Sechster Vortrag

GA 275/1915-01-02/p034 ·1915-01-02 · original (original)
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Ich will mit diesem nur beispielsweise eine allgemeine Gesinnung in unserer Zeit andeuten, die Ihnen zweifellos bekannt ist. Man braucht sie nur anzuschlagen, so weiß jeder, daß sie sehr, sehr verbreitet ist und daß es viele Menschen gibt, die es ganz gewiß sonderbar finden werden, daß wir uns hier so schulmäßig zusammensetzen und, trotzdem manche von uns schon ein reichliches Alter erreicht haben, immer noch etwas in uns aufnehmen wollen in der Zeit, die man nach ihrer Meinung viel nützlicher verwenden könnte. Aber gerade darinnen wird ein völliger Umschwung sich vollziehen müssen, daß der Mensch nicht bloß den lernmäßigen Zusammenhang mit der Geisteswissenschaft wird haben wollen, sondern den lebendigen, fortdauernden Zusammenhang. Das ist es, was kommen wird. Die Geisteswissenschaft kann man nicht so in sich aufnehmen, wie man kompendienmäßig andere Wissenschaften aufnehmen kann, sondern die Geisteswissenschaft muß lebendig bleiben. Sie wird tot, wenn man ihren Inhalt nur aufgenommen hat und nicht im lebendigen Betriebe vereinigt mit ihr bleibt. Sie wird tot, sie stirbt ab, sie muß aber immer lebendig erhalten bleiben. In diesem Sinne muß die Geisteswissenschaft belebend wirken, sie muß das Menschenherz offen erhalten für alles das, was einfließen kann von der geistigen Welt in das Menschenherz, damit wir einer fortwährenden Evolution unterliegen.

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