{"corpus":"steiner","locus":"GA 266c/1914-01-02/p004","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"lebe. Daher müssen wir es in die Welt ausgießen. Mein Ich lerne \nich kennen durch das, was wir bezeichnen als Positivität \n(Gleichnis vom Hunde). \nWenn wir es machen wie der Christus-Jesus, so sehen wir \nnicht das Häßliche, sondern tauchen soweit hinein in alles, daß \nwir an das Gute kommen. Auf diese Weise kommen wir los von \nunserm Ich und können es beobachten. Ich ist Liebe und Wille. \nDurch den entwickelten Willen lernen wir erkennen die Substanz aller Dinge, die im Göttlichen urständet. Durch die Liebe \nlernen wir das Wesen der Dinge miterleben. So dringen wir \ndurch Wille und Liebe vor zum Erkennen, das frei ist vom persönlichen Ich. Als geistiges Ich lernen wir untertauchen in \nWesen und Substanz aller Dinge, die ja aus dem geistigen Vatergrund stammen, wie auch unser eigenes Ich. Unser Ich schaut \nuns aus allem Geschaffenen an («Schwan»). Der Schüler erreicht \ndie Stufe des «Schwan», wenn er das erleben kann. \nAuf der fünften Stufe entwickeln wir Manas oder Geistselbst. \nDa dürfen wir uns nicht festlegen auf dasjenige, was wir bisher \ngesehen, gelernt, gehört haben. Wir müssen lernen, von alle dem \nabzusehen, uns allem, was uns entgegentritt, ganz wie ausgeleert \nvon dem Bisherigen zu erhalten. Manas kann nur entwickelt \nwerden, wenn man lernt, alles, was wir uns durch Eigendenken \nerworben haben, doch nur zu empfinden als etwas Minderwertiges gegenüber dem, was wir uns erwerben können, indem wir \nuns den Gedanken öffnen, die aus dem gottgewobenen Kosmos \neinströmen. Aus diesen göttlichen Gedanken ist alles, was uns \numgibt, entstanden. Wir haben sie nicht durch unser bisheriges \nDenken finden können. Da verbergen es uns die Dinge. Jetzt \nlernen wir hinter allem wie ein verborgenes Rätsel dies Göttliche \nzu erahnen. Immer mehr lernen wir in Bescheidenheit einsehen, \nwie wenig wir bisher von diesen Rätseln ergründet haben. Und \nwir lernen, daß wir eigentlich alles aus unserer Seele entfernen \nmüssen, was wir bisher gelernt haben, daß wir ganz unbefangen, \nwie ein Kind, allem entgegentreten müssen — daß sich nur der \nUnbefangenheit der Seele darbieten die göttlichen Rätsel, die uns \numgeben. Kindlich muß die Seele werden, um in die Reiche der \nHimmel eindringen zu können. Der kindlichen Seele strömt \ndann entgegen die verborgene Weisheit - Manas - wie ein Geschenk der Gnade aus der geistigen Welt. \nWeiter zu gehen ist für den Menschen nicht nötig, da er \ndurch diese fünf Stufen den Kontakt mit der geistigen Welt herstellt. Es muß nun noch durch stete Wiederholung dieser fünf \nÜbungen zwischen den verschiedenen Fähigkeiten, die durch sie \nerlangt werden sollen, die Harmonie des Zusammenwirkens \nhergestellt werden. Das bewirkt die sechste Übung. \nDiese Übungen sind von allergrößter Wichtigkeit. Durch sie \nkann die Seele den Weg finden in die geistigen Welten. Überall, \nin allen Schriften, Zyklen, Vorträgen finden Sie Hinweise auf \ndiese fünf Übungen. Und es brauchte keine esoterische Stunde \nstattzufinden, wenn jeder sie aufmerksam läse und die Kräfte \ndieser Übungen in seiner Seele zum Leben erweckte. Sie dienen \nden speziell gegebenen Übungen zur Unterstützung. \nDer Esoteriker muß nur aufmerksam sein, auch auf das \nKleinste. Er muß alles gewissenhaft beobachten, noch in ganz \nanderer Weise, als es im Physischen geschieht, sobald er sich den \ngeistigen Welten nähert. Denn die Dinge im Geistigen sind ja \nsoviel subtiler, feiner als im Physischen. Darum muß der Esoteriker diese Übungen beständig machen und sich immer wieder \nanfachen zu neuem Streben, zu neuen Beobachtungen, da es ihm \nsonst nicht möglich ist, Einblicke in die geistige Welt zu bekommen. Und vor allem muß der Esoteriker Geduld üben. Die meisten denken, nachdem sie kurze Zeit geübt haben, sie könnten \nnun in die geistige Welt gelangen, alle Pforten zur geistigen Welt \nständen ihnen offen. \nBedenken Sie doch, daß ein bedeutsamer Impuls, eine bedeutende Idee neunzehn Jahre braucht, um innerlich gut ergriffen \nund verstanden zu werden. Wenn der Esoteriker glaubt, nach \neinigem Üben nun ohne weiteres reif zu sein zum Eintritt in die \ngeistigen Welten, so ist das gerade so, als wenn ein Kind, das \neben sprechen gelernt hat, nun sagen wollte: Das dauert mir zu \nlange, Jahre hindurch zu warten, bis ich ein Mann bin. Ich will \ngleich Mann sein. \nEin Zweites, das man im esoterischen Leben lernen muß, ist \ndie Wahrhaftigkeit. Wer sie im physischen Leben nicht schon \ngelernt hat, wird große Mühe haben bei seinem Aufstieg in die \ngeistige Welt, da er ja auch sein logisches Denken und alles, was \nan den Verstand gebunden ist, zurücklassen muß und in der geistigen Welt nicht korrigiert wird durch die Tatsachen wie hier in \nder physischen Welt. Die guten Götter haben gerade dadurch \nden Menschen erziehen wollen zur Wahrhaftigkeit, daß sie ihn \nversetzt haben in die physische Welt, wo eine jede Unwahrheit -\nd. h. alles, was nicht den Tatsachen entspricht - korrigiert wird \ndurch die Tatsachen. Die Neigung zur Wahrhaftigkeit kann \nnur in der physischen Welt erworben werden, nicht erst in der \ngeistigen Welt. \nEndlich muß der Esoteriker bestrebt sein, sich gewohnheitsmäßig ein gutes Gedächtnis anzuerziehen. Der Bewahrer des Gedächtnisses ist der Ätherleib, aber ohne den physischen Leib würde er schlecht bewahren können. Die Nerven werden beeindruckt, und es muß hineingeschrieben werden in den physischen \nLeib. Der ist sozusagen der Aufschreibeapparat für das, was der \nMensch behalten will. Und wenn der Mensch sich erinnern will \nan etwas, so durchdringt er mit dem Ätherleib den physischen \nLeib bis zu der Stelle, wo das, was erinnert werden soll, eingeschrieben steht, und dann wird das Erinnerungsbild lebendig, und \nder Mensch liest es dann ab vom physischen Leib. Schüler machen \nes ja so, wenn sie etwas auswendig zu lernen haben, daß sie es sich \nsolange wiederholen, bis es sich eingeschrieben hat. Aber da kann \nes vorkommen, daß, wenn sie ζ. Β. lernen: «Es stand vor alten \nZeiten ...», sie es sich gewaltsam einpressen in den physischen \nLeib dadurch, daß sie den Laut zu Hilfe nehmen. \nGewohnheitsmäßig muß ein solches Einschreiben und Ablesen werden dadurch, daß es uns zur inneren Gewohnheit wird, \nalle Verrichtungen mit Aufmerksamkeit und Nachdenken zu \ndurchdringen. \nFür geistige Erlebnisse kann man den physischen Leib nicht \nbrauchen als Erinnerungsorgan, an die Stelle muß das Gewohnheitsmäßige treten. Wir müssen uns die dazu gehörende Empfindungsnuance vor die Seele rufen. \nDer Inhalt dessen, was dem Meditanten zufließt, wenn er sich \nnach der Meditation leer macht - auch von dem Einwirken der \nMeditation - ist ja in gewissem Sinne Verdienst. Niemals wird \neine Meditation einmal ebenso sein wie ein anderes Mal. Das, \nwas uns zufließt, hängt ab von unserer Moralität, von unserer \nWahrheitsliebe, davon, wie wir seit der letzten Meditation gelebt \nhaben. Sind wir in irgendeiner Weise nicht ganz bei der Wahrheit geblieben, oder haben wir Zorn, Ärger in uns aufkommen \nlassen, so kann nichts aus der geistigen Welt in uns einströmen. \nEs ist damit schon so, wie wir es verdienen. Bei aufmerksamem \nNachspüren werden wir schon immer den Grund dafür, daß wir \nnicht mit dem Geistigen begnadet wurden, in irgendeiner Unwahrheit, in irgendeiner Aufwallung von Zorn oder dergleichen \nfinden. \nAufzeichnung Β (Auszug) \n[...] Ein Zweites, das man im esoterischen Leben üben muß, ist \ndie Wahrhaftigkeit. Wer im physischen Leben nicht die Wahrhaftigkeit geübt hat, wird große Mühe haben bei seinem Aufstieg in die geistigen Welten, da er ja auch sein logisches Denken \nund alles, was an den Verstand gebunden ist, zurücklassen muß \nund nicht korrigiert wird durch die physische Welt. Die guten \nGötter haben gerade den Menschen erziehen wollen zur Wahrhaftigkeit dadurch, daß sie ihn in die physische Welt versetzt \nhaben. Die Neigung zur Wahrhaftigkeit kann nur in der physischen Welt erworben werden, nicht erst in der geistigen Welt. \nEndlich muß der Esoteriker bestrebt sein, sich gewohnheitsmäßig ein gutes Gedächtnis anzuerziehen (indem man alles mit \nstarkem Bewußtsein tut, immer ganz bewußt bei allem ist). Wir","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Leipzig, 1914-01-02","site_heading":null,"date":"1914-01-02","location":null,"word_count":1263,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1914-01-02/p004","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1914-01-02/p004"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266c/1914-01-02/p004"}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). 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