{"corpus":"steiner","locus":"GA 272/1916-09-04/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man zu den verschiedenen Partien von Goethes «Faust» kommt, so muß man immer wieder und wiederum in ein gewisses Erstaunen verfallen über die unendliche Tiefe, die namentlich im zweiten Teil von Goethes «Faust» liegt, tief dadurch, daß man es mit einer durch die Geisteswissenschaft zu rechtfertigenden Sachlichkeit in der Darstellung der geistigen Welt zu tun hat. Und es ist das Merkwürdige, daß Goethe mit solcher Sachlichkeit dargestellt hat die geistige Welt in der Zeit, in der es die Geisteswissenschaft als solche noch nicht gegeben hat. Wir brauchen uns nicht erst lange zu befassen mit der Frage, die einmal an mich gestellt worden ist, als ich vor vielen Jahren einen Vortrag hielt über Goethes «Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», und mich eine theosophische Autorität der alten Schule fragte, ob ich denn meine, daß Goethe das alles gewußt habe, was da zur Rechtfertigung des tieferen Geheimnisses der Dichtung von der grünen Schlange und der schönen Lilie aus der Geisteswissenschaft heraus gesagt worden ist. Ich konnte nur erwidern, ob denn der Betreffende glaube, daß auch die Pflanze alles ganz genau weiß, was der Botaniker über sie ausmacht, um wachsen zu können in der richtigen Weise nach den botanischen Gesetzen. Wenn man eine solche Frage hört, so hat man gewöhnlich das Bewußtsein, wie gescheit sich der Fragende vorkommt. Aber wenn man eine solche Frage im Zusammenhange denkt, dann kommt man darauf, wie unendlich töricht die Menschen oftmals sind, welche sich gar so gescheit dünken. Also mit der Frage, ob etwa Goethe auch noch irgendwo Geisteswissenschaft so studiert hat, wie wir sie heute studieren können, brauchen wir uns nicht weiter zu befassen, wenn auch gerade Einwände von einem Gesichtspunkte, der diese Frage ins Auge faßt, sehr leicht gemacht werden können. Wir wollen vielmehr gleich an die Sache selber gehen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"12. Die «Grablegung» Das Wesen der Lemuren, der Dick- und Dürrteufel","site_heading":null,"date":"1916-09-04","location":null,"word_count":299,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/272/1916-09-04/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/272/1916-09-04/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/272/1916-09-04/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}