12. Die «Grablegung» Das Wesen der Lemuren, der Dick- und Dürrteufel
Es ist schon einmal mit diesem Mephisto -Ahriman eine kuriose Sache. Da kommen die Wesen, die der geistigen Welt angehören, in seine Sphären herunter, und - ja, er verliebt sich eigentlich in diese Wesen. Goethe schildert ganz recht eine Liebesszene zwischen Mephisto und den Engeln. Der Teufel hat Verstand. Und eine Liebschaft zwischen Mephisto und den Engeln ist wahrhaftig eine absurde Liebschaft, so nennt sie auch der Mephisto, es ist schon eine absurde Liebschaft. Aber wie kommt es denn, daß ihn diese absurde Liebschaft doch befallen kann? Daß überhaupt Liebesempfindungen in ihm entstehen? Hätte er nicht so lange an der Seite des Faust gelebt und den Faust betören wollen dadurch, daß er in Faust dergleichen Gefühle besonders verlockend angeregt hat, so würden sie auf ihn nicht übergegangen sein. Und so haben Sie hier wiederum eine tiefe Weisheit, eine wunderbare Weisheit. Der Teufel hat eigentlich keine erotische oder sonstige Liebe im irdischen Sinne. Die hat er nicht. Liebschaft ist natürlich für ihn absurd, denn wir wissen ja, daß die Erde der Kosmos der Liebe ist. Er ist aus dem Kosmos der Weisheit. Aber er ist deplaciert, er wandert auf der Erde herum und will immer die Erde seinem Reich einverleiben. Dadurch kommt er immer wieder in die Lage, sich selbst Eigenschaften, die auf der Erde entwickelt werden und die jetzt zu seiner Natur nicht mehr passen, einzuverleiben. Er muß, um in die Hoffnung kommen zu können, eine Seele zu erringen, diese Seele für den Teufel präparieren, das heißt, sie geeignet machen, die Eigenschaften, die Luzifer am Beginne eingepflanzt hat, zu erfassen. Aber dadurch wird er selber von dieser Eigenschaft angesteckt und macht sich wiederum unfähig, diese Seele halten zu können. Sie sehen hier im Großen bei dem Teufel ausgebildet dasjenige, was im Kleinen eintritt. Denken Sie sich einmal, der Mensch ist auch dazu veranlagt, Leidenschaften zu erregen, aber wenn er sie bis zu einem gewissen Punkte entwickelt, so zerstören sie ihm zu gleicher Zeit den Organismus. Man kann es also nur bis zu einem gewissen Punkte treiben. Der Teufel muß menschliche Eigenschaften gewissermaßen vampirisch in sich einsaugen, damit er in Faust die Leidenschaften erregen kann. Aber damit zerstört er in sich selber seine rechte Teufelsnatur. Dadurch ist es möglich, daß die absurde Liebschaft zu den Engeln entsteht, und er unaufmerksam wird und gar nicht merkt, daß ihm die Engel die Seele wegschnappen. Diese Umdüsterung des Bewußstseins, dieser Übergang des Bewußstseins in das Unterbewußte, das mußte schon bei ihm eintreten.
Cite:
GA 272/1916-09-04/p094 · edition original