Aus den Inhalten der esoterischen Stunden — Stuttgart, 1923-07-13

GA 266c/1923-07-13/p003 ·1923-07-13 · original (original)
The speaker of this passage is not asserted. This passage speaks ABOUT Rudolf Steiner in the third person, so it is most likely a report, minutes, or an editorial summary rather than his own words. Verbatim, but confirm the speaker before attributing anything here to him.

(Vorlage E: Man muß sich vorstellen, wie das Petschaft eingedrückt wird in das Wachs, so hat die Rede sich in meine Seele eingedrückt.) Man muß ein ganz anderes Verhältnis zum Wort bekommen. Da sind zum Beispiel die Worte <schlafen> und <wachen>. Diese bedeuten noch etwas ganz anderes, als was man gewöhnlich darunter versteht. Der Schlafende und der Wachende befinden sich in der gleichen äußeren Umgebung, nur weiß der Wachende von dieser Welt, während der Schlafende von ihr nichts weiß. Entsprechend geht es dem Anthroposophen gegenüber dem Nicht-Anthroposophen: Der Anthroposoph weiß von einer Welt, der geistigen Welt, in der der andere auch lebt, ohne aber von ihr etwas zu wissen. Dieser Unterschied gilt in noch stärkerem Maße für den Meditanten. Deshalb muß dieser bescheiden werden im Gebrauch der Worte. (Dieser letzte Satz konnte nicht anders als einen besonders ernsten Widerhall in unseren Seelen finden im Nachklang der eben vorher unter uns stattgefundenen Auseinandersetzung.) (Vorlage E: Der Unterschied der ernst-verhaltenen Stimmung, in der Rudolf Steiner sprach, gegenüber derjenigen, in der wir selber gekommen waren, war ein sehr großer.) Ein weiteres solches Wort ist das Wort <Ich>. Dieses Wort nimmt ja unter allen Worten der menschlichen Sprache eine besondere Stellung ein. Ungefähr im dritten Lebensjahr lernt der Mensch dieses Wort gebrauchen. Das ist aber ein Alter, in welchem noch kein eigentliches Ich-Bewußtsein vorhanden ist. Daher lernt man dieses Wort zunächst nur automatisch sprechen. Erst im 21. Lebensjahr findet die Geburt des Ich statt. Was da zum Vorschein kommt, ist dann aber immer noch das ganze Leben hindurch nicht das wahre Ich. Ihm begegnet man als gewöhnlicher Mensch erst wieder nach dem Tode. So gebraucht jeder Mensch bis zu seinem Tode das Wort <Ich> doch immer nur provisorisch. Dieses provisorischen Gebrauches des Wortes <Ich> muß sich der Meditant ganz besonders bewußt werden. Er muß lernen, daß er erst allmählich den Weg zu dem wahren Ich

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