15. Goethes Aufsuchen der Tiefen des Werdens und der Weltgeheimnisse in Seinem «Faust» Die Luziferische und die Ahrimanische Verführung

GA 272/1916-09-11/p044 ·1916-09-11 · original (original)
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Ich habe schon gesagt, wie mißverstanden worden ist, daß dieser Epilog hätte gehalten werden sollen im Chaos auf dem Weg zur Hölle. Die Leute haben sich den Kopf darüber zerbrochen, wie denn der Faust noch hätte schließen sollen mit einem Epilog im Chaos, auf dem Weg zur Hölle. Also hätte doch Goethe in einem verhältnismäßig vorgerückten Stadium den Faust nicht erlöst werden lassen wollen, sondern ihn zur Hölle fahren lassen wollen. Die Leute haben durchaus nicht daran gedacht, daß diesen Epilog der Mephistopheles sprechen solle und durchaus nicht Faust. Der zieht ab zur Hölle, nachdem er die Wette verloren hat, und spricht seinen Epilog. Aber den konnte Goethe nicht ausführen, der ist wirklich nicht da. Warum ist er nicht da? Weil er in dieser Zeit noch nicht geschrieben werden konnte aus dem tiefen Mysterium, und zugleich aus dem Mysterium seiner Zeit heraus. Denn was würde denn in diesem Epilog im Chaos auf dem Weg zu Hölle enthalten sein? Stellen wir uns einmal vor, was da enthalten sein würde. Was ist geschehen? Wir haben die verschiedenen Wechselwirkungen betrachtet, die zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen eingetreten sind, die dargestellt sind am Schlusse des Goetheschen «Faust». Dadurch ist Faustens Seele wirklich nicht von Ahriman-Mephistopheles erbeutet worden, sondern sie geht in der entsprechenden Weise in die geistige Welt hinein, um sich zu verbinden mit den Kräften, die von der seligen Schar kommen in der Weise, wie wir das dargestellt haben. Es ist dadurch bewirkt, daß zunächst das luziferische Element ein wenig Übergewicht gewonnen hat, daß eine Art Vergeistigung für Faust eingetreten ist, daß die Vermaterialisierung, die durch Ahriman hätte eintreten sollen, wodurch Faustens Seele gewissermaßen durch Erdenschwere mit der Materie vereinigt geblieben und Faust in einen Abgrund versunken wäre — der Herrscher über die Materie ist Ahriman-Mephistopheles! -, daß das nicht eingetreten ist. Das ist nicht eingetreten. Es ist gewissermaßen die Waagschale mehr nach der luziferischen Seite ausgeschlagen. Dadurch ist es möglich geworden, daß Faustens Seele in die Region kommt, in die sie dann hineinkommt da, wo mit Überwindung des Ahrimanischen in der entsprechenden Weise die menschlichen Wirkungen der Büßerinnen und Gretchens selber in der geistigen Sphäre sind.

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