Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Berlin, 1914-03-27

GA 266c/1914-03-27/p009 ·1914-03-27 · original (original)

sein Selbst im Ätherleib zu konzentrieren. Nicht mehr wird er sich nur in seinem physischen Leib als Menschenwesen erfühlen. Er wird den physischen Leib ebenfalls immer mehr als einen Schatten empfinden, in dem er sich hier auf dem physischen Plan erleben muß. Wenn der Mensch plötzlich vor einen Spiegel tritt - der gibt ihm den äußeren Eindruck seiner physischen Gestalt, aber das ist nicht der Mensch selber, es ist nur ein Reflex des Menschen. Tritt er von dem Spiegel zurück, so ist auch das Bild - er selbst - nicht mehr. Aber er ist dennoch da, auch ohne den Spiegel. Der gibt nur ein Schattenbild seiner äußeren Gestalt. Hat der Schüler sich dahin erzogen, das Schattenhafte unserer Gedanken in uns selbst zu erkennen - zu erkennen, wie diese Gedankenschatten in der äußern, physischen Welt, in der Wissenschaft, im Sozialen da sind, wie wir selbst als physische Menschen nur Schatten sind unserer eigenen inneren Wesenheit -, wenn er das als eine Grundstimmung seiner Seele anerzogen hat, dann wächst er hinein in eine geistige Welt. Er blickt zurück in die Vergangenheit, aus der heraus er das geworden ist, was er in diesem Moment seiner seelischen Entwicklung in sich erfühlt. Und er schaut hinein in eine Zukunft, die vor der Menschheit liegt. Und er erkennt: Aus Gedanken der erhabenen Geistwesenheit ist alles entstanden. [Wie kann ich mich aus all dem schattenhaftem Denken um mich herum herauslösen?] Wie kann ich so denken lernen, daß ich als Mensch, indem ich mich dieser Wesenheit in Andacht nahe, von ihr angenommen werde! Er erkennt, daß alles, was wir auf Erden an Gedanken der Güte, des Wohlwollens, des Edlen, der Liebe erzeugen, sich zu bleibenden, unvergänglichen Daseinswerten umsetzt, die nicht vergehen wie verwehende Schatten - die weiter bestehen werden. Wir sehen sie vor uns - in vielleicht noch weiter Ferne, in der Zukunft. Da leben sie, da sind sie wirksam zum Heile der Menschheit! Und wir sehen: Auch alles Böse, Schlechte, Lügenhafte lebt weiter! Es vergeht nicht! Alle niederen, egoistischen Gedanken der Menschen, wir sehen sie in der Ferne, aber wir erkennen: das sind Abfallprodukte der Menschenentwicklung, sie sind unfruchtbar an sich. Aber sie haben doch ihre Aufgabe: diese Abfallprodukte dienen als Nahrung für das, was als das Gute sich entwickeln soll. Alles Böse, Schlechte wird zu dem, was sich als Nahrung für die Keime des Guten entwickeln soll. Wie hier auf dem physischen Plan der mineralische Boden die Nahrung abgibt für die Pflanzenwelt, wie der «Dünger» der Steine die Pflanze möglich macht, wie sich das eine immer von dem andern ernährt, so wird alles Bös-Gedachte, alles SchlechtErkannte der Bodensatz sein für die in der elementaren Welt aufkeimenden Gedanken des Guten, Edlen, Wahren. Durch ein solches Wissen kann der Okkultist sich das Schlechte, Irrtümliche, Böse, das er in der Welt sieht, so gut ausdeuten. Er sieht es um sich herum, er soll es sich in Gedanken vorstellen, aber er weiß, daß er nicht weiter gehen darf als bis zu diesem Punkt, wo es Gedanke ist. Er läßt es nicht in die Tat übergehen, die immer luziferisch-ahrimanisch ist. Er schaut sich in Gelassenheit an alles Schlechte und Böse, wissend, daß es einstmals den Boden abgeben wird, auf dem der Keim des Guten dereinst erwachsen soll. So hat es sich eigentlich in der Evolution der Erde auch abgespielt. Denn wie ist das Mineralreich der Erde entstanden? Als die Erde noch nicht da war, auf dem alten Monde, da haben die Hierarchien, von den Wesen, die damals Menschen waren, bis hinauf zu den Geistern der Form, sich zu dem, was im Erdenzustande uns als Weisheit umgibt, erst nach und nach hinaufgearbeitet. Sie haben Irrtum über Irrtum gedacht. Das war da am Platze. Aber aus all diesen Irrtümern ist als Abfallprodukt das Stoffliche, das Mineralische auf der Erde entstanden. Und aus diesem Erdenstoff hat Jahve-Elohim den Menschen bilden, ihm seine physische Hülle geben können. Luzifer aber, der ja auf ähnlicher Stufe ist wie die Elohim, will dasselbe noch immer ausführen. Aber er kann sich zu seinem Werk nur der Menschen bedienen, indem er den Irrtum, die Lüge, nur im Innern der Menschen denken lassen kann.

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