Esoterische Stunde
Die Liebe für die Schönheit der Natur. Im Kleinen genießen. Dann wird man nicht, wie der materialistische Mensch von heute, der nur nach Sensation verlangt, die Natur nur empfinden am majestätischen Meer oder in den majestätischen Bergen, sondern in dem, was überall zu finden ist. Nicht soll der Mensch, dem die höheren Welten aufgehen, sich verschließen für die Außenwelt. Er soll die Natur nicht kritisieren ohne Sympathie, sondern sie kennen lernen, zu verstehen suchen. Dann kann jedes Tierchen ihn etwas lehren. Nicht soll einer etwa sagen: «Es ist nur Maja». Dem müßte man antworten: «Ja, es ist nur Maja, aber Göttermaja — und sie ist schön.» Warum kann der Mensch sich heute freuen an einem Baum? Weil die Götter sich einst gefreut haben an dem, was in ihrer Umgebung war. Schlimm wäre es für die Zukunft, wenn der Mensch teilnahmslos durch die Welt schritte, eine freudenlose Welt würde er da hinterlassen. Nicht nur für ihn selbst, sondern auch für die anderen wird in der Zukunft etwas hervorgehen aus jeder Freude, die man an Kleinem gehabt hat. Hier gilt: alles Verborgene wird offenbar werden.
Cite:
GA 266b/1912-06-11/p005 · edition original