Statt Homunkulismus und Mephistophelismus: Goetheanismus

GA 273/1919-01-19/p034 ·1919-01-19 · original (original)
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Drei Momente, sagte ich, nehmen Sie im Goetheschen «Faust». Nehmen Sie so recht künstlerisch empfindungsgemäß das, was Sie fühlen können, da Faust der Manto gegenübersteht; das, was Sie fühlen können, da Mephisto unter den Phorkyaden selber zu einer Phorkyas wird. Und jetzt den dritten Moment: da Homunkulus am Muschelwagen der Galatee zerschellt, und fühlen Sie, was nun dieser Homunkulus ist. Wir kommen aus der geistigen Welt, suchen durch die Empfängnis und die Geburt das physische Dasein. Im physischen Dasein treten wir entgegen demjenigen, was aus dem physischen Dasein uns als unser Leib gegeben wird. Jeden Abend kehren wir zurück in die Welt, aus der wir heraustreten durch die Geburt; jeden Morgen müssen wir die Geburt bildhaft erneuern, indem wir wiederum in den physischen Körper untertauchen. Da können wir fühlen, wie wir von außen hereinkommend nicht das erreichen, was der Mensch ist, sondern wie uns nur der Homunkulus, das Menschlein, das embryonale -Menschentum entgegentritt, und wie schwierig es ist, zum wirklichen Menschen zu kommen. Wir könnten zum wirklichen Menschen kommen, wenn es uns gelingen würde, knapp vor dem Aufwachen, wenn alle Entwickelungsmöglichkeiten der Nacht ausgeschöpft sind, eine ganz helle Vorstellung zu haben. Diese helle Vorstellung wäre eine Weltvorstellung; diese helle Vorstellung wäre so, daß wir uns nirgends begrenzt glaubten, daß wir uns ausgegossen fühlten über die Welt; daß wir uns ausgegossen fühlten über alles Weltenlicht, allen Weltenton, über alles Weltenleben. Vor uns etwas wie einen Abgrund; jenseits des Abgrundes die Fortsetzung desjenigen, was wir gerade noch fühlen, bevor wir den Abgrund betreten beim Aufwachen: Wärme. Wärme, sie strömt über den Abgrund hinüber. Nun aber treten wir über den Abgrund ein durch das Aufwachen in Luft, Wasser, Erde, die ja unseren eigenen Organismus zusammensetzen. Allerdings, wir treten dem Menschen nahe, wir haben uns vorbereitet, indem wir den Homunkulus befruchten ließen in der geistigen Welt, den Menschen zu erfassen. Aber im gewöhnlichen Verlauf des Lebens tun wir das nicht, was ich jetzt eben angedeutet habe. Die lebendige Vorstellung, die wir haben, die ein Sich-Erleben im Licht, im Weltenton, im Weltenleben wäre, die ein Sich-Zusammenfinden wäre mit den Wesenheiten der höheren Hierarchien, die ebensogut sich verbunden fühlen würde mit den Wesen der höheren Hierarchien, wie sich hier der physische Leib verbunden fühlt mit dem mineralischen, mit dem pflanzlichen, mit dem tierischen Reich, diese Vorstellung, die wir entwickeln würden, wenn der Schlaf knapp vor dem Aufwachen an uns sein Werk getan hätte, die müßten wir mitbringen ins Aufwachen hinein, müßten wir hineinversenken in unseren Leibesmenschen. Dann würden wir das verstehen können, was der Leibesmensch ist. Aber, ach:

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Cite: GA 273/1919-01-19/p034 · edition original