Das Faust-Problem

GA 273/1916-09-30/p092 ·1916-09-30 · original (original)
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Aber die Menschheit hätte so niemals frei werden können. Man hätte sozusagen den Menschen durch Natureinflüsse zum Automaten machen müssen. Ein Zeitalter mußte heraufkommen, wo der Mensch durch bloße innere moralische Kräfte wirkte. So wird sozusagen verhüllt vor ihm die Natur, weil er sie entweiht hätte, indem in der neuen Zeit seine Triebe freigelassen wurden. Und am meisten sind seine Triebe freigelassen worden seit dem 14., 15. Jahrhundert. Daher verglimmt die alte Weisheit, da bleibt nur mehr eine Buchweisheit, die nicht verstanden wird. Denn niemand würde sich heute abhalten lassen, wenn er solche Dinge wirklich verstünde, wie nur den Satz, den ich Ihnen vorgelesen habe, diese Dinge zu seinem eigenen Vorteil zu gebrauchen. Das aber würde die schlimmsten Triebe in der menschlichen Gesellschaft hervorrufen, schlimmere Triebe, als jenes tastende Fortschreiten hervorbringt, das man heute wissenschaftliche Betriebe nennt, wo man so im Laboratorium, ohne daß man in die Dinge hineinsehen kann, herauskriegt: dieser Stoff berührt den andern in dieser Weise, — wo man, ohne in die Dinge hineinzusehen, etwas herauskriegt - nun, wie jetzt der Inhalt der Chemie ist. Man laviert so fort. Und Geisteswissenschaft wird erst wieder den Weg finden müssen hinein in die Geheimnisse der Natur. Aber zu gleicher Zeit wird sie eine soziale Ordnung begründen müssen, die ganz anders ist als die heutige soziale Ordnung, so daß der Mensch erkennen kann, was die Natur im Innersten zusammenhält, ohne deshalb zum Kampf der wildesten Triebe verführt zu werden.

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