{"corpus":"steiner","locus":"GA 266b/1912-02-22/p002","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Stuttgart, 22. Februar 1912 \nAufzeichnung Α \nBei dem, was wir vorgestern besprochen haben, ist vor allen \nDingen so notwendig und wichtig, daß der Esoteriker diese \nDinge erfühlen lernt, sie nicht nur verstandesmäßig erfaßt. Bevor \nwir aber weiter darüber sprechen, wollen wir noch einiges erwähnen, was für den Esoteriker wichtig und von Wert ist. \nWenn man in eine esoterische Strömung kommt, ist es ganz \nnatürlich, daß man sich fragt: Wie bringe ich meine Seele vorwärts, wie entwickle ich sie nach aufwärts? Da ist es von der \ngrößten Wichtigkeit, daß wir fest auf einem esoterischen Mittelpunkte stehen, von dem aus wir in das Leben blicken, es uns \nvon da aus bestrahlen lassen. Wir sollen uns öffnen gegenüber \nden zeitgemäßen Strömungen aus der spirituellen Welt heraus. \nEs hat absolut keinen Wert, mit anderen Richtungen zu liebäugeln, weil sie uns theosophisch erscheinen, uns oberflächlich mit \nihnen zu beschäftigen. Das hindert direkt unsere Fortschritte. \nViel besser wäre es, sich einer mehr oder weniger falschen Richtung anzuschließen, wenn wir meinen, daß sie uns mehr gibt; \ndenn wir werden dann auch das uns Entsprechende von ihr \nhaben. Der wahre Esoteriker muß von seinem festen, unverrückbaren Standpunkte mit wachen Augen dem Leben entgegensehen; denn dieses wird immer komplizierter werden. Diese \nKomplikationen werden durch luziferische Wesenheiten herbeigeführt, die beim Mysterium von Golgatha in der Entwicklung \nzurückgeblieben sind, d. h. sie haben die Folgen dieses Mysteriums nicht in sich aufgenommen. Was in den geistigen Welten \njetzt geschieht, wirkt für den, der hineinschauen kann, vielfach \nerschütternd. \nDas, was Luzifer uns brachte, daß wir in unseren physischen \nund Ätherleib einzogen und nicht darüber schweben blieben, \nwar ja eigentlich gut für uns; denn unser Ich hat dadurch Erkenntniskraft und Gedächtnis errungen. Das Gedächtnis ist ja \netwas, was allerdings auch etwas Zurückhaltendes ist. Wir würden ohne es aber in der Art, wie wir in unseren Körpern stekken, nicht auskommen können, würden vor allen Dingen Wirklichkeit und Illusion nicht unterscheiden. Nehmen wir an, wir \nwürden an einen Menschen, den wir vor zwanzig Jahren gekannt hätten, denken und diesem Erinnerungsbilde gegenübertreten und es begrüßen, so müßten wir das eine Halluzination \nnennen. Dieser Art Halluzinationen würden wir uns aber hingeben, wenn wir etwas Zurückgebliebenes für etwas Zeitgemäßes \nhalten würden, und das ist etwas, was in den nächsten Zeiten \nvielfach der Fall sein wird. Die luziferischen Wesenheiten, die \nbeim Mysterium von Golgatha zurückblieben, haben sich sozusagen eine Vorhut geschaffen in gewissen Seelen, deren sie sich \nnach deren letztem Tode bemächtigt haben. Das sind Seelen, die \nzur Zeit von Tauler und Meister Eckhart gelebt haben im 13. \nJahrhundert, und die der Gemeinschaft der Begarden angehörten. Die suchen nun die Gemüter zu verwirren in den nächsten \nZeiten, und als Mittel benützen sie dabei die alten Religionen \ndes Brahmanismus und Buddhismus. Die waren für ihre Zeit, als \nsie den alten Indern gegeben wurden, das Richtige, und besonders der Brahmanismus war eine viel spirituellere Religion, als \ndas Christentum bis heute noch ist. Daß aber dieses nicht schon \nvorgeschrittener ist, daran ist schuld, daß die Europäer sich seit \ndem Mittelalter die Gelegenheit entgehen ließen, das ihnen Zukommende richtig zu entwickeln. Vor allen Dingen wird aber \nwie eine Flutwelle von China aus eine hohe geistige Kultur herüberdringen, die den Europäern sehr imponieren wird, weil sie \neben durch ihr hohes Alter, das bis in die Atlantis zurückreicht, \ndem jetzigen Christentum weit überlegen ist. Was jetzt in China \ngeschehen ist, ist vielleicht äußerlich politisch von Bedeutung, \naber als Ausdruck einer viel weittragenderen geistigen Bedeutung muß der Esoteriker ein Buch ansehen von einem hervorragenden Chinesen: Ku Hung Ming, «Chinas Verteidigung gegen \neuropäische Ideen», das auch ins Deutsche übersetzt ist. Ku","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Stuttgart, 1912-02-22","site_heading":null,"date":"1912-02-22","location":null,"word_count":593,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1912-02-22/p002","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266b/1912-02-22/p002"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266b/1912-02-22/p002"}],"record":{"record_type":"listeners_notes","scope":"volume","note":"Written from listeners' notes, summaries, or memory rather than a shorthand transcript. The wording is the note-taker's as much as Steiner's: weigh a single striking phrase here far more cautiously than the same phrase in a stenographic volume, and do not rest an argument on one word.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern","evidence_translation":"Participants' records written from memory","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}