{"corpus":"steiner","locus":"GA 266c/1913-04-11/p002-p003","extent":"range","passage_number":2,"through":3,"paragraph_count":2,"first_locus":"GA 266c/1913-04-11/p002","last_locus":"GA 266c/1913-04-11/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1913-04-11","date":"1913-04-11","location":null,"alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). 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April 1913 \nAufzeichnung Α \nImmer wieder kommt es vor, daß angehende Esoteriker darüber \nklagen, daß sie bei ihren Übungen gestört werden durch allerlei \neindringende Gedanken. Das sollte uns aber nicht wundern, \ndenn die Gedanken sind das einzig Geistige des physischen \nPlanes; wenn wir uns also zu einer geistigen Tätigkeit, wie die \nMeditation eine ist, bequemen, machen diese sich geltend. Man \nsollte auch nicht so sehr gegen diese Gedanken kämpfen wollen, \ndas hat ganz und gar keinen Sinn; sie mögen tun, was sie wollen, \ndie Gedanken. Das einzige, was man zu tun hat, ist Fortsetzen, \nAusharren, seinen Willen in Tätigkeit versetzen, um immer wieder zu dem Inhalt der Meditation zurückzukehren. Auf diesen \nWillen kommt es viel mehr an als auf das Wie der Meditation. \nWenn man immer wieder zum Inhalt der Meditation zurückkehrt, drängt man die Gedanken zurück und schafft dadurch \ngleichsam eine Sphäre um sich herum, innerhalb derer sie - die \nstörenden Gedanken - nicht sind, und gerade diese Sphäre ist \ndas Geeignetste, um übersinnliche Erlebnisse haben zu können. \nEine andere Erfahrung des Esoterikers ist diese, daß er anfängt gewisse Eigenschaften an sich zu bemerken, die er früher \nnicht an sich kannte. Dann handelt es sich wiederum nicht darum, diese Eigenschaften zu bekämpfen - es wären auch keine \nbesonderen Mittel dagegen anzuwenden -, sondern das einzige, \nwas man zu tun hat, ist, die angegebenen Übungen mit Kraft \nfortzusetzen. Diese doch sind es, welche jene Eigenschaften so \nweit aus uns herausgetrieben haben, daß sie für uns bemerkbar \ngeworden sind, und bei fortgesetzten Übungen werden sie von \nselber verschwinden. \nNun wird man durch seine fortgesetzten Übungen vielleicht \nso weit gekommen sein, daß man dieses oder jenes übersinnliche \nErlebnis hat, zum Beispiel Imaginationen schaut. Dann fragen \ndie Anfänger immer wieder, ob das etwas Eingebildetes sei, was \nsie da geschaut haben, oder ob es eine Wirklichkeit auf geistigem Gebiet war. Diese Frage kann man dann stellen, wenn man \nurteilt nach der Art und Weise des physischen Planes - was ja \nim Anfang des esoterischen Weges auch kaum anders sein kann. \nDiese Frage hat nämlich nur einen Sinn auf dem physischen \nPlan; in der geistigen Welt ist das ganz und gar nicht dasselbe, \nworauf es ankommt. \nNehmen wir zum Beispiel an, jemand - es braucht gar nicht \nein Meditant zu sein - habe seinen Doppelgänger gesehen. Es \nkann zum Beispiel so sein, daß er vorhatte, abends in eine Gesellschaft zu gehen, wo man beabsichtigte, ihn zu vergiften. Nun \ntritt er in ein halb abgedunkeltes Zimmer und sieht dort sich \nselbst. Unter dem Eindruck dieses Erlebnisses geht er nicht in \ndie Gesellschaft, wird daher auch nicht vergiftet. Nun ist dabei \ndie Gestalt, in die sich das Erlebnis kleidete, gar nicht dasjenige, \nworauf es ankommt. Das Bedeutsamste ist, daß das geistige Wesen, das den Menschen von Inkarnation zu Inkarnation begleitet, \neinen Eindruck auf ihn hat machen wollen. Es gibt ja ein solches \nWesen, das zu der Hierarchie der Angeloi gehört und das in den \nReligionsbekenntnissen der Schutzengel des Menschen genannt \nwird. Dieses Wesen kann nicht, um den Menschen zu beeindrucken, seine Gedanken so beeinflussen, daß der Mensch gedankenmäßig gewußt haben würde: du sollst heute Abend nicht \nin jene Gesellschaft gehen. - Das kann deshalb nicht sein, weil \nunsere Gedanken, alle Gedanken außer denjenigen, die durch \nGeisteswissenschaft erzeugt werden, zum physischen Plan gehören und weil sie deshalb nicht vom Übersinnlichen aus beeinflußt werden können. \nNach dem Tode und schon während des Schlafes müssen wir \nunsere Gedanken ablegen, mit Ausnahme der genannten geisteswissenschaftlichen. Aber unsere Gefühle und Willensimpulse \nreichen schon aus sich heraus in das Übersinnliche hinein, und \nauf diese kann daher ein Eindruck gemacht werden. Das geschieht zum Beispiel in dem Sehen des Doppelgängers. Es kann \naber auch sein, daß jemand seinen Doppelgänger sieht, nicht \nweil das Engelwesen ihn ihm zeigt, sondern weil, sei es auch nur \nfür Augenblicke, sein Ätherleib frei geworden ist und er nun \ndeshalb seinen physischen Leib vor sich sieht. Und auch das ist \nmöglich, daß man seinen Doppelgänger sieht, einfach weil man \nsich den Magen verdorben hat und dadurch der Ätherleib - vielleicht nur in jenen Partien, die den Magen versorgen - für einen \nAugenblick frei geworden ist. Das muß also alles sorgfältig voneinander unterschieden werden. \nUnd es kann auch so sein, daß dieselbe Impression, die gemacht werden muß - wie im Vergiftungsfalle -, in verschiedener \nWeise gemacht wird. Der eine kann seinen Doppelgänger sehen, \nder andere kann in ein Zimmer treten, während in demselben \nAugenblick mit großem und physisch unerklärlichem Geräusch \nein Gemälde von der Wand fällt. Das entspricht ungefähr dem, \nob man das eine Mal eine Mitteilung in deutschen, das andere \nMal in lateinischen Buchstaben schreiben würde. \nEs hat daher keinen Sinn, zu fragen: ist dasjenige, was ich \ngeschaut habe, real oder nicht? Und der esoterische Lehrer wird \nniemals Aufklärung geben über eine Imagination, die man nur \neinmal gehabt hat, sondern nur, wenn diese öfter zurückkehrt \noder aus anderen Gründen wichtig ist. Es ist so, wie wenn jemand auf die Tafel schreiben würde BIN, und einer sagen würde: Ich sehe einen geraden Strich, dann zwei Bögelchen, wieder \neinen geraden Strich, dann drei verbundene Striche. Ein anderer \naber, der lesen gelernt hat, sagt sofort: Da steht «bin». Es gibt \naber kein eindeutiges Lesen von Imaginationen, sondern das \nmuß man sich erst aneignen, wie sie zu lesen sind. \nOder es kann sein, daß einer ganz im Anfang seiner esoterischen Wege solche Art Figuren in der Luft sieht (Abbildung \nsiehe S. 103). \nDann wird er vielleicht zu einem Augenarzt gehen, und der \nwird ihm sagen, daß das eine Krankheit der Augen sei. Von seinem Standpunkt aus hat der Arzt ja recht; für ihn ist der ganze \nGlaube an Theosophie eine Krankheit. Aber es rührt nur davon \nher, daß der Ätherleib anfängt, neue Bewegungen zu machen, \ndiese auf den physischen Leib zeitweilig überträgt; dadurch \nschaut er diese Dinge. \nManche Esoteriker können nun sagen: Dann wird also doch \nmein physischer Leib durch die Übungen geschädigt, wenn der \nÄtherleib so auf ihn einwirkt - und dann überkommt sie eine \nfurchtbare Angst vor jedem kleinen Schmerz und Übel. Es ist \naber gar keine Gefahr bei diesen Dingen; nach einiger Zeit wird \nder Ätherleib von selber diese Folgen wegnehmen. Es besteht \nauch dafür nur ein Mittel: ruhig ausharren! \nBisweilen kommt einer und sagt: Ich habe so schrecklichen \nKopfschmerz über der Nasenwurzel, was soll ich dagegen tun? \n- Das Beste wäre, gar nichts dagegen zu tun, sondern ruhig mit \nden Meditationen fortzufahren. Dann werden die Schmerzen \nzuerst schlimmer werden, und man wird ein Gefühl bekommen, \nals ob der Kopf sich spalten würde, aber erstens wird er sich \ndoch nicht spalten, und zweitens wird es möglich sein, daß man \ngerade durch diesen Schmerz die Wand durchbricht, die uns \nvom Übersinnlichen trennt. Nur durch Schmerz und Leiden \nkönnen wir uns weiterentwickeln. \nOft auch sind die Krankheiten, die da auftreten, die karmische Folge von gewissen Entwicklungszuständen, die man schon \nin einem vorigen Leben durchgemacht hat und welche die Seele \nin diesem Leben nicht anders von sich weisen kann als durch \nKrankheit und Leiden. Oft wird man gewahr werden, wenn \nsolch eine Krankheit vorüber ist, daß man weitergekommen ist \nin seiner Entwicklung. Als Karma soll man alles empfinden, was \nda kommt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":1189,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1913-04-11/p002"},{"passage_number":3,"locus":"GA 266c/1913-04-11/p003","text":"* \n* * \nAufzeichnung Β \n(Nekrolog für Herrn Bittmann.) \nEs ergibt sich wieder und wieder, daß ein angehender Esoteriker \nmit den erdrückenden Erfahrungen seiner Meditation zu mir \nkommt. Besonders wird geklagt über das eine, das schon öfter \nerwähnt wurde, daß in dem Augenblick, wo die Meditation \nbeginnt, die Gedanken wie Bienenschwärme den Meditanten \numschwirren. Erinnerungen stellen sich ein, meistens trauriger \nNatur, die oft viele Zeitläufe zurückliegen. \nNun muß man sich darüber klar sein, daß jeder Esoteriker \nunter allen Umständen Fortschritte macht. Auch wenn die Gedanken ihn umschwirren und von der Meditation ablenken, so \nist das ein Zeichen des Fortschrittes. Denn er muß sich klar sein, \ndaß, wenn er seine Übungen macht, er immer mehr Kräfte im \nGeistigen bekommt. Nun sind aber Gedanken und Erinnerungen das einzig Geistige auf der Erde; wenn sie sich an den \nMenschen herandrängen, so ist das ein gutes Zeichen. \nNicht das Was ist die Hauptsache bei der Meditation, sondern das Wie. Darum soll man aushalten und immer wieder seinen Willen in Tätigkeit bringen. Der treue Wille ist die Hauptsache; und wenn auch die Meditation durchaus nicht gehen will, \nso wird der Wille gestärkt. Gerade in solchem Räume, aus dem \ndie umherschwirrenden Gedanken erst weggetrieben sind, ergibt \nsich die beste Möglichkeit, zu einer Erscheinung aus der geistigen Welt zu kommen. \nOder andere kommen und sagen: Das und das haben wir erlebt - ist das eine Wahrheit oder eine Täuschung? Darauf ist \nschwer zu antworten. Natürlich ist es Wahrheit, Realität; aber \nman muß sich wohl hüten, dem zu große Bedeutung beizumessen. Diese Fragen haben überhaupt nur einen Sinn auf dem \nphysischen Plan; in der geistigen Welt haben sie keinerlei \nBedeutung. \nAndere klagen über heftigen Schmerz an der Nasenwurzel \nzwischen beiden Augen und fragen, was sie tun können. Ja, man \nmuß das eben ertragen; sie sollen nur immer weiter meditieren. \nDadurch wird der Schmerz verschlimmert werden; es ist, als \nwürde einem der Kopf gespalten, aber erstens spaltet sich der \nKopf nicht, und zweitens kann man dadurch die Wand durchbrechen, die uns vom Übersinnlichen trennt. \nNur durch Schmerz und Leid kann man sich weiterentwickeln. Oft sind die Krankheiten, die auftreten, die karmische Folge von Entwicklungszuständen, die man im früheren Leben \ndurchgemacht hat, und die die Seele nicht anders von sich \nweisen kann als durch Krankheiten und Leiden. Oft wird man \ngewahr, wenn solche Krankheit vorbei ist, daß man weitergekommen ist in seiner Entwicklung. Als Karma soll man alles \nauffassen, was kommt. \nAuch wenn besondere Eigenschaften auftreten, wie Egoismus, \nEitelkeit etc., so soll man sie nicht bekämpfen, sondern ruhig \nweitermeditieren; man soll kein Mittel anwenden, sondern die \nÜbungen mit Kraft weiterführen, denn sie werden solche Eigenschaften schon aus uns heraustreiben. \nEtwas, das einem angehenden Esoteriker häufig passiert, ist, \ndaß er seinen Doppelgänger sieht. Zum Beispiel so: er tritt in ein \nanderes Zimmer - und da steht er mit einem Male sich selbst \ngegenüber. Nehmen wir weiter an, daß er gerade an jenem \nAbend in eine Gesellschaft gehen wollte, in der er vergiftet werden sollte - karmisch kann das sehr wohl bedingt sein -, nun \nhat er diese Erscheinung des Doppelgängers, die ihn in den \nweitaus meisten Fällen doch wohl abhalten wird, in die Gesellschaft zu gehen. \nWie ist das zugegangen? Ja, sehen Sie, jeder Mensch hat einen \nAngelos, der sein Leben von einer Inkarnation zur andern führt \n- in der Religion nennt man ihn Schutzengel -, der wollte ihn \ndavor bewahren, ihn warnen. Wie sollte er das machen? Zu ihm \nsprechen, das konnte er nicht; besonders, wenn er noch nicht \nEsoteriker ist, da das Denken ja etwas rein Irdisches ist. Nur das \nspirituelle Denken ist übersinnlich, das physische Denken ist \nrein irdischer Natur. Fühlen und Wollen dagegen stehen in Zusammenhang mit den geistigen Welten; darauf sucht der Angelos \neinen Eindruck zu machen und schickt ihm eine Imagination. \nNoch auf andere Weise kann der Doppelgänger karmisch bedingt sein. Zum Beispiel kann durch einen plötzlichen Schreck \nder Ätherleib gelöst werden - und der Mensch findet sich gegenüber seinem physischen Leibe. Oder auch ein ganz trivialer \nGrund kann vorliegen: jemand hat sich den Magen verdorben; \nder Ätherleib tritt gerade an dieser Stelle heraus und der Mensch \nsieht sich selbst. \nDie Form, in die sich das Ereignis kleidet, ist nicht die \nHauptsache. Es kann ebensogut sein, daß jemand in ein anderes \nZimmer tritt, in dem gerade mit donnerähnlichem Getöse ein \nBild von der Wand stürzt. Es ist dasselbe, als ob man eine Mitteilung einmal auf deutsch, das andere Mal auf lateinisch \nschreibt. \nEine Imagination hat nur Wert, wenn sie öfters auftritt; der \neine wird sie verstehen, der andere nicht. Es ist geradeso, als ob \njemand allerlei Striche und Bogen an die Tafel schreibt: BIN. \nFür den einen sind es nur Striche, der andere liest daraus: bin. \nEs gibt aber kein eindeutiges Lesen von Imaginationen. \nOder jemand sieht so kleine Kreise; er weiß nicht, was er \ndaraus machen soll. \nDer physische Arzt ist der Meinung, das sei eine Augenkrankheit; für ihn ist ja schon der Glaube an die Theosophie \neine Krankheit. In Wirklichkeit ist es nur ein Beweis, daß der \nÄtherleib angefangen hat, beweglich zu werden und dies überträgt auf den physischen Leib. Dadurch sieht er diese Dinge. \nViele denken, der physische Leib leide doch bei der Entwicklung Schaden, sie fürchten sich davor. Es ist aber keine Gefahr \nvorhanden; nach einiger Zeit räumt der Ätherleib von selbst die \nFolgen weg.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"word_count":884,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1913-04-11/p003"}],"witnesses":[{"lang":"de","edition":"original","is_original":true,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":5,"passage_count":5,"word_count":2852},{"lang":"en","edition":"English","is_original":false,"is_default_edition":true,"first_passage":1,"last_passage":42,"passage_count":42,"word_count":2887,"completeness":{"ratio":1.01,"band":"comparable","note":null}}],"aligned_witness":{"status":"not_aligned","lang":"en","note":"No paragraph alignment is recorded for this unit, so the counterpart of this span in the other language is not established. The paragraph of the same number there is not necessarily the same text: fetch that unit and read it."}}