{"corpus":"steiner","locus":"GA 273/1919-01-19/p005","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn man diese Stimmung der Sache festhält, dann darf man auch vielleicht das Folgende geltend machen. Allem Erkenntnisstreben, allem nach geistigem Erleben überhaupt gerichteten Menschheitsstreben liegen zwei Grundempfindungen unter. Die eine Grundempfindung kommt daher, daß der Mensch, indem er sein Leben zwischen Geburt und Tod im physischen Leibe verbringt, denken muß, vorstellen muß. Nicht wahr, wir wären nicht voll Mensch, wenn wir nicht über die Dinge und über uns selbst denken würden. Dann aber müssen wir, wenn wir unser Leben vollenden wollen zwischen Geburt und Tod im physischen Leibe, nicht nur denken, sondern auch wollen. Das Fühlen liegt eigentlich zwischen dem Denken und Wollen in der Mitte darinnen. Es ist manchmal mehr ein Denken und Vorstellen, manchmal mehr ein Wollen. Daher kann man, wenn man diese Betrachtung, auf die wir jetzt hinsteuern wollen, anstellen will, von dem Fühlen absehen, nach dem einen Pol des Denkens und Vorstellens hinblicken und auch nach dem andern Pol der menschlichen Betätigung, nach dem Wollen. Der Mensch ist einmal ein denkendes und ein wollendes Wesen. Aber mit diesem Denken und Wollen hat es doch noch seine ganz besondere Bewandtnis. Der Trivialmensch, der gewöhnliche Durchschnittsbürger, betrachtet schon dasjenige, zu dem man kommen kann, als etwas Erreichtes, wenn er auf der einen Seite — wenigstens nach seinen Vorstellungen — möglichst klar denkt, möglichst nach seinen Vorstellungen eindringlich denkt, und wenn er nach seinem Bedürfnisse entsprechend will. Dadurch unterscheidet sich aber gerade der wirklich bis ins tiefe Innerste seiner eigenen Wesenheit hinein ehrliche Erkenntnismensch, daß er sich, wenn er versucht, auf dem Wege des Denkens weiterzugehen, zuletzt gesteht: Ach, mit diesem Denken innerhalb des physischen Leibes komme ich doch nur bis zu einem gewissen Abstand an dasjenige heran, nach dem ich eigentlich hinstrebe.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Statt Homunkulismus und Mephistophelismus: Goetheanismus","site_heading":null,"date":"1919-01-19","location":null,"word_count":285,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/273/1919-01-19/p005","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/273/1919-01-19/p005"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/273/1919-01-19/p005","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}