Dritter Vortrag
Wenn wir den Menschen genau beobachten in dem, was er halb oder mehr als halb bewußt, unbewußt macht, dann kann uns ins geistige Auge fallen, daß er als schlafender Mensch nicht so ungläubig ist wie als wachender Mensch, ganz und gar nicht so ungläubig. Der heutige wachende Mensch mit seiner Weltanschauung kommt und sagt: Die Schilderung des Saturndaseins in einem solchen Buche wie die «Geheimwissenschaft» ist der reinste, absolute Unsinn! — Selbstverständlich. Aber der Mensch als ganzer Mensch sagt das nicht, sondern er trägt etwas in sich, wodurch er — gestatten Sie den Ausdruck unbewußt weiß, daß es einstmals ein Saturndasein gegeben hat. Er macht etwas, wodurch er dokumentiert, daß er gewissermaßen unbewußt sich an dieses Saturndasein erinnert. Das, was er macht, das ist: er wird zum Baukünstler. Denn es würde niemals eine Baukunst entstanden sein, wenn der Mensch heute nicht in sich tragen würde diejenigen Gesetze, welche dem Menschen schon während der alten Saturnzeit eingeprägt worden sind in seinen physischen Leib. Wir haben gestern auseinandergesetzt, wie diese Gesetze im physischen Leibe hinausprojiziert werden können in den Raum und dann draußen baukünstlerische Gesetze sind. Alles das, was der Mensch während der alten Saturnzeit in sich aufgenommen hat, das geheimnißt er hinein in die Gesetze der Architektur. Selbstverständlich muß er das mit den heutigen Mitteln tun, so daß sich, was uns da in den gegenwärtigen Werken der Baukunst entgegentritt, ganz anders ausnimmt als das, was wir von der «Saturnarchitektonik» kennen. Aber das Wesentliche, das Lebendige, das wir machen im baukünstlerischen Tun, ist das, was sich in den Menschen eingepflanzt hat durch das alte Saturndasein.
Cite:
GA 275/1914-12-30/p007 · edition original