Statt Homunkulismus und Mephistophelismus: Goetheanismus
Man darf schon annehmen, daß in dieser Beziehung gerade die durchchristete Weltauffassung und Lebensanschauung gegen die nächste Zukunft hin einen bedeutsamen Umschwung erfahren muß. Das Christentum ist bisher durch die Entwickelung, die es in verschiedenen Konfessionen erlebt hat, eigentlich nur in seinem Anfangsstadium. Will man ausdrücken, was das Christentum bis jetzt ausgestaltet hat, so könnte man sagen, eigentlich nur die Empfindung in dem Menschen, daß ein Christus einmal da war. Und diese Empfindung ist eigentlich der materiellen Forschung im 19. Jahrhundert wieder verlorengegangen, daß ein Christus da war. Was der Christus in die Welt gebracht hat, wie der Christus im Zusammenhang steht mit dem menschlichen Seelenstreben, da hinein soll erst Licht kommen gegen die Zukunft hin durch geisteswissenschaftliche Untersuchungen und geistige Art der Weltempfindung, durch übersinnliches Erleben, wenn auch zunächst die Menschheit in diesem intellektualistischen Zeitalter dieses übersinnliche Erleben nur im Vorstellen, in den Bildern des Vorstellens wird in ihrer großen Masse haben können.
Cite:
GA 273/1919-01-19/p009 · edition original