Achter Vortrag
Aber es kann sich eine ganze Innenwelt also aufbauen. Diese Innenwelt kann sein eine Summe von Imaginationen. Während wir aber beim Wahrnehmen der äußeren, physischen Welt in regulärer Weise für unsere Erdenentwickelung Reflexionen und Spiegelbilder unserer Blut- und Nervenereignisse wahrnehmen, können wir — uns in uns selber genießend vertiefend — nicht über die Sinne hinausgehen, sondern nur bis zu dem Punkte gehen, wo der Blutlauf in den Sinn einmündet. Dann erlebt man die imaginative Welt so, daß man gleichsam schwimmt im Blute wie der Fisch im Wasser. Aber diese imaginative Welt ist in Wahrheit keine Außenwelt, sondern eine Welt, die in unserem Blute lebt. Wenn man in den Nerven lebt, die bis zu den Sinnen hingehen, dann erlebt man eine inspirierte Welt, eine Welt von Sphärenklängen und eine Welt innerer Bilder. Das ist wieder kosmisch, aber es ist nichts Neues. Es ist nur etwas, was seine Aufgabe erschöpft hat, indem es in unser Nerven- und Blutsystem hineingeronnen ist.
Cite:
GA 275/1915-01-04/p034 · edition original