. Dies alles kann uns überfallen. Dagegen ist notwendig, sich zum klaren Bewußtsein zu bringen, daß dies alles Maja ist, Illusion, und daß diese und ähnliche Erscheinungen in Wirklichkeit eine Stärkung bedeuten für später auftretende, zu überwindende Schwierigkeiten in der inneren Entwicklung. Bei all diesem soll uns der Gedanke leiten, daß wir Lieblinge der Götter sind, je mehr wir zu leiden und zu überwinden haben! Dies gibt uns die richtige Stärkung und Festigkeit, der wir auf unserem Wege bedürfen. Als eine der ersten seelischen Schwierigkeiten tritt uns vor allem die Einsamkeit der Seele entgegen, ein Nichtvorhandensein für andere. Aber gerade die Einsamkeit ist es, die uns die höchsten geistigen Güter bringt. In der Einsamkeit beten, meditieren, bringt uns die höchsten und stärksten spirituellen Strömungen und festigt unsere Individualität. Dagegen bringt Beten in der Messe [Masse?*] (Kirche) stets Gruppenseelenhaftigkeit. Einsamkeit wirkt verschieden, je nach dem Grade ihrer Entwicklung auf den einzelnen Menschen, den einen bringt sie in Verzweiflung, den andern führt sie zur inneren Freude. Oft wird auch der Trieb zur Geselligkeit, um der Einsamkeit zu entrinnen, damit entschuldigt, daß man anderen helfen will. Dennoch wirkt gerade das Zuviel-Reden nicht fördernd auf uns: es verursacht Brutalität.* Liebe und Egoismus gehen in dieser Beziehung Hand in Hand, wenn man sich in der Geselligkeit, um «andern helfen zu wollen», zu sehr verliert. Doch muß man für berechtigte Einsamkeit kämpfen lernen. Oft wird das heute als Egoismus angesehen. Dennoch muß der Esoteriker in gewissen Fallen egoistisch sein, denn sonst würde er nie die Stufe erreichen, für die Menschheit als Werkzeug gebraucht werden zu können. Nur der Weg durch die eben charakterisierten Prüfungen führt uns zu den Höhen, wo wir den Geist finden und ihm später als selbstlose Diener dienen können.

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