Dritter Vortrag

GA 275/1914-12-30/p030 ·1914-12-30 · original (original)
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Von der Schilderung des Initiationsweges aber werden ausgehen die Inspirationen und Intuitionen für das musikalische und im weiteren Sinne auch für das dichterische Schaffen. Dann wird auch die Zeit einmal kommen, wo wiederum dichterisches Schaffen da sein wird in der Welt im echten Sinne des Wortes. Das dichterische Schaffen hat ja bis zu einem gewissen Grade ausgeklungen. Die göttlichen Träume, die bei den echten Dichtern verkörpert sind, gehörten noch den letzten Resten der alten Göttererbschaft an. Aber eine Zeit muß kommen, wo aus der Einsicht in die Geheimnisse der Initiation heraus die Menschen im Drama oder in der Epik oder in der Lyrik sprechen werden von solchen innersten Seelenvorgängen, die der Mensch erlebt, wenn er nicht mit sich allein lebt, sondern wenn er mit den Göttern der höheren Hierarchien zusammen lebt. Von dem Versgeklingel, das uns immer wieder und wieder nachklingelt das, was die Menschen im physischen Leben erleben, wird man in nicht allzu ferner Zeit sagen: die Menschen sollen einen in Frieden damit lassen. Was sie da vom Morgen bis zum Abend herumlieben, herumhassen, herumfreuen, das ist ihre eigene Sache. Was sie mit den Göttern zusammen erleben, wenn sie den Weg heraus finden aus dem irdischen Erleben, davon werden sie uns erzählen in ihrem musikalischen Schaffen, davon werden sie uns erzählen, wenn sie Dramen, Epik oder Lyrik schaffen. Denn wir wissen: all dasjenige, was der Mensch miterleben kann mit dem außerirdischen Dasein, muß hereingeholt werden durch wirkliches, auch vom Alltagsleben sich ablenkendes Schaffen.

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Cite: GA 275/1914-12-30/p030 · edition original