{"corpus":"steiner","locus":"GA 266c/1914-03-27/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"muß einsehen lernen, daß es ganz andere Mittel sind, durch die \nman auf dem physischen Plan weiterkommt, als die, die man \nanwenden muß, um in die geistige Welt einzudringen. Immer \nmehr muß der Schüler lernen, sich hineinzutasten in die geistige \nWelt durch seine hingebungsvollen Gefühle, er muß lernen, sich \nzu sagen, daß es beim Meditieren nicht so sehr auf den Inhalt \nder Gedanken ankommt, als auf die ganze Gesinnung, die Stimmung der Seele, aus welcher heraus die Meditation gemacht \nwird. Die sind es, die die Seele umformen und nach und nach \ndie Organe der Seele herausbilden. Eine solche hingebungsvolle, \nandächtige Stimmung der Seele arbeitet nicht nur hinein in den \nAstralleib, sondern der Esoteriker wird auch immer mehr dahin \ngelangen, seinen Ätherleib zu fühlen. Und das ist ein sehr wichtiger Augenblick für die esoterische Entwicklung, wenn dieser \nMoment eintritt. \nMacht Euch folgendes klar, meine lieben Schwestern und \nBrüder: Ich strecke meine Hand aus, ich stoße mich hier an der \nTafel. Im Physisch-Sinnlichen würde man sagen, da ist ein Gegenstand, an dem meine Hand einen Widerstand gefunden hat. \nSo ist es richtig für die physische Anschauung. Im Geistigen ist \nda aber, wo ich anstoße an die Tafel, ein Nichts. Da ist in der \ngeistigen Welt ein Loch, eine Lücke. Nichtse, Löcher sind für \ndie geistige Welt da, wo im Physischen Gegenstände sind. Aber \nbevor meine Hand an dies «Nichts» herankommt, strecke ich sie \nhindurch durch eine geistige Welt, die wiederum für das physische Anschauen leer, ein Nichts ist. Die ist aber geistig ganz mit \nRealitäten - mit geistigen Wesenheiten - angefüllt. Wenn wir \ndas eben Angedeutete als Schüler der geistigen Wissenschaft \ndurchdenken, so müssen wir lernen, uns zu sagen: Also sehe ich, \nwenn ich ein Physisches anschaue, in Wirklichkeit die Umrisse \nder geistigen Welt. Zu solcher Erkenntnis muß er [der Schüler] \nsich durchringen. Hinter allem muß er den Geist sehen, dann \nsieht er auch erst das Physische in der rechten Weise. \nSchaut er hin auf eine Herbstlandschaft, was sieht er da? Ein \nVergehendes, Absterbendes im Physischen - aber hinter ihm erahnt er schon die neuen, lebendigen Keime, die sich aus dem \nAbsterbenden losringen: das neue Leben, das sich dem Tod entringt; das noch geistig ist, das sich aber im Frühling mit Materie \numkleiden wird. \nEin ganz einfaches Beispiel kann uns übrigens zeigen, daß da, \nwo im physisch-sinnlich Wahrnehmbaren Gegenstände sind, im \nGeistigen lauter Nichtse sind: Nehmen Sie eine Flasche Selterswasser. Sie sehen das Wasser nicht. Sie sehen es nicht vor den \nleuchtenden Kugeln der perlenden Kohlensäure. Die sind nur \nLuft: Nichtse. Das Wasser, das Physische, sehen Sie nicht vor \ndiesen Perlen der Kohlensäure. So sieht man auch das Geistige \nnicht inmitten des Physischen. Die schillernden Dinge der \nWahrnehmungswelt decken es uns zu. \nHat sich der Esoteriker eingelebt in diese fundamentale Wahrheit, daß er im Physisch-Sinnlichen von lauter Nichtsen umgeben \nist, so wird ihm auch bald eine zweite Wahrheit aufgehen, die \nWahrheit: Es denkt mich, nicht: Ich denke. So lange hat er geglaubt, daß seine Gedanken in der Welt einen Wert haben, jetzt \nlernt er nach und nach, daß im Geistigen eine Weltenmacht da ist, \ndie, indem sie denkt, erschafft. Und daß alles Menschendenken \nnur ein schattenhafter Abglanz ist dieses Weltendenkens, das erzeugt wird von einer erhabenen Geistwesenheit, der das Denken \nin demselben Grade zu eigen ist, wie dem Menschen das sinnliche \nAnschauen. Er lernt, daß diese Menschengedanken nur Schatten \nsind, die sich am physischen Leibe spiegeln und nur den Wert von \nSchatten haben, die wohl für die physische Welt eine Notwendigkeit sind, die er aber umwandeln muß durch seine Meditation, so \ndaß aus den Schattengebilden Realitäten werden. \nEr lernt, auf sein stolzes Denken mit immer größer werdender Bescheidenheit hinzuschauen. Er fragt sich: Wie wandle ich \nes um, so, daß ich mir durch die Umwandlung dieser Schattengedanken ein Werkzeug schaffen kann, um in eine geistige Welt \nnach und nach hineinzukommen! \nDer Schüler, indem er so darauf hinstrebt, sich von diesen \nSchattengedanken loszulösen, wird allmählich dazu gelangen,","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1914-03-27","site_heading":null,"date":"1914-03-27","location":null,"word_count":653,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1914-03-27/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/266c/1914-03-27/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/266c/1914-03-27/p008"}],"record":{"record_type":"mixed_sources","scope":"volume","note":"This volume draws on more than one kind of record (transcripts, notes, documents). 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