{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1912-01-10/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Kritik üben und ausdrücken setzt eine ganz bestimmte Eigenschaft voraus in der Seele, nämlich die, in seiner Egoität etwas \ngelten zu wollen, etwas vor dem anderen voraus zu haben. \n. Vermag man viel von solchen Seelenerlebnissen anzuhäufen, \nohne sie auszusprechen, so wird man an einen ganz bestimmten \nPunkt seiner Entwickelung kommen, den jeder Esoteriker kennt \nund der in allen mystischen Schriften als «bis an die Pforte des \nTodes gekommen» bezeichnet wird. \nHingabe, wie wird sie geübt? Man kann lechzen nach Einsamkeit und doch jeden Augenblick bereit sein, dem anderen in \nLiebe sich hinzugeben, um des anderen Menschen willen und \nseiner liebenswerten Eigenschaften. \nGewöhnlich geschieht es, daß ein Mensch den anderen aufsucht aus Egoismus. Er hat etwas von ihm. Der andere, den er \naufsucht, hat Eigenschaften, die ihm gefallen. Er sucht seine \nNähe also nicht um des anderen willen, sondern um seiner selbst \nwillen. \nDie Hingabe an die inneren Erlebnisse muß so stark sein, daß \nman sich selbst ganz vergißt, sich hingibt an das, was aufsteigt \naus der Seele, so daß man objektiv die Kraft ansehen kann. \nZuerst tritt beim Esoteriker das auf, daß die Egoität stärker \nwird. Absonderung, Verfremdung von den anderen Menschen \nstrebt der Mensch an. - Wenn der Mensch die Sehnsucht nach \nMenschen in sich aufsteigen fühlt, so muß er sich sagen: durch \ndie Sehnsucht sind nutzlos Kräfte nach außen verspritzt, die der \nMensch sehr gut nach innen brauchen kann. \nEbenso ist es bei Mitteilsamkeit, nutzlos sind Kräfte verbraucht. Die Dinge, die uns im Innersten interessieren, die uns \nsubjektiv interessieren, über die sollen wir schweigen; die Kraft, \ndie da sonst verbraucht wird, nach innen gewendet, gibt eine \nstarke Kraft für den Esoteriker. \nEinerseits müssen wir stark machen unsere Egoität, andererseits uns selbst vergessen. \nDie Meditation soll der Esoteriker lediglich durch seinen \nWillen in den Mittelpunkt des Bewußtseins rücken, nicht durch \nErinnerung etc.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — München, 1912-01-10","site_heading":null,"date":"1912-01-10","location":null,"word_count":304,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1912-01-10/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1912-01-10/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266b/1912-01-10/p008"}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern","evidence_translation":"Participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}