{"corpus":"steiner","locus":"GA 272/1915-08-16/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir hören das Wort aus dem «Faust». Und wenn wir uns erinnern, wie dies Reich der Mütter beschrieben wird, wie sie sitzen um den goldenen Dreifuß, wenn wir die ganze Szenerie des Reiches der Mütter ins Auge fassen, wie könnte dieses Sich-Begeben des Faust ins Reich der Mütter ausgedrückt werden? Was sind sie, die Mütter, die ewig walten, aber — weiblich dargestellt — die Kräfte darstellen, von denen Faust hervorgeholt hat das Ewige, das Unsterbliche der Helena? Wollte man an der Stelle, wo Faust zu Helena geschickt wird, die ganze Tatsache ausdrücken, so müßte man sagen: Faust wird seinen Drang zu Helena und zu den Müttern auszudrücken haben dadurch, daß er sagt: Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan oder hinab — darauf kommt es jetzt nicht an. Wir könnten ebensogut dieses letzte Motiv, das uns am Schlusse des «Faust» entgegentritt, angewendet wissen da, wo Faust zu den Müttern hinuntersteigt. Aber wir stehen mit dem Faust bei seinem Gang zu den Müttern und zu Helena auf dem Boden der alten heidnischen Welt, der vorchristlichen Welt, der Welt, die dem Mysterium von Golgatha vorangegangen ist. Und am Schlusse des «Faust»? Wir stehen einem ähnlichen Gange des Faust gegenüber, dem Gange des liebenden Faust, der sich Gretchens Seele nähern will, aber wir stehen jetzt mit ihm auf dem Boden der Evolution nach dem Mysterium von Golgatha. Und nach was strebt er jetzt? Noch nach den Müttern? Nach der Dreizahl der Mütter nicht mehr. Nach der einen Mutter, nach der Mater gloriosa, die ihm den «Weg ins Unbetretene, nicht zu Betretende», wo Gretchens Seele weilt, ebnen soll. Die Mütter, auch ein Ewig-Weibliches, sind in der Dreizahl. Die Mutter, die Mater gloriosa, sie ist in der Einzahl. Und das Streben zu den Müttern, indem es uns versetzt in die Zeit der Evolution vor dem Mysterium von Golgatha, und das Streben zu der Mutter, zu der Mater gloriosa, indem es uns versetzt in die Evolution nach dem Mysterium von Golgatha — zeigt es uns nicht in einer wunderbaren Weise, dichterisch großartig,überwältigend großartig dasjenige, was das Mysterium von Golgatha der Menschheit gebracht hat? Aus der Dreiheit des noch astralischen Denkens, Fühlens und Wollens strebt hinauf die Menschheit im «Faust» nach der Dreigliedrigkeit des Ewig-Weiblichen. Wir haben es oft charakterisiert, wie die Einheit des menschlichen Inneren in dem Ich über die Menschheit gekommen ist durch das Mysterium von Golgatha. Aus den drei Müttern wird die eine Mutter, die Mater gloriosa, dadurch, daß der Mensch in der uns bekannten Weise zu der innerlichen Durchdringung mit dem Ich fortgeschritten ist.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"9. Das Reich Der Mütter. Die Mater Gloriosa","site_heading":null,"date":"1915-08-16","location":null,"word_count":419,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/272/1915-08-16/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/272/1915-08-16/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/272/1915-08-16/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}