Erster Vortrag

GA 275/1914-12-28/p022 ·1914-12-28 · original (original)
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Es zeigt noch ein Mißverständnis des eigentlichen Nervs der Geisteswissenschaft, wenn man gewissermaßen flieht dasjenige, was die Geisteswissenschaft gibt an schwierigen Ideen und Begriffsbildungen. Und wie viele Menschen das fliehen, wir wissen es ja, wie viele Menschen viel lieber träumen — der Herr gibt’s den Seinen im Schlafe! — und sich viel lieber in allerlei Traumbildern der geistigen Welt von Anfang an Dinge vorzaubern lassen wollen, als durch Aktivität, durch Anstrengung des inneren, seelischen Lebens Erkenntnisse zu gewinnen. Wir wissen es, wie vielen es lieber ist, wenn sie dieses oder jenes Gesicht erleben, als daß sie sich hinsetzen und ein schwierige geisteswissenschaftliche Materien behandelndes Buch studieren, das allerdings geeignet ist, zu denjenigen Kräften der menschlichen Seele zu sprechen, welche im gewöhnlichen Tagesleben schlafen, das also doch anregt das, was sonst unbewußt im Menschen ist und dadurch den Menschen lebendig hineinversetzt in die geistige Welt. Der richtige Gang ist nicht der, daß man das bewußte Tagesleben stumpf entgegennimmt und im trüben schwebt, sondern der, daß man sich anstrengt, hindurchzukommen in der Aktivität seiner Seele durch dasjenige, was an Gedanken- und Ideenentwickelung gegeben ist. Denn wenn man sich einlebt in diese Gedanken- und Ideenentwickelungen, wenn man sich anstrengt, tapfer sich einlebt, dann kommt man durch dieses tapfere, dieses aktive Sich-Einleben zu der Stufe, wo übergeht das bloße Theoretisieren, das bloße Denken, das bloße Fürwahrhalten desjenigen, was so gegeben wird, in ein Schauen, in ein wirkliches Darinnenstehen in der geistigen Welt. Dasjenige aber, was sich für uns gerade als eine moderne Lebensauffassung aus diesen Betrachtungen ergibt, das ist, daß wir durch das technische Milieu hineinsteigen in eine Art ahrimanischer Sphäre und uns durchdringen lassen mit ahrimanischer Geistigkeit.

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Cite: GA 275/1914-12-28/p022 · edition original