{"corpus":"steiner","locus":"GA 273/1919-01-19/p023","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Und so ist es auch mit dem Begreifen des geschichtlichen Lebens der Menschheit. Ich habe in den letzten Heften der Zeitschrift «Das Reich», wo ich über Ahrimanisches und Luziferisches im Leben abgehandelt habe, darauf aufmerksam gemacht, wie luziferische Perioden und ahrimanische Perioden der geschichtlichen Entwickelung abwechseln im Rhythmus. Alies Leben geht nicht geradlinig vorwärts, sondern schreitet von Wellenberg zu Wellental. Aber das ist verknüpft mit einer auch äußeren Veränderung, indem von Wellenberg zu Wellental geschritten wird. Und nur, wenn man diese Verhältnisse durchschaut, kommt man zu einer tieferen Lebensauffassung. Wer geradlinig sich die Evolution denkt, der denkt: Erst waren unvollkommenste Tiere, dann immer vollkommenere, dann so affenartige Tiere, dann hat sich daraus der Mensch entwickelt. - Und wenn man das dann aufs Moralische anwendet - ich habe Sie darauf schon öfter aufmerksam gemacht, auch in öffentlichen Vorträgen -, wenn man das dann weiter ausdehnt, ja, dann kommt so für den richtigen, für den waschechten Darwinisten heraus, daß er sagt: Man sieht ja schon im Tierreiche moralische Triebe, Instinkte, Veranlagungen, die dann zu menschlichem Wohlwollen und so weiter hinführen! — Wiederum eine nichtsnutzige Vorstellung, denn diese rechnet ganz und gar nicht mit dem Lebensrhythmus. Sie denkt die EntwickeJung in einer geraden Linie, Pappschachtel aus Pappschachtel hervorgehend. In Wahrheit liegt die Sache so. Denken Sie sich die höchstentwickelten Tiere mit ihren Eigentümlichkeiten weiterentwickelt, geradlinig weiterentwickelt, da kommt nicht der Mensch heraus, käme nie der Mensch heraus, sondern das höher entwickelte Tier, das würde gerade die Eigenschaften, die Ihnen sympathisch erscheinen im Tierreich, entwickeln in allerantipathischester Weise. Dasjenige, was Sie bei den Tieren bewundern als eine gewisse Geselligkeit, als den Anfang des Wohlwollens, eines sozialen Verhaltens, das weiter heraufentwickelt, schlägt ins Gegenteil rhythmisch um, wird zum Prinzip des Bösen. Hätte sich der Mensch so entwickelt, wie es Haeckel vorstellt, dann hätte sich entwickelt aus den menschenähnlichen Affen eine Menschengesellschaft, die von vornherein den Krieg aller gegen alle vollständig entwickelt haben würde. Denn in allen den Anlagen, die beim Tiere noch gut sind, liegt der weitere Entwickelungsimpuls zum Aufeinanderplatzen in heftigstem, blutigstem Kampfe. Das ist der Rhythmus! Wellenberg schlägt in Wellental um, und niemand sieht hinein in dasjenige, was die Natur birgt, der nicht auf die Entwickelungsmösglichkeiten im Rhythmus sieht. Nach außen anzuschauen das, was geschieht, das lehrt niemals erkennen dasjenige, was wirklich da ist. Nur dadurch, daß gar nicht herauskamen die Entwickelungsmöglichkeiten, die in den höheren Tieren liegen, sondern daß ihnen entgegenkam eine andere Welle des Weltenwerdens, welche abtötete das Bösewerden und gewissermaßen. darüberstülpte über das Bösewerden dasjenige, was die Menschen sein sollten vom Urbeginne aus, nur dadurch entwickelte sich die Menschheit. So daß man vorzustellen hat: Tierreich bis zu einer gewissen Höhe; ihm entgegenkommend die andere Welle, welche abstumpft das Bösewerden.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Statt Homunkulismus und Mephistophelismus: Goetheanismus","site_heading":null,"date":"1919-01-19","location":null,"word_count":449,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/273/1919-01-19/p023","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/273/1919-01-19/p023"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/273/1919-01-19/p023","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}