Faust und die Mütter
Das wollte ich heute hauptsächlich auseinandersetzen, daß Goethe Bedeutungsvollstes in dieser «Mütter»-Szene auseinandersetzen will. Daraus sehen Sie aber schon, aus welchen Welten her — aus andern Bewußtseinswelten — Faust die Helena und den Paris zu holen hat. Weil Goethe so Bedeutungsvolles vorführte, deshalb ist auch wirklich die Sprache in diesen Szenen anders, als es auf den ersten Blick hin scheinen könnte. Dasjenige, was nun Faust heraufholt aus dieser Welt, die ich Ihnen angedeutet habe, sehen auch die andern, die sich zu einer Art von Drama versammelt haben. Aber wodurch sehen sie es? Es ist ihnen halb suggeriert. Wer suggeriert? Der Astrolog. Darum ist er auch als Astrolog gewählt. Seine Worte haben suggestive Kraft. Das ist auch deutlich zum Ausdruck gekommen. Diese Astrologen hatten die Kunst des Suggerierens schon in sich aufgenommen; nicht die beste, schon eine solche, die ahrimanisch war. Was tut denn eigentlich unser Astrolog, wenn er da so steht, und dieser Hof, der sich Ihnen, nun ja, als nicht besonders gescheit, wenn ich so sagen darf, vorstellte? Was tut denn eigentlich der Astrolog unter diesem Hofe? Er suggeriert ihnen das, was nötig ist, damit dasjenige, was durch Fausts verändertes Bewußtsein als eine besondere Welt heraufsteigt, den andern gegenwärtig wird. Erinnern Sie sich, was ich Ihnen hier einmal dargestellt, einmal gesagt habe: Man kann heute nachweisen, daß die Worte, die man spricht, ihr Erzittern in gewissen Substanzen zeigen. — Ich habe daran zeigen wollen, daß man heute schon experimentell das Wesen der Beschwörungsszenen klarlegen könne. Aus dem Weihrauchnebel der entsprechenden Worte entwickelt sich wirklich dasjenige, was Faust aus einer ganz andern Welt für sein Bewußtsein herausbringt. Aber für die Hofgesellschaft wird dieses gegenwärtig, wird wirklich gesehen dadurch, daß der Astrolog das Suggestive hinzufügt. Was tut der Astrolog? Er bläst ein, er ist der Einbläser für jedes der Ohren der Hofgesellschaft. Aber: Einbläsereien sind des Teufels Redekunst. Also indem das Wort gesprochen wird:
Cite:
GA 273/1917-11-02/p041 · edition original