Statt Homunkulismus und Mephistophelismus: Goetheanismus

GA 273/1919-01-19/p007 ·1919-01-19 · original (original)
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Aber nun ist dies nicht die einzige Grenze, die dem Ausleben des menschlichen Wesens zwischen Geburt und Tod gezogen ist, sondern die andere Grenze ist aufgerichtet da, wo das Wollen sich entfaltet. Wo das Wollen sich entfaltet, da keimen erstens auch die Begierden des Menschen, die aus dem Triebleben heraus kommen. Der Mensch wird zum Wollen getrieben durch Hunger und Durst im gröbsten Sinne, durch andere Triebe; und es ist dann eine ganze Skala von den Trieben hinauf bis zu den reinsten geistigen Idealen. In all dem, von den gröbsten Trieben bis hinauf zu dem reinsten geistigen Ideal entfaltet, liegen die Impulse des Wollens. Wenn man nun aber versucht, mit dem Wollen ins Leben sich hineinzustellen — das war im Grunde gerade Goethes Ziel in seinem «Faust», den Faust mit dem Wollen ins Leben hineinzustellen, damit er erfahren könne alles Lebenbeglückende, alles Lebenzerschmetternde, alles Befreiende und alles Sündhafte im Leben -, wenn man versucht, mit dem Wollen, das ins Tun übergeht, in die Tat sich übersetzt, in das Leben sich hineinzustellen, so kommt man wiederum an eine Grenze. Aber es ist jetzt eine andere Empfindung, die auftritt. Nicht so sehr, daß einen wie beim Denken einer im Nacken faßt und hält vor dem Ziele, sondern indem man will, faßt einen einer und setzt eigentlich immer in einer Weise, wie man es nicht selber haben will, das Wollen fort. Man wird sich gewissermaßen selbst entrissen im Wollen. Da tritt ein anderer auf im Wollen und reißt einen mit sich fort.

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Cite: GA 273/1919-01-19/p007 · edition original