Siebente Stunde
Aber man muss das weitere Wort des Hüters in vollem Ernste auf sich wirken lassen. Dieses weitere Wort des Hüters, es weist darauf hin, dass in dem Augenblicke, wo wir hinüberkommen über die Schwelle, alles anders wird, als es in der Sinneswelt ist. In der Sinneswelt, da denken wir, dass im Haupte des Menschen das Denken, das Vorstellen säße. So ist es für die Sinneswelt. Allein diesem Vorstellen, diesem Denken des Hauptes ist immer - auch wahrnehmbar für das gewöhnliche Bewusstsein - ein klein wenig Wollen beigemischt. Denn indem wir von einem Gedanken zu dem anderen schreiten, müssen wir ebenso wollen, wie wenn wir einen Arm bewegen oder ein Bein bewegen oder überhaupt etwas wollen. Aber es ist ein leises, feines Wollen, das einen Gedanken in den anderen überführt. So ist es, wenn wir in der Sinneswelt sind: an das Haupt gebunden der ganze weite Umfang des Denkens und ein wenig Wollen, ein leises Wollen. Sobald man hinüberkommt über die Schwelle und an den Hüter herantritt, wird es umgekehrt: wenig Denken an das Haupt gebunden und viel ausgebreitetes Wollen. Und in diesem Wollen, das sonst schlafend ist in dem Menschen, verspürt man den Geist, wie er aus dem Kosmos heraus, aus der Himmelswelt, das menschliche Haupt als sein kugeliges Abbild gestaltet in allen Einzelheiten.
Cite:
GA 270/1924-04-11_02/p053 · edition original