Erster Vortrag
Also darauf kommt es an, daß wir durch die Geisteswissenschaft uns zu einer Lebensauffassung durcharbeiten, daß wir dazu kommen, bewußt das anzuschauen, was an Einflüssen auf unseren geistig-seelisch-leiblichen Menschenorganismus ausgeübt wird. Die Art, wie ich das Verhältnis des Menschen zu seiner technischen Umgebung geschildert habe, ist natürlich erst im Anfange der Entwickelung. Etwa vier Jahrhunderte ist es her, seitdem die Sache angefangen hat in solchem Umfange, wie das heute der Fall ist. Und das auf sich so stolze 19. Jahrhundert hat einen mächtigen Schritt vorwärts getan in dieser Verahrimanisierung des menschlichen Lebens. Aber es werden wichtige Schritte hinein in die Zukunft der menschlichen Entwickelung auf diese Verahrimanisierung hin gemacht werden. Vier Jahrhunderte etwa stehen wir darinnen. Langsam und allmählich kommt es herauf. Heute hat es schon einen gewissen Höhepunkt für alle diejenigen erreicht, die es ja zahlreich gibt unter unseren Mitmenschen, die durch die Absonderung im Städteleben kaum noch einen Zusammenhang mit den wahren Naturgeistern haben. Ich habe einmal, ich möchte sagen, symbolisch ausgesprochen, daß es wesentlich für den Menschen ist, wesentlich für seine Entwickelung ist, daß er den Hafer von der Gerste unterscheiden kann. Aber wirklich, wie viele Menschen finden wir denn schon in städtischer Umgebung, die nicht mehr Hafer von Gerste zu unterscheiden vermögen! Die Pflanzen können sie vielleicht noch unterscheiden, weil das bei Hafer und Gerste verhältnismäßig leicht ist, aber besonders die Kerne, den einen Kern vom andern können sie nicht mehr unterscheiden. Wenn sie in der Stadt gelebt haben, oder gar in der Stadt geboren sind, so können sie dies gewöhnlich nicht voneinander unterscheiden.
Cite:
GA 275/1914-12-28/p029 · edition original