Zweiter Vortrag
Wie wir die Gesetze des physischen Leibes hinausschieben in den äußeren Raum in der Baukunst, so schieben wir die Gesetze des Ätherleibes in der Skulptur um eine Stufe herunter. Wir sondern sie nicht ab von uns, sondern wir schieben sie gerade in unsere Gestalt hinein. Wie wir zu suchen haben die Baukunst als die Gestaltung der Gesetzmäßigkeit des physischen Leibes außer uns, so haben wir zu suchen die Skulptur als die Gesetzmäßigkeit unseres Ätherleibes in uns; wir fügen sie dann nur im Bilden in die Bildwerke hinein. Alle Gesetzmäßigkeit der Plastik ergibt sich, wenn wir dies betrachten. Wie wir in der Baukunst nur die Gesetze des physischen Leibes, seine Raumlinien und Kraftwirkungen, hinausversetzen in den Raum und nichts anderes in den Raum hineinnehmen, nichts vom Ätherleib, nichts vom Astralleib, nichts vom Ich, so ist es bei der Skulptur so, daß wir die Gesetze des Ätherleibes um eine Stufe heruntersetzen; wir haben nichts vom Astralleib, nichts vom Ich, nur insofern diese, nämlich Astralleib und Ich, Impulse in den Ätherleib hineinsenden. Daher tritt das Skulpturwerk so vor uns auf, daß es den Schein von Leben erweckt. Das vollständige Leben würde es haben, wenn Ich und Astralleib darin wären. Wir müssen also, wenn wir die Gesetze der Skulptur suchen, uns klar sein darüber, daß sie die Gesetze unseres Ätherleibes sind, wie die Baukunst die Gesetze unseres physischen Leibes enthält.
Cite:
GA 275/1914-12-29/p015 · edition original