15. Goethes Aufsuchen der Tiefen des Werdens und der Weltgeheimnisse in Seinem «Faust» Die Luziferische und die Ahrimanische Verführung
Was kann der Materialismus anders sagen als: Nun, da ist der Pater ecstaticus, der macht sich so etwas vor; aber wenn der Pater ecstaticus tot sein wird, dann ist es mit alldem aus. Ebenso der Pater profundus, ebenso der Pater Seraphicus und so weiter. — Für Goethe sind das ebenso reale Vorgänge, was diese erleben, diese Anachoreten, wie ihm reale Vorgänge sind das Auf- und Untergehen der Sonne. Und so wie durch das Auf- und Untergehen der Sonne hier für den Menschen der physischen Welt etwas bewirkt wird, so wird für Goethe in Faustens Seele ein realer Prozeß bewirkt durch dasjenige, was die Welt durchströmt aus den Verzückungen und Gebeten und mystischen Verschwebungen der Anachoreten. Die Realität der geistigen Welt, insofern diese geistige Welt wurzelt im menschlichen Fühlen und im menschlichen inneren Erleben, das wird von Goethe nun hingestellt. Nicht bloß die gewissermafßen vom Menschen losgelösten überirdischen Vorstellungen, sondern die mit dem Menschen tief innerlich zusammenhängenden überirdischen Vorstellungen werden von Goethe hingestellt. Und dadurch ist seine Faust-Dichtung so recht die Dichtung geworden vom Ausgang, von der ersten Zeit der fünften nachatlantischen Periode.
Cite:
GA 272/1916-09-11/p038 · edition original