{"corpus":"steiner","locus":"GA 275/1914-12-30/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Gewiß, dieser Weg, dieser Pfad zur Initiation hat zwei Seiten. Die eine Seite ist diese, daß der Mensch die Geheimnisse, die Rätsel des Daseins durch die Initiation kennenlernt, daß er durch sie eintritt in das geistige Erleben des Daseins. Die andere Seite ist aber dasjenige, was wir nennen können das mehr Subjektive, das mehr in der Seele sich Abspielende der Initiation. Es ist zugleich das, vor dem die Menschen am meisten zurückschrecken, weil es in der Tat etwas darstellt, was nicht zu den Bequemlichkeiten des seelischen Erlebens gehött, denen sich die Seele so leicht hingibt oder hingeben will. Es gibt eine Skala, eine ungeheuer ausführliche Skala inneren Erlebens für denjenigen, den sein inneres Erleben allmählich zur Initiation führen soll. Die Überwindungen, Befreiungen, die Widerstände und Erlösungen, sie wechseln ab in mannigfaltigster Weise in dem inneren Erleben auf dem Wege zur Initiation: Da hat man durchzumachen all dasjenige, was uns die Seele so erfühlen läßt, wie wenn sich diese Seele plötzlich ganz fremd geworden wäre, wie wenn sie in einen Abgrund gestürzt wäre, wo sie fühlen muß von sich, wie wenn sie ewig verloren wäre und nimmer wiederfinden könnte das, was sie schon in irgendeiner Lebenszeit einmal erworben hat. Wie eine unendliche Bestürzung und Trauer gegenüber dem Verlieren des schon gewonnenen Daseins kann es über die Seele kommen. Und dann wiederum kann es auch so über die Seele kommen, wie wenn diese Seele sich zersplittern müßte, aufgehen müßte in eine unendliche Vielheit, in alle die Wesen, aus denen der Kosmos zusammengesetzt ist. Dann aber ist es wieder die Stimmung, wie wenn sie sich fühlen muß hindurchwandeln durch die Wesen des Alls, verwandt werden mit dem Wesen des einen, wiederum verlassen dieses Wesen und verwandt werden mit dem Wesen des andern, wie ich das geschildert habe in meinem Buche «Die Schwelle der geistigen Welt», wo ich dargestellt habe die Erlebnisse, die immer verbunden sind mit schmerzlichen Entbehrungen, mit schmerzlichen Verlassenheiten, wenn sie im einzelnen durchgemacht werden. Endlich dasjenige, was die Seele erleben kann, wenn sie die radikalste Verwandlung, möchte ich sagen, miterlebt, wo die Seele sich entschließen muß zu dem, was ausgedrückt werden kann mit den Worten: Du mußt jetzt eine Weile dich selber verlieren, dich selber von dir stoßen, aber du mußt das Vertrauen haben, daß, während du dich selber verlierst, während du dich von dir stößest, Wesen, die in den Weiten der göttlichen Hierarchien ruhen, dich bewahren und wieder dich selbst finden lassen, nachdem du dich verloren hast. — Dies ist das Durchgehen durch Geburten und Tode. Das ist es, was durchzumachen ist unter den inneren Erlebnissen, die zur Initiation führen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1914-12-30","location":null,"word_count":431,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/275/1914-12-30/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/275/1914-12-30/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/275/1914-12-30/p015","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}