{"corpus":"steiner","locus":"GA 266c/1914-01-02/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"kennen alle die Geschichte von jenem Manne, der wenig Sinn \nhatte für Raumverhältnisse und nie wußte, wo er etwas hingelegt hatte. Um dem abzuhelfen, stellte er verschiedene Tische in \nseinem Zimmer auf und legte alles darauf. - Es gibt Gelehrte, \ndie nur arbeiten können, wenn sie zwölf Tische um sich herum \nhaben, auf denen die Nachschlagewerke aufgeschlagen da liegen, \num die Zitate leicht bei der Hand zu haben, und die von einem \nTisch zum andern gehn müssen. \nMan lächelt darüber, aber in Wirklichkeit ist es im Unterbewußtsein bei uns allen ebenso. Der Bewahrer des Gedächtnisses \nist der Ätherleib, aber ohne den physischen Leib würde er \nschlecht bewahren können. Die Nerven werden beeindruckt, \nund es muß hineingeschrieben werden in den physischen Leib; \nder ist sozusagen der Aufschreibe-Apparat für das, was ich behalten will. Und wenn der Mensch sich erinnern will, so durchdringt er mit dem Ätherleib den physischen Leib bis zu der \nStelle, wo er eingeschrieben hat, und dann wird das Erinnerungsbild lebendig, und er liest es dann vom physischen Leib ab. \nSchüler machen es ja so, wenn sie etwas auswendig zu lernen \nhaben, daß sie es sich so lange laut wiederholen, bis es sich eingeschrieben hat. Aber da kann es dann kommen, daß, wenn sie \nzum Beispiel lernen: «Es stand in alten Zeiten ein Schloß, so \nhoch und hehr ...», sie dadurch, daß sie den Laut zu Hilfe \nnehmen, es gewaltsam einpressen in den physischen Leib. \nGewohnheitsmäßig muß ein solches Einschreiben und Ablesen werden dadurch, daß es uns zur inneren Gewohnheit wird, \nalle Verrichtungen mit Aufmerksamkeit und Nachdenken zu \ndurchdringen. \nFür geistige Erlebnisse kann man den physischen Leib nicht \ngebrauchen als Erinnerungsorgan; an die Stelle muß das Gewohnheitsmäßige treten. Wir müssen uns die dazugehörige \nEmpfindungsnuance vor die Seele rufen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Leipzig, 1914-01-02","site_heading":null,"date":"1914-01-02","location":null,"word_count":289,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1914-01-02/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1914-01-02/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266c/1914-01-02/p005"}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). Check the volume's own front matter before weighing a single passage.","evidence":"Gedächtnisaufzeichnungen von Teilnehmern und Meditationstexte nach Niederschriften Rudolf Steiners","evidence_translation":"Participants' records written from memory, and meditation texts from Rudolf Steiner's own manuscripts","evidence_source":"Rudolf Steiner Verlag Gesamtverzeichnis 2022, volume subtitle. The translation is the maintainer's, not a published one."}}