Statt Homunkulismus und Mephistophelismus: Goetheanismus
Das drückt sich auch aus in der äußeren Form. Es ist geradezu grotesk für den Einsichtigen, wenn das Menschenhaupt so dargestellt wird, als ob es sich aus dem Tierkopf entwickelt hätte nach und nach. Es ist nämlich ein völliger Unsinn. In Wahrheit würde, wenn sich der Tierkopf weiterentwickelte, ein schreckliches Ungetüm herauskommen in dem, was Sie in der gegenwärtigen Inkarnation entwickeln aus Ihrem Unterleibe. Wenn das allein den Kopf bilden würde, wenn es aus sich heraus den Kopf bilden würde, nun, das wäre eine richtige Mißgeburt als Kopf, das wäre ein schreckliches Tierungeheuer. Denn da sitzt die Möglichkeit zum Tierungeheuer. Nur dadurch, daß das Geistige von oben kommt und sich entgegenstülpt, entsteht dasjenige, was Menschenhaupt ist, das aus dem Zusammengehören von zwei Kräften entsteht, von dem, was aus dem Leibe hinaufstrebt, und dem, was aus dem Kosmos entgegenstrebt. Als eine Gleichgewichtslage wird dieses Menschenhaupt herausgebildet. Und in dieser Gleichgewichtslage des Menschenhauptes ruht es, daß wir mit dem, was wir mitbringen aus der geistigen Welt, nicht frei hantieren können. Wir schlüpfen in unseren physischen Kopf hinein, und da können wir nicht das ganz zum Ausdruck bringen, was wir eigentlich sind, wenn wir durch die Geburt ins Dasein eilen. Könnten wir so denken, wie wir gedacht haben vor unserer Geburt, beziehungsweise vor unserer Konzeption, da würden wir nicht einen Homunkulus, da würden wir einen Menschen denken, einen Homo.
Cite:
GA 273/1919-01-19/p025 · edition original