Erster Vortrag
Wenn man in die Zeiten zurückblickt, die vorangegangen sind denen, welche die letzten vier Jahrhunderte ausmachen, so stand vor allen Dingen der Mensch nicht nur zu seinem Milieu, zu seiner Umwelt in einer andern Beziehung als heute, sondern er stand auch zu etwas in einer andern Beziehung, in einer ganz andern Beziehung, was in ihm selbst zur Erscheinung kommt, wirklich in ihm selbst zur Erscheinung kommt: er stand in einer andern Beziehung zu seiner Sprache, zu seinem Sprechen. In der Sprache haben wir wirklich nicht bloß das gegeben, was die moderne materialistische Wissenschaft glaubt, sondern wir haben in der Sprache etwas gegeben, was vielfach zusammenhängt mit dem nicht vollbewußten menschlichen Erleben, was sich vielfach ereignet in den unterbewußten menschlichen Regionen, was daher auch durchdrungen ist von geistigen Wesenheiten. Geistige Wesenheiten leben in der Sprache des Menschen darinnen, wirken darinnen, und indem der Mensch Worte formt, Worte bildet, drängen sich in seine Worte hinein elementarische geistige Wesenheiten. Auf den Flügeln der Worte fliegen geistige Wesenheiten durch die Räume, in welchen sich die Menschen miteinander unterhalten. Daher ist es so wichtig, daß man achtet auf gewisse Intimitäten der Sprache, und daß man sich nicht einfach der Willkür des Leidenschaftslebens überläßt, wenn man spricht.
Cite:
GA 275/1914-12-28/p031 · edition original