Achter Vortrag
Wenn man die Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfolgt, wenn es auch nicht mit der Genauigkeit und Präzision der neuen Geisteswissenschaft so beschrieben werden konnte wie heute, so werden Sie doch das pythische und das prophetische Hellsehen beschrieben finden. Man kennt heute diesen Unterschied nicht mehr, weil man nicht mehr das verstehen kann, was man von dem pythischen und prophetischen Hellsehen in den Büchern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liest. Beide Arten des Hellsehens aber sind heute nicht dasjenige, was wirklich die Menschheit vorwärtsbringen kann. Diese beiden Arten des Hellsehens sind diejenigen, welche alten Zeiten gegolten haben. Das heutige Hellsehen, das sich gegen die Zukunft hin immer mehr und mehr entwickeln muß, kann weder dadurch entstehen, daß wir das, was im Tagwachen unseren Leib von innen heraus durchdringt, genießen, noch auch dadurch, daß wir von außen in schlafähnlichem Zustande, aus Liebe — nicht zu uns selber, sondern zu demjenigen Menschenteile, dem unser Leib angehört untertauchen in diesen Leib. Beide sind überwundene Standpunkte.
Cite:
GA 275/1915-01-04/p046 · edition original