Achter Vortrag
Nach dem, was sich ereignet hat und was ausgedrückt ist in der Paradiesesmythe, wurde dem Menschen gelassen das Essen vom Baume der Erkenntnis, nicht aber vom Baume des Lebens. Und das innerliche Genießen würde sein das Genießen vom Baume des Lebens. Das sollte nicht für den Menschen eintreten. Ich kann dieses Motiv heute nicht weiter ausführen, denn das würde zu weit führen, aber Sie werden durch eigenes Meditieren über das, was hier angeschlagen worden ist als Motiv, noch weiteres herausfinden können. Nun können Sie aber etwas anderes, was uns in diesen Tagen besonders wichtig sein kann, von da ausgehend ins Auge fassen: Das können wir nicht, vom Baume des Lebens essen, das heißt, unsere Bluttätigkeit im Inneren genießen und unsere Nerventätigkeit im Inneren genießen, das können wir nicht. Nun aber kommt, gerade wenn wir durch unsere Sinne und unseren Verstand die Außenwelt erkennen, etwas zustande, was wohl mit einem solchen innerlichen Genießen zusammenhängt. Bei der Wahrnehmung irgendeines Dinges der Außenwelt und bei dem Nachdenken über irgendein Ding der Außenwelt verfolgen wir gegen die Sinne zu - also gegen die Augen, die Ohren, die Nase, die Geschmacksnerven zu - die Blutbahnen, und wenn wir denken, verfolgen wir die Nervenbahnen. Aber wir nehmen nicht dasjenige wahr, was wir dadrinnen in den Nervenbahnen und dem Blute wahrnehmen würden, sondern das, was wir im Blute wahrnehmen würden, wird durch die Sinne reflektiert, wird zurückgeworfen, gespiegelt, und dadurch entstehen die Sinnesempfindungen. Und das, was durch die Nervenbahnen geleitet wird, wird ebenfalls reflektiert und zurückgeleitet da, wo die Nervenbahnen ihr Ende erreichen, und wird dann gespiegelt als unsere Gedanken.
Cite:
GA 275/1915-01-04/p032 · edition original