Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Leipzig, 1913-12-30
eigene Schuld! In der «Geheimwissenschaft» sind schon die Gefühle verzeichnet, womit man sich durchdringen soll, damit das Rosenkreuz nicht bloß ein Symbol bleibe. Das heute Gesagte können wir so in ein Gefühl verwandeln: Aus Gott sind wir geboren [Ex Deo nascimur\ - aber da Luzifer sich mit der Schöpfung vermischt hat, muß das Holz des Kreuzes verbrennen, verkohlen, schwarz werden: In Christo morimur. Sind wir solcher Art in den Christus gestorben, dann können zu uns von außen hereinkommen die sieben Weltenkräfte, die Kräfte der sieben roten Rosen, die als Licht und Wärme in uns hineinstrahlen können: Per Spiritum Sanctum reviviscimus. Aufzeichnung C Eine mittelalterliche Auffassung von der Seele besagte, daß alles Denken, Fühlen und Wollen intentional, inhaltlich sei. Wenn das wahr wäre, könnte es keine Esoterik geben, denn das Ziel der Esoterik ist ja gerade, das Seelenleben loszulösen vom Inhalt, der aus der physischen Welt stammt. Wenn wir wirklich gut meditieren, muß aller Inhalt aus unserem Seelenleben verschwinden; dann erst werden wir reif, um von der anderen Seite, aus der geistigen Welt, etwas in uns einströmen zu fühlen. Wir können das an einem Beispiel klar machen. Wenn wir schlafen, tun wir eigentlich etwas Ähnliches wie bei der richtigen Meditation, wir ziehen uns nämlich mit Ich und Astralleib aus dem Körper. Dadurch kann es geschehen, daß wir - wenn wir nicht aufpassen, daß das Zimmer gut erwärmt ist - uns abgekühlt fühlen beim Erwachen, da Ich und Astralleib nicht wie sonst in unserem Blut- und Nervensystem wirken und uns erwärmen. Wenn wir schlafen, ziehen sie sich nicht ganz zurück, sondern arbeiten in den Sinnesorganen und im Drüsensystem. Sie arbeiten an den Kräften der Augen und anderen Sinnesorganen viel mehr als tagsüber, wenn wir die Augen gebrauchen, und vor allem arbeiten sie im Drüsensystem. Dadurch, daß mehr in den Drüsen- und Sinnesorganen gearbeitet wird, offenbaren sich die ersten Visionen oft leiblich: Engel, der einen Teufel besiegt, Kräfte, die im Auge wirken. Wenn wir nun vorwärtskommen in der Esoterik, können wir um uns her die Aura von Wärme fühlen, die unser Ich und Astralleib aus dem uns umringenden Wärmeäther an sich ziehen. Wir fühlen dieses für gewöhnlich nicht, weil Gedanken, Erinnerungen, Sorgen etc. auftreten, die uns in unserer Meditation stören wollen; aber wenn wir diese besiegen, fühlen wir um uns herum die Aura unserer Wärme. Wir können dann tief die Wahrheit der Worte empfinden: «Und das Licht scheint m die Finsternis, und die Finsternisse haben es nicht verstanden.» Denn was wir aus uns ausstrahlen, ist Finsternis, die das göttliche Licht davon abhält, auf uns einzustrahlen. Das ist unser luziferisches Seelenleben, was als Finsternis (Wärme) nach außen dringt, und dadurch das göttlich-luziferische (Weisheits-)Licht daran hindert, aus den geistigen Welten (Geist der Wahrheit - Heiliger Geist) auf uns einzustrahlen (Bauernphilosophie von zwei Gewittern, die aufeinanderstoßen). Aber auch mit der Wärme geschieht etwas Ähnliches. Auch der Wärme, die wir ausstrahlen, kommt von außen die Wärme von Gott entgegen, Wärme aus der geistigen Welt, aber diese wird von uns umgekehrt gefühlt, nämlich als uns anhauchende Kälte. Das finden wir nicht angenehm, uns umspült zu fühlen von der göttlichen Wärme, die wir als Kälte empfinden, aber das ist gerade der geistige Verbrennungsprozeß. Wir müssen durch den Feuerofen unseres eigenen luziferischen Seelenlebens, das wir aus uns heraussetzen; und dann fühlen wir uns umspült von der göttlichen Wärme, die wie Kälte ist, so daß der Verbrennungsprozeß wie ein Erfrierungsprozeß ist. So muß all unsere Finsternis und egoistische Wärme verbrannt werden, bevor das göttliche Licht auf uns einstrahlen kann. Wir können an das Rosenkreuz denken, das verkohlte Holz, den Körper, und dann an die reinen Lichtrosen, die neu in uns einstrahlenden göttlichen Kräfte. Dann werden wir tief des Mysteriums von Golgatha bewußt werden und wie verbrennen müssen unsere Leidenschaften, auf daß wir auffangen können das reine Licht der geistigen Welt. EDN - ICM - PSSR. Konzentration auf Formel oder imaginatives Bild - Meditation - Seelenruhe. E[...]* einen des Göttlichen, sei es in seinen kosmischen Gedanken oder in Bildern oder Inspiration und Intuition. Aufzeichnung D Wenn man den mittelalterlichen Lehren Glauben schenken wollte, dann müßte man annehmen, daß ein esoterisches Leben überhaupt nicht möglich wäre. Damals war man Anhänger dessen, was man «intentionelles» Denken, Fühlen, Wollen nennen kann. «Etwas» denken, etwas fühlen, etwas wollen müsse man. Der Esoteriker soll aber gerade von diesem «etwas» loskommen. In Ruhe und Gelassenheit muß ein Zusammenziehen der Seelenkräfte in der Meditation stattfinden. Der beginnende Esoteriker klagt fast immer: Dies und das mißlingt mir. Bilder, Vorstellungen und so weiter steigen auf, derer ich mich nicht erwehren kann; sie trüben meine Meditation. - Der erfahrene Esoteriker sollte ihm antworten: Ich gratuliere dir dazu, du hast den ersten Schritt getan! «Annähernd» gesprochen, sind im Schlafe aus physischem und Ätherleib der astralische Leib und das Ich heraus. Aber nicht völlig entspricht dies der Wirklichkeit. So wenig entspricht es völlig, wie wenn man sagt: Die Sonne geht unter und so weiter. Ja, für die eine Seite der Erde geht sie wirklich unter, für die andere aber geht sie gleichzeitig auf. Ebenso ist es mit dem * Unleserlich, evtl. «Einströmen» oder «Einfließen».
Cite:
GA 266c/1913-12-30/p009 · edition original