Zweiter Vortrag

GA 275/1914-12-29/p005 ·1914-12-29 · original (original)
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Wenn wir die einzelnen Künste in Betracht ziehen, so stellt sich uns als diejenige Kunst, welche am meisten losgelöst ist von der ganzen menschlichen Wesenheit, die Baukunst, die Architektur dar. Die Baukunst wird dadurch losgelöst von der menschlichen Wesenheit, daß sie in den Dienst gestellt wird unserer äußeren Impulse, entweder reiner Nützlichkeitsimpulse, wie das bei der Utilitätsbaukunst, bei den eigentlichen Nützlichkeitsbauten der Fall ist, oder daß sie in den Dienst treten muß vieler ideeller, idealer Interessen, wie das der Fall ist, wenn sie mit ihren Werken dem Kult dient, dem religiösen Dienst und so weiter. Wir werden aus dem Gang der Betrachtungen selber ersehen, wie die andern Künste, ich möchte sagen intimer sich anschließen an die eigentliche menschliche Wesenheit als die Baukunst. Die Baukunst hat etwas Losgelöstes von dem, was wir als die Gesetzmäßigkeit des menschlichen Inneren bezeichnen. Und dennoch, für den Betrachter der Welt, der von der Geisteswissenschaft ausgeht, verliert die Baukunst wiederum diesen Charakter der Äußerlichkeit eigentlich in ganz beträchtlichem Maße.

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