Die Quellen der künstlerischen Phantasie und die Quellen der übersinnlichen Erkenntnis II
Es ist wahr, was Dz Bois-Reymond sagt: daß Naturanschauung nie dahin kommen kann, dasjenige zu erfassen, was im Raume spukt. — Wenn der Naturforscher von Materie spricht, die da im Raum vorhanden ist — die ergibt sich nicht dem, womit wir ‚die Wirklichkeit zu ergreifen suchen. Für das gewöhnliche Bewußtsein bleibt es so, daß wir auf der einen Seite das Innenleben haben, das an die Wirklichkeit nicht herandringt, auf der anderen Seite die äußere Wirklichkeit, die sich dem Innenleben nicht ergibt. Dazwischen ist ein Abgrund. Dieser Abgrund, den man kennen muß, er ist ein Hindernis für die menschliche Erkenntnis. Er wird auf keine andere Weise überwunden als dadurch, daß sich in der Seele übersinnliches Schauen entwickelt, solches Schauen, wie ich es heute durch seine Beziehung zum Künstlerischen zeigte.
Cite:
GA 271/1918-05-06/p026 · edition original